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Liberales Judentum · 1917-07-01 · Heft 7-8 (Juli 1917) · p. Seite 76

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Journal
Liberales Judentum
Volume
9 (1917)
Issue
Heft 7-8 (Juli 1917)
Date
1917-07-01
Page
Seite 76 (sequence 4)
Language
German
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76 Ar. Saerrvald: Nrbrr dir notwendige Umgestaltung des znd. Gottesdienstes o o o o fern bot>en Ziele mögen alle Lehrer und Erzieher in Israel ihre Kräfte und Zähigkeiten widmen, dann wird in absehbarer Zeit jdie Erziehung zum Judentum eine besondere jüdische Erziehung als überflüssig erweisen. Die Erziehung zum Judentum wird eine Erziehung zur Humanität, dem ewigen Ziele aller Erziehung werden. Ueber die notwendige Umgestaltung des jüditchen Gottesdienttes. Von Vr. Cduard Baercoald-frankfurt a. M., z. 2. im felde. . Frankreich, Ende Juni \ty\7. verehrter Herr Rabbiner! Empfangen Sie herzlichen Dank für Ihren freundlichen Brief vonl 20. Juni. Mein Abmarsch aus der Heimat hat sich so rasch vollzogen, daß ich leider außer Stande war, mich von Zhnen zu verabschieden. Um so erwünschter ist es mir, dgß stille Nachtstunden auf der Fernsprechwache eines kleinen französischen Dorfes es'mir ermöglichen. Ihnen von meinen Erfahrungen zu erzählen und in Anknüpfung an sie und an frühere Gespräche Ihnen einiges von dem zu sagen, was ich auf dem Herzen habe. Zunächst eine erfreuliche Wahrnehmung. Wenn man in vorgerückten Jahren als ungedienter Mann zur Fahne einberufen wird, ist es äußerlich und innerlich nicht leicht, sich in das ganz ungewohnte militärische Lieben zu finden. Die Aufgaben, die jeder Tag von neuem bringt, ließen sich nicht erfüllen, wenn nicht Rat und Beistand erfahrener' oder für den militärischen Beruf besser ausgerüsteter Kameraden zur Verfügung ständen' Diese Kameradschaft bewährt sich immer wieder und sie wird Jedem entgegengebracht, der sich bemüht, ihrer wert zu sein — gleichgültig welchem Stande oder welchem Glaubensbekenntnis er angehört. Die Truppenteile sind jetzt oft bunt zusammengewürfelt, man findet in vielen Abteilungen Angehörige fast aller deutschen Stämme, und ich gehöre seit Wochen einer Fortnation an, die — außer Bayern — Soldaten aus allen Teilen des Reiches umfaßt, darunter nur ganz vereinzelte Akademiker, verhältnistnäßig wenig £eiite mit höherer Bildung, in der überwiegenden Mehrheit Mannschaften aus sozial tiefer stehenden Klassen unseres Volkes und in allen Altersstufen zwischen und ^8 Jahren. In dem engen Zusammenleben, das der Krieg zur Folge hat und bei der völligen Gleichartigkeit der primitiven Bedingungen, unter denen tnan lebt, gewinnt man Liefere, unverfälschtere Einblicke in die Stimmung der Masse, als je zuvor, und dabei habe ich erneut das bestätigt gefunden, was ich itntner erfahren hatte: In den breiten Schichten des deutschen Volkes hat der Antisemitismus keinen Boden gefunden, selbst nicht bei Leuten aus sogenannten anttsemitischen Gegenden, wie Gberhessen und dem Siegerland. Hier draußen wird immer nur gefragt, ob mcm es mit einem anständigen, zuverlässigen Kameraden zu tun hat und nicht, ob es sich um Iud oder Thrist handelt, und für die richtige Würdigung der Menschen nach der rein menschlichen Seite hin hat gerade der gemeine Mann in der Regel einen sehr feinen Blick. Aus solchen Beobachtungen läßt sich die Hoffnung knüpfen, daß wenn nach dem Kriege politische Parteien unter einseitiger Betonung der Vergehungen einzelner Glaubensgenossen einen neuen antisemitischen Feldzug ins Werk setzen wollen, der in letzter Linie gar nicht uns Juden gilt, dann ein solcher Versuch diestnal an dem gesundet: Sinn der Volksgesanttheit rasch scheitertl wird. Dieser Gedanke mag Ihnen, ebenso wie all 1 ’i - - - i*^iirafcii.iittiiinait^lw^,t,iaa,ii,^'

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