Liberales Judentum
- Journal
- Liberales Judentum
- Volume
- 9 (1917)
- Issue
- Heft 5-6 (Mai 1917)
- Date
- 1917-05-01
- Page
- Seite 71 (sequence 23)
- Language
- German
- Belongs to
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Ar. Srligrnann: Eine Frirdrnsspende 71 Das nationale Judentum, verkörpert in der Dwniftischen Partei, ist heute eifriger denn fe am Werke, sich als kfeilsweg der Zukunft des Indentunrs anzupreisen und vor allem fax far Jugend für sich zu werben. Weniger die Idee des jüdischen Nationalismus als dir sittliche Lmxörnng und Reaktion gegen faa «ndcrwärtigen deutschen Judenhaß treibt emm Teil der deutschen jüdischen Jugend, sich «it glühender Eingabe um die Fahne fas Nationalen Judentums zu scharen. Wir halten diese glutvolle -Begeisterung, fae o» sich für die Lrweckung der j?ersönlichkeL «»endlich wertvoll ist, für eine verhängnrsfaÄe Verwirrung der Gemüter, ähnlich de« nationalen Fieber zur Zeit des falschen ATrfsias Sabbatai Zebi. Wir fürchten, daß d«ße «eue nationale Bewegung, die, genährt vow allgemeinen europäischen National- und Massenbewegung, wie ein phantastischer tümüber die Juden gekommen ist, nüt emirnr furchtbaren Trwachen enden wird. Und wir Lederten den Nationalismus an sich als ei»«wAückfall in atavistische Instinkte, die wir von der prophetischen Utenschheitsreligiondes Infas^mms überwunden 'wähnten. Mrfe prophetische Utenschheitsreligion, die «mMten des kltenschen- und Völkerhasses, wie Mw ftilles^Tiland des Friedens emporragt, ist fco— Ziel, das wir religiös-liberale Inden der faümkehrendeu Jugend, denen, die des UasiesAmd Kampfes satt, heimkehren werden, zeige« «sollen. Aießenr Ziel die Wege zu bereiten, ist die Vereinigung für das liberale .Iud entmin in Deutschland gegründet worden. Lfafere Vereinigung wendet sich heute erneuk»» alle deutschen Juden, die in der R c - ligis« allein das heilige Band erblicken, das «s mit Unseren Vätern und Brüdern zu einer geschichtlichen Gemeinschaft vereinigt. Zur kraftvollen Selbstbehauptung und zur Sicherung einer starken Zukunft bedarf das reLWöfe Judentum der begeisterten Teilnahme, der tätigen Mitarbeit und der opferfreudigen Eingabe <Err derer' die sich geistig und in ihrer LebenMhung zu ihm bekennen. Tine große Idee ist Jeglichem nur soviel wert, als er imstande und grwillt ist Opfer dafür zu bringen. 2Uit einem Ausimf 511 dieser Mitarbeit uub Dpferwilligkeit Litt darum das religiöse Judentum an alle smw Bekenner heran. An: aus einer wesenlosen Idee zu einer lebendigen, schöpferischen Alacht zu werden, um die Blassen mit neuem Geist zu erfüllen und eine großzügige Erziehungsarbeit zu leisten, muß ein neuer gewal^er Wille zur Religion und zur jüdischen Gemeinschaft in den führenden Kreisen erwachen ünd einen Schwung der Seele bewirken, der ans der Tuge und Klein lichkeit des jüdischen Lebens emporrcißt und das jüdische Dasein als lebens- und begehrenswert erscheinenNßt. Solche Erhebung aber .muß. und wird jüdische Werke und Schöpfungen, Institutünen und Taten erzeugen und befruchten. Nicht gehegt vom Staate, nicht gelehrt auf Deutschen Lioäst'chrürn, notdürftig und nur fakultativ als UnterriclDgegenstand zugelasseu in den preußischen Schulen, ist das Judentum angewiesen ans Lm Freiwilligkeit seiner Bekenner. An mangäbrder Teilnah,ne sind großgeptante und weitaus schauende Unternehmungen warmherzwer und begeisterter Führer des vorigen Jahrhunderts gescheitert. Abfall und Groll mancher führenden 2Uänner und Franen ist in vielvr Fällen nachweislich zurückzuführen auf das mangelnde Echo, das der Werberuf bei den ftzial und wirtschaftlich lföchststehenden der dertschen Juden fand. Als der im Jahre DH) gegründete Kul turverein, an dessen Spitze ein Tduard Gans, Heinrich kleine, LeopeD. Zunz standen, infolge mangelnder Teilnrhrne und Unterstütz . nng hinsiechte, rief Lerpold Zunz schmerzbewegt aus: „Der Verein scheint mir auch nicht zum Ziele zu fomiica, und das durch