Liberales Judentum
- Journal
- Liberales Judentum
- Volume
- 9 (1917)
- Issue
- Heft 5-6 (Mai 1917)
- Date
- 1917-05-01
- Page
- Seite 70 (sequence 22)
- Language
- German
- Belongs to
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0 Ar. Seligmann: Sine Friedensspende der das Kind mit Missen vorn 3udentum und Liebe zu seiner religiösen Gemeinschaft erfüllt und es nicht in einen Gegerrsatz zu seinem Elternhanse bringt. Mir erstreben Förderung der M i s s e n - . s ch a s t des I u d e n t u m s, damit die Liebe zur jüdischen Religion sich auf sichere Kenntnis der Literatur und Geschichte unserer Genreinschaft aufbarr^n kann. . Mir erstreben stärkere Heranziehung des weiblichen Geschlechtes zu', allen Aufgaben des religiösen und sozialen 3udentnins. Vir wollen ein duldsames Judentum! Mir wollen keinen Kampf, außer den Kampf gegen Gleichgiltigkeit, Unwissenbeit und feige Fahnenflucht. Mir achten jede Ueberzeugung und Richtung, die ehrlich an der Erhaltung des Judentums rnitarbeitet :ine 7neöen5spenäe. laknruk von Dr. C. Seligmann-frankfurt a. 1TI. 3n einer gärenden Zeit, die nach Neugestaltung auf allen Gebieteil des vaterländischerr Gebens ruft, soll das deutsche Judentum nicht mattherzig rrnd tatenlos beiseite stehen. Es.gilt nach außen mit erhöhtem chelbstbewußtsein die tatsächliche politische Arrerkennurrg rrnd Gleichberechtigmrg im staatlichen Lieben zu erkänrpfen, es gilt, im gesellschaftlichen Leben die dunkeln Molkerr anr Horizont zrr erkeruren mrd sich bei Zeiten gegen sie vorzusehen; es gilt vor allenr aber die schöpferische Rerrbelebung des Judentums im 3 it n e r n. Mas wir als geschichtlichreligiöse Gemeinschaft sind, lvas w i r uns wert sind und ans uns macherr, darauf konunt es an für unser seelisches Gleichgewicht, für die freie Entfaltung unserer ungebrochenen Persönlichkeit/ nicht aber darauf, was die ^luderen über uns denken und welche Stellung sie uns einräurnen. llnd rms die Daseinsberechtigung nicht be- - streitet. Nicht Kampf, sondern Arbeit soll unsere Aufgabe sein. Mir wollen ein aufrechtes Judentum! Rlit ganzem Herzen uns zu unserem deutschen Vaterland bekennend, treten wir . kraftvoll ein für alle Bestrebungen, die die tatsächliche Gleichberechtigung des /Judentums und der Juden herbeizuführen geeignet sind. Mrr rin lebendiges, positiv-religiöses, duldsames, aufrechtes Judentum bekennt und ersehnt, wer dem Judentum die Zukunft sichern und seine Bedeutung in. der Geschichte der Knliurmenschheit erhalten will, der mache seinen Millen zur Tat durch seinen Beitritt zu einem jüdischliberalen 3ugendverein. Das haben vor allenr unsere. Kämpfer draußen auf den blutgetränkten Schauplätzen des Krieges in Momenten gesteigerten Erlebens erfahren. Zhuen ist aus diesem tiefen Erleben eine neue religiöse Ergriffenheit und ein gesteigertes jüdisches Eelbstbewußtsein aufgegangen. Menn diese jüdischen Kämpfer in das Vaterland heimkehren werden, dann muß auch hier ein neues aufrechtes, seines Merkes rrnd seiner Verpflichtung bewußtes Iudentum sie empfangen, ein jüdischreligiöses Leben, das aus den unfruchtbaren Parteikämpfen sich stark und selbstsicher erhoben hat. Zwei jüdische Lebenswege gibt es, die sich der heinikehrenden 3ugend auftun, zwei lebensstarke Möglichkeiten jüdischen Daseins: das religiöse 3udentum und das nationale Judentum.