Liberales Judentum
- Journal
- Liberales Judentum
- Volume
- 9 (1917)
- Issue
- Heft 7-8 (Juli 1917)
- Date
- 1917-07-01
- Page
- Seite 79 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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0 o » o Ar. Sorrrvald: Urbrr die naturrndige Umgestaltung des M. GattrsLienstrs Gebete und unserer Helligen Schriften der Gemeinde erschlossen werden; das kann nur geschehen, wenn die Muttersprache mindestens in dem Umfang, wie es in Ihren "Gebetbüchern geschehen ist, berücksichtigt wird. Der hebräisch vorgetragene Thora-Abschnitt muß der Gemeinde, die von diesem 'Teil des Gottesdienstes kein Wort zu verstehen pflegt, durch Ueberfetzung oder — soweit dies bei einzelnen Stellen nicht angängig' fein sollte — durch Wiedergabe des wesentlichsten Inhalts zugänglich gemacht werden. * 2. Der Gottesdienst muß namentlich an den Festtagen bedeutend gekürzt werden, wenn er von der lebendigen Teilnahme der Andächtigen, insbesondere der Jugend, getragen werden soll. 3. Die Stellung des Rabbiners ist erheblich zu stärken, wir haben Gottesdienste — z. B. an den Vorabenden des Sabbats und der Feste — an denen der Rabbiner, soweit er nicht predigt,, abgesehen -vielleicht vorr einem kurzen Schlußgebet so gut wie gar nicht in Aktion, tritt. Das mag historisch verständlich sein, ist aber nach unserem Empfinden'der Stellung des Rabbiners nicht wür- - dig. wichtigere deutsche Gebete müssen von ihm vorgetragen werden. Dabei kann durch einen Wechsel in der Auswahl die Eintönigkeit vermieden oder doch abgeschwächt werden- .die durch die stereotype Wiederholung .ein Mnd derselben Gebetstücke bedingt jst. Glückliche, aber noch ungenügende Ansätze finden sich in Ihrem Gebetbuch für den Gottesdienst am Sabbatvormittag, z. B. bei der Auswahl der öallelpsalmen. Der Rabbiner brauchte sich dabei auch nicht an das Gebetbuch zu ljalten, das jedem Besucher gedruckt vorliegt. In unseren heiligen Schriften, vor allein in den Propheten, dann aber auch in der gewaltigen Literatur des nachbiblischen Schrifttums finden sich unvergängliche Herrlichkeiten, von denen inan in den Synagogen gar nickD zu hören pflegt und es kann für jeden Rabbiner nur eine Freude sein, sie im Rahmen des Gottesdienstes zum Vortrag zu bringen und dadurch die Andächtigen zum eigenen Söudium dieser Schätze anzuregen. . Entscheidendes Gewicht lege ich auf den Gemeindegesarg!. Hier sind die Dinge bei uns sehr im 2Kgen. Begabte Rantoren und Thordirigenten geraten leicht in die Versuchung^ eigene ScWfungen darzubieten und sie kunstvoll ausfüchien zu lassen, wie oft kommt es vor, daß man statt der gewohnten, den Andächtigen vertrauten weise plötzlich eine neue, musikaHch vielleicht viel wertvollere, aber ganz uvnsangbare Weise findet. Ich will nichts gegrn den Runstgesang an sich sagen, aber er darf nicht den Vorrang vor der Teilnahme aller Gemeindemitglieder beanspruchen, die mir im Gemeindegesang zum Ausdruck gelangen kann. Je einfacher und schlichter die ZUckodie, um so besser. Dabei wäre es gar kern Unglück, wenn man zu einer gewissen vuleinheitlichung kommen und z. B. dazu gLrngen würde, daß der Hamburger Jude, dur in die Danziger Drgelsynägoge kommt, dort Weisen vorfindet, die ihm bekannt sind mfö die er mitzusingen in der Lage ist. Die Verschiedenheit der Riten innerhalb unserer Geraten Gemeinden läßt sich verstehen, so bedauerlich sie meines Erachtens auch ist, aber man sollte sie schleunigst dadurch zu' verringern suchen, daß die Zustände auf dem Gebil des Gemeindegesanges gebessert werden. Jeder Feldgottesdienst zeigt — wie sck-on oft geMg betont wurde — die Unhaltbarkeit des Migen Zustandes grade auf diesem Gebiet. 5. Daß die Frauar> die auch in iortl>odoren Synagogen bei Trauungen oder Vorträgen ihren Platz im SchM nehmen dürfen, den liberalen Gottesdienstm nur auf der Empore beiwohnen können, widerspricht unseren An-