Liberales Judentum
- Journal
- Liberales Judentum
- Volume
- 9 (1917)
- Issue
- Heft 7-8 (Juli 1917)
- Date
- 1917-07-01
- Page
- Seite 82 (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
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is> Nie Bedeutung des Unterrichts im Hebräischen o o OO material zu verlieren haben, vorhin ist mir der alte Horaz eingefallen. Er warnt davor, die rechte Stunde zu verpassen, weil man sonst verfahre, wie der Bauersmann, der auf das andere Flußufer hinüberkommen und deshalb abwarten will, bis das Wasser abgelaufen sein wird, das doch fließt und in alle Ewigkeit weiterfließen wird. Sie, verehrter Herr Rabbiner, und die anderen Führer des liberalen Judentums, die das Glück haben, in der Heimat zu weilen, werden dafür sorgen müssen, daß es dem jüdischen Liberalismus und damit der Zukunft des ganzen deutschen Judentums nicht ebenso ergehe, daß an ihm nicht der Strom des Lebens vorüberrausche, denn „Leben nur kann Leben geben". Wir hier draußen können dabei nicht helfen. Sie aber und unsere anderen Freunde sollten trotz aller Schwierigkeiten ohne bängliches Schwanken die Arbeit in Eingriff nehmen, bis auch uns der Heiß ersehnte Tag erstrahlt, an dem wir zurückkehren und mithelfen dürfen auf den Pfaden des Friedens. In herzlicher 'Gesinnung und mit aufrichtigen Grüßen für Sie und Ihre Lieben zu Hause und in der Front Ihr ergebener Dr. Eduard Baerwald. Zur Bedeutung des Unterrichts n der Delegiertenversammlung der Vereinigung für das liberale Judentum, die (9(2 in Posen stattfand, wurde hinsichtlich des Religionsunterrichts bemerkt: „Damit unsre'Jugend die religiös-ethischen Anschauungen des Judentums aus der Urquelle zu schöpfen imstande sei, aus der allein sie rein, ungetrübt gewonnen werden können, zu diesem Zwecke und vornehmlich zu diesem Zwecke muß sie im Hebräischen, in der Sprache der Religion, unterrichtet werden." Wie wichtig diese Forderung behufs Erreichung des Angegebenen Zweckes ist, das. lehrt ein Blick auf die Geschichte der Uebersetzung bedeutsamer Stellen unsrer Bibel. Es dürfte schier unglaublich klingen, daß unser Schema Jisrael adonaj elohenu adonaj echad (Deuteronomium 6,H) von den verschieschiedenen glaubensgenössischen Uebersetzern verschieden, .übersetzt wird... So lesen wir bei Joseph Witzenhausen ((787): Höre Israel, Gott unser Gott ist ein einiger Gott; bei Rloses Alondelssohn und (in der von Zunz redigierten Bibel (857) bei Ulichael Sachs: H. I., der Ewige, unser Gott, ist ein einiges ewiges Wesen; bei Johlson ((S3(): H. I., der im Hebräifchen. Ewige, unser Gott, ist ein einiger, ewiger Gott; bei Gotthold Salomon in der stereotypen Ausgabe von (837: H. I., Gott, unser Herr, Gott ist einer; bei S. Herxheimer in seiner Bibelübersetzung ((8^(): H. I., der Ewige, unser Gott, ist ein einiger Ewiger und in der letzten, von ihm selbst besorgten (der 22.) Auflage seiner Glaubens- und Pflichtenlehre ((883): H. I., der Ewige, unser Gott, ist cm einziges, ewiges Wesen; bei Ludwig Philixpson ((8W und in der Bibel der israelitischen Bibelanstalt: H. I., der.Ewige, unser Gott, .der Ewige ist einig; in der kleinen Schul- und Hausbibel von Jakob Auerbach: H. I., der Herr, unser Gott, ist der Ewige, Einzige; bei Samson Raphael Hirsch: H. I., Haschern, unser Gott, ist Haschern der einzig Eine und im Gebetbuch für die Neue Synagoge in Berlin: H. I., der Ewige, unser Gott, ist der Eine G.ott. Unsrer Ansicht nach ist keine der angeführten Uebersetzungen richtig. Auf das einleitende „Höre Israel", folgt nicht ein Satz, sondern die zwei Sätze: Der Ewige ist unser Gott, der Ewige ist einzig (eine Uebertragung, die schon Johlson (83( in einer Anmerkung zu seiner