Liberales Judentum
- Journal
- Liberales Judentum
- Volume
- 9 (1917)
- Issue
- Heft 5-6 (Mai 1917)
- Date
- 1917-05-01
- Page
- Seite 67 (sequence 19)
- Language
- German
- Belongs to
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Elfe Aormitzer-Dern: Are jüdische Frau ln der Propaganda sie gepflogen wurde, das Feld des Cannes bildete/ dessen Stellung im Leben ihn dazu prädestiniert erscheinen ließ. Nur die Sozialdemokratie, als erste und einzige aller politischen Parteien, bediente sich der Frau als M erberin, und mit welch glänzenden Erfolgen, das weiß jeder, der nur die primitivsten Kenntnisse dieser vorbildlich organisierten Partei besitzt. Im Gegensatz zu den Frauen der bürgerlichen Richtungen haben gerade die Sozialdemokratinnen die beste politische Ausbildung — und weshalb? weil man sie nicht in.der Versenkung ließ, weil man - sie politisch erzog und diese Lrziehung resp. Heranziehung praktisch verwertete — zur Gewinnung neuer Anhänger und zur Bekehrung der Lauen und Gleichgiltigen. Gier kommen wir zu dem Punkte, über den ich mit unseren jüdischen Frauen sprechen will, der nlir als einer der wichtigsten in der jüdisch-liberalen Bewegung erscheint. Mir Frauen müssen auf dem.Hlane erscheinen nicht nur mit unseren Gesinnungen, und unserer Anhängerschaft für die Sache als . solche, sondern vor allem mit Taten; es gel nügt keineswegs, daß wir die Idee, die wir \ als die richtige erkannt haben, im stillen Äämj merlein pflegen, wir müssen, für sie ein- I treten in Mort und Schrift, und es muß uns j vor allem gelingen, sie auch Anderen, die \ nicht so denken wie wir, überzeugend und klar beizubringen. Die natürliche Beredsamkeit der .Frau ist der beste Schlüssel zu verschlossenen Ohren und Herzen; dem natürlichen Takte, denr Feingefühl der Frau 3 gelingt es, Saiten ertönen zu lassen, die f lange schon verstummt oder ganz verklungen § erschienen. Und welcher Mann. von nur der I geringsten Lebensart würde eine Frau mit | einer kurzen, barschen Antwort abfertigen,! die er für einen Geschlechtsgenossen gar oft so rasch bei der Gand hat? Gier ist die | männliche Galanterie die freiwillige und rnächi %e Helferin der Frau, und an eben dieser Frau liegt es, diese Masse geschickt und klug auszunützen. Grste und wickKgste Bedingung für die Frau, die für eine Sache — welcher Art sie sei — agitieren wW,, ist natürlich eine v?N kommene Beherrschung der Materie; sie darf nicht in Verlegenheit geraten, wenn ihr eine Frage gestellt rrvrd, die nicht zum Schema JA gehört; sie tiuqg in kürzen, prägnanten Morten Zweck und Kel der Bestrebungen erläutern können und etwaige Ginwände nach Möglichkeit zu entkräften suchen. Die Erfahrung — in eigmer zehnjähriger agitatorischer Tätigkeit erworben und.erprobt — kann ich jeder Anfängerin als frohe Verheißung mit auf den weg geben: für ein verständiges und Luges Mort hat jeder, ob Mann oder Frau,, ein offenes Ohr und es gehört zu den größten Ausuahnieu, daß man unhöflich abgrfertigt wird. Ist die Rednerin gewandt und gelingt es ihr, bei dem zu bearbeitenden „Objekt" eine persönliche Note anznschlagm, mit einem Thema 511 beginnen, das dam oder der Betreffenden liegt, so hat sie gorronnenes Spiel, darauf kann sie sich verlassar! Gs ist ein einwandfrei erwiesenes Faktum, daß die meisten Menschen in unserer raschlebigen Zeit von vielen Fragen, die nicht gerade aktuelles Interesse besitzen, keine blasse Ahnung Habens forscht bei irgend einem Glaubensgenofsur, der nicht mitten in der betreffenden Beivmung steht, nach den Grundsätzen des liberMen Judentums, nach dem Zweck des Tentrurloereins der Staatsbürger jüdischen Glaübens, nach den Zielen des Gilfsvereins deutsch^ Juden, — im vollkommener Harmlosigkeit gestehen sie Tuch zu, daß sie wirklich nicht Mcht wissen, um was es sich dabei eigentlich handelt. Gelingt es Tuch nun, das IntercDe an der von Tuch vertretenen Sache zu Mecken, so bedarf es oft nur einer kurzen Dckmtte, nur aus einem! Gleichgiltigen einen?lnchänger zu schaffen.