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Liberales Judentum · 1917-05-01 · Heft 5-6 (Mai 1917) · p. Seite 72

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Journal
Liberales Judentum
Volume
9 (1917)
Issue
Heft 5-6 (Mai 1917)
Date
1917-05-01
Page
Seite 72 (sequence 24)
Language
German
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72 Nr. Seligmünn: Eine Friedensspende c o oo Idie Schuld des greulichen Oerfalls der Juden. IKeine' seiner Institutionen will so recht ge- I deihen; ein großer Teil seiner Mitglieder! rührt sich kaum. . . . 'Ehe wir nicht einige begeisterte reiche Juden bekommen, kommen wir nicht weiter." „Fünf bis zehn begeisterte Menschen haben sich gefunden, und, .wie Moses, auf die Fortpflanzung dieses | Geistes zu hoffen gewagt. Das war Täuschung." - Ls ist in der Tat ein sichtbares Zeichen des Verfalls, wenn große ideale Bewegungen aus Mangel an Opferwilligkeit zum Stillstand verurteilt werden. Und darum darf es nicht. so bleiben, wie es bisher gewesen ist, daß die reichen Glaubensgenossen für alle philantropischen und sozialen Zwecke. ihre wohltätige Lsand öffnen, nür nicht für die Erhaltung des Glaubens. wie in den großen Zeiten der Vergangenheit Jüdische Mäzene in Spanien, in Frankreich, in Deutschland, in j)olen reiche Stiftungen machten und große Summen Hingaben vor allen Dingen für jüdisch-religiöse Zwecke, für. Errichtung rabbinischer Hochschulen, für pflege der Wissenschaft des Judentums, für Herausgabe jüdischer Schriften, fo mujj es heute wiederum werden als weithin sichtbares Zeichen der Erneuerung und Erstarkung jüdisch-religiösen Geistes. ' Wenn je, so bedarf das Judentum heute fruchtbarer Institutionen und dauernder veranstaltungen zur pflege der Wissenschaft des Judentums, zur Verbreitung der Kenntnis der Geschichte des Judentums und seiner einzigartigen Lehre, zur Schaffung und Verbreitung populärwissenschaftlicher und unterhaltender Werke über das Judentum fürjnng und' alt, zur Anlage von Bibliotheken, zur Herausgabe einer auf der Höhe stehenden, allen wissenschaftlichen und künstlerischen Ansprüchen gerecht werdenden Ucbersetzung und Erkläruna der Bibel. Wort und Schrift müssen sich vereinigen, um in unablässig regsamen! Eifer einen neuen kraftvollen jüdischen Lebenswillen zu wecken. Solche gewaltigen Aufgaben aber sind nur zu bewältigen, wenn die Mittel zur Verfügung gestellt werden, ohne die nichts geleistet und geschaffen werden kann. Großzügige Stiftungen bei Lebzeiten, damit die Spender den Segen ihrer Wohltat mit eigenen klugen freudig schauen, letztwillige Vermächtnisse, große und kleine Spenden bei vorkommenden freudigen und leidvollen Anlässen, regelmäßige jährliche Beiträge müssen zu einen! großen Strom zusammenfließen, der das jüdisch-religiöse Leben segensreich befruchtet. ' Die Organisation für solche großen Zwecke ist 'in der Vereinigung für das liberale Judentum in Deutschland und ihren Ortsgruppen schon vorhanden und muß nur weiter ausgebaut und verbreitert werden. Kein Zeitpunkt aber erscheint geeigneter, den Willen und die Freudigkeit zu Spenden zu erwecken als der heißersehnte Tag des kommenden Friedens. Eine Friedensfxende auf den Altar der Religion — das sollte jeder warinherzige und treue Jude, Mann und Frau und Kinder, heute schon geloben und Zusagen. So ergeht denn in dieser Zeit der großen Opferwilligkeit, die keine Selbstsucht duldet, der Aufruf an alle, denen die Erneuerung des religiösen Judentums am Kerzen liegt, beizutragen und zu werben für dieses ideale Ziel, damit das religiöse Judentum aus dieser Kriegszeit geläutert und vertieft und gestärkt hervorgehe und so an seinein Teil auch...zur sittlichen und geistigen Stärkung des deutschen Vaterlandes beitrage. Denn jede Stärkung und Vertiefung eines Teiles der sittlichen Kräfte eines Volkes bedeutet eine Bereicherung und Stärkung des großen Vaterlandes. HerauLgegeben von der Vereinigung für das liberale Judentum Berlin W. 8, Mauerstratze 22. Für die Redaktion und den Verlag verantwortlich vr. L. Seligmann, Frankfurt a. M., Friedrichstr. 29. - —>> unnJBoiQt L Sleiber. Frankfurt a. M., Bieber-GaFe 6.

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