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Liberales Judentum · 1917-07-01 · Heft 7-8 (Juli 1917) · p. Seite 81

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Journal
Liberales Judentum
Volume
9 (1917)
Issue
Heft 7-8 (Juli 1917)
Date
1917-07-01
Page
Seite 81 (sequence 9)
Language
German
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I :!!'i «o Mr- Saerwald: Urbrr dir notwendige Umgestaltung des M. Gottesdienstes 81 lichsten^ postulate verwirklicht. Uns helfen keine Richtlinien oder Leitsätze über Gemeinde- Politik oSer sonstige theoretische Erörterungen. Ls. mutz praktisch gearbeitet werden. In den Großgewernden müssen die wirklich liberal Gesinnte« sich zusammentun und um der Zukunft d«s Judentums willen bei den Gemeindeverwaltungen eine Blenderung des Gottesdienstes für ihre Richtung fordern, wie sie ihre« Anschauungen entspricht, meinetwegen «Bcker Festhaltung lokaler Eigenheiten und zunächst in bescheidenen äußeren Formen, wie es in Frankfurt der Fall gewesen ist. Dies Verlangen muß so eindringlich und solange ^stellt werden, bis die GemeindeverwaldWgen sich ihm ebensowenig entziehen können, wie sie den geringsten Wünschen der KonservcEven zu widerstreben pflegen. Gerade das Frankfurter Vorbild hat gezeigt, d.^ß. sich eine Gemeinde findet, wenn ihr ein geeigneter-Gottcsdienst gewährt wird, und wenn sie nicht an jedem Sabbat aus zahlreichen Mitglieder» besteht — genau so, wie die evangelischen Kirchen an gewöhnlichen Sonntagen öfters Lücken aufweisen sollen —, so muß man das hinnehmen und sich damit begnügen, daß sie sich an den Festen versammelt, und daß ihre Kinder an den Freitagabenden das Gemüt mit religiösen Eindrücken füllen können. Auch das wäre ein Preis, des Schwei- . ßes der Edlen wert. Gibt es tzinmal nicht nur in Frankfurt, sondern auch in einigen Verliner Synagsgen, in Breslau, Hamburg, Nürnberg und «»deren Großgemeinden solche Gottesdienste, die den Zusammenhang mit dem geschichtlich Gewordenen nicht verleugnen und doch den Bedürfnissen unserer Zeit und den nicht wegZÄeugnenden Tatsachen Rechnung tragen, so wird ein solches Beispiel ebenso Nachahmung finden, wie es bei den Reformen Abraham Geigers der Fall war, und wir konnnL« dann vielleicht über Jahr und Tag auch dssmcd zu einem gemeinsamen Gebetbuch und damit auch zu einer wirklichen Einheit der liberalm- Juden Deutschlands - bei der unnötigen Zersplitterung und Ligenbrödelei im deutscher Judentum wäre das angesichts einer .Zeih, die gebieterisch auf die Notwendigkeit der Jchammenfassung hinwem. ein hohes Ziel. Der Weg bis dahin erscheint weit, aber es gibt ruf ihm.nur einen Wegweiser: vorwärts. Lapsrs aude, incipe! Ich schreibe Ihren diese Zeilen nicht etwa aus übertriebener Vorliebe für den Gottesdienst der Synagoge an der König steinerstraße im liebm Frankfurt, bin vielnrehr — wie Sie wissen und wie Sie mir nicht verübeln dürfeu — für seine Schwächen nicht blind. Ebensowenig bin ich von einer Abneigung gegen das Hebräische beseelt, sür dessen Schönheit ich mir einiges Verständnis bewahrt habe und für' meine Person könnte ich mich vielleicht eher mit dem von Jugend auf gewohnten Ritus befreunden, in deru das Hebräische dominiert. Es ist vielmehr der Ernst der Stunde, dar mich zu Ihnen führt. Soll das Iudentunr aus ihr gar nichts in Zeiten hinüberretten, die schwer genug sein werden, auch wenn käw Gpfer an Blut niehr zu leisten -sind? Der Krieg hat vieles aufgerüttelt und auch iavrrhalb unserer Glaubensgemeinschaft relisfvse Gefühle neu erweckt. Ohne Zusammerspssung ihrer Bekenner im Gottesdienst kann krme Religion bestehen, und ein Gottesdienst, dar nicht verstanden und deshalb auch nicht imurlich miterlebt wird, ist kein Gottesdienst mrhr. Geben wir ihn auf, dann genügen dir Erinnerung au Abstammung und vergcngenheit, die gemeiusame Arbeit für bedrückte und arme 'Glaubensgenossen undder uns vielfach — aber hoffentlich nicht für Lös Dauer —^ -aufgedrungene gesellschaftliche und wirtschaftliche Zusammenschluß nicht, um gegenüber andersgearteten Einflüssen cmen Zerfall und das Hinwegströmen von Elementen zu verhindern, auf die wir schon deshalb iSewicht legen müssen, weil wir nickst viel an Rlenschen-

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