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Liberales Judentum · 1917-07-01 · Heft 7-8 (Juli 1917) · p. Seite 77

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Journal
Liberales Judentum
Volume
9 (1917)
Issue
Heft 7-8 (Juli 1917)
Date
1917-07-01
Page
Seite 77 (sequence 5)
Language
German
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Ar. Aarrwald: lieber die nstivendigr Umgestaltung des M. Gottrsdirustrs 77 denen in der Geimat, die einen solchen Kampf fürchten und erst recht den vielen Kameraden ein Trost sein, die im Felde trotz aller Verheißungen der obersten Stellen durch Zurücksetzung und kränkende Behandlung verbit-^ Lernde Erfahrungen sammeln mußten. Wir alle aber müssen darauf bedacht sein, in nöch stärkerem Maße als bisher „innere Mission" zu treiben und durch strengste Selbstzucht die Achtung der Andersgläubigen 511 erringen und zu bewahren, wir müssen schwarze Schafe, die sich bei uns ebenso finden, wie bei Katholiken und Protestanten, unnachsichtlich brandmarken und wir dürfen uns auch nicht immer wieder, durch ein vielleicht nur unbedacht hingeworfenes Wort.gekränkt, auf uns selbst zurückziehen, müssen vielmehr danach streben — unbeschadet unseres Selbstbewußtseins — den großen Zusammenhang mit unseren Volksgenossen aufrecht zu erhalten und zu vertiefen. Eine der schlimmsten Früchte des Antisemitismus ist die gesellschaftliche und politische Sonderstellung, in die wir durch ihn hineingeraten sind, und wir müssen gerade in einer Zeit, in der das Vaterland den engsten Zusammenschluß aller seiner Kinder fordert, ohne Scheu vor dem unausbleiblichen Vorwurf des Assimilantentums uns einmal ernstlich die Frage vorlegen, ob nicht auch wir durch übermäßige Abschließung die Kluft, die vor zwei Menschenaltern unter den Gebildeten wenigstens auf sozialem Gebiete längst nicht so tief war, unnötigerweise erweitert haben. Zu den willkommenen Neuerscheinungen im Feindesland gehört der Feldrabbiner. Ich hatte kürzlich die Ehre, eine ruhige halbe Stunde mit einem dieser Herren verplaudern zu dürfen, noch dazu mit einem Manne, der sich als Soldat bas Eiserne Kreuz an der Front erworben hat, ehe er in seine jetzige Stellung kam. Seine vornehme, ruhige und doch bestimmte Art muß bei Jedermann und ücht zuletzt bei den Generälen und höheren ötäben, mit denen er immer wieder in Berührung kommt, einer, ausgezeichneten Umdruck Hervorrufen undDorurteile, die in diesen Kreisen tief eingewurZÜt sein mögen, auf das Wirksamste entkräften. — Mit Freude und Spannung sah ich meinem ersten FeldaottesLenst entgegen. Erfand aus Anlaß des Wochorfestes in dem Gerichtsgebäude eines benachbarten Städtchens statt, und es hatten sich M ihm mehr als zwei Dutzend Kameraden cas allen möglichen Waffengattungen — Stwmtruxpen, Trainsol daten, Infanteristen, Kanoniere, Landsturm - männer — zusammempfunden, daneben etwa zwanzig russische Gefmgene. In Ermangelung eines Vorbeters mußte der auch sonst schon reichlich in Anspruch genommene Feldrabbiner den ganzen Gottesdienst selbst abhalten, nur die vorlhung. aus der Thora und dem f)rophetencchchnitt konnte ihn: ein kundiger Landsturmnunn abnehmen. Mit Ausnahme der f)rediK, des ‘ kurzen Gebetes für Kaiser und bseer und einer deutschen ' Paraphrase von „Oleim leschabeagh“, wurde der ganze Gottesdienst m hebräischer Sprache abgehalten, er daueM-r trotz der äußeren Knappheit der inhaltlichen predigt nahezu Stunden, was für die Kameraden, die einen Marsch oder eine Eisenbahnfahrt hinter sich hatten, zu lange war, vor allein, weil nur ein kleiner Teil vonöhnen den hebräischen Gebeten folgen formte; Der überwiegende, Teil der jüngeren Soldaten gab zu, daß sie kein Wort von ihnen »erstanden hätten, sie langweilten sich sichtlich, und so herrschte trotz der Heiligkeit der HcnLlung und der militärischen Disziplin Unrche und Flüstern. An einen genreinsärnen Gqpng der hebräischen Gebete durch die deutschen Kameraden war trotz aller Bemühungen Des Rabbiners nicht zu denken, und »leider vermochten nur die Wenigsten in den Schlußgchang „Lu kelokenu" einzustimmen. Eine Woche später wohnte ich einem evangelischen Militärgtttesdienst bei. Seine

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