Liberales Judentum
- Journal
- Liberales Judentum
- Volume
- 9 (1917)
- Issue
- Heft 5-6 (Mai 1917)
- Date
- 1917-05-01
- Page
- Seite 68 (sequence 20)
- Language
- German
- Belongs to
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68 Albert Molf: Gründet jüdisch-liberuleJugendverrine Ich rede, das kann ich wiederholt versichern, aus langjähriger, persönlicher Erfahrung und gewiß nicht zu optimistisch; ich möchte so gerne meinen Mitschwestern Mut machen, sich gerade auf diesem von ihnen bisher vernachlässigten Gebiete zu verbuchen. Unsere jüdisch-liberale Bewegung mit ihren freien Anschauungen und ihren modernen Grund-, sätzen eignet sich besonders gut für eine Probe auf diesem Felde weiblicher Zukunftsbetätigung. In jetziger Zeit, wo alle Angehörigen des Judentums, gewitzigt durch die betrüblichen Erfahrungen der letzten Monate, durch das erneute und verstärkte Aufflammen des Antisemitismus, sich ewiger aneinander fchliessen, wo der religiöse Geist im Feld und in der Heimat gestärkt und gefestigt wurde, da ist der Boden für jede Art jüdischer Agitation gut vorbereitet; wird die Saat in richtiger Weise ausgestreut, so kann die reiche Ernte nicht ausbleiben. Hier sollten die großen jüdischen Organisationen einsetzen und für ihre Vereinstätigkeit die Frauen als Helferinnen und Mitarbeiterinnen zu gewinnen suchen. Teilweise ist es ja schon geschehen, und gerade die jüdisch-liberale Vereinigung hat feit Beginn ihres Bestehens die Frauen nicht nur als selbständige Mitglieder äufgenommen, sondern sie auch in die Ausschüsse ihrer Ortsgruppen gewählt. Ebenso versucht in jüngster Zeit der Tentralverein deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens, Frauen für die Mitgliedschaft zu gewinnen und sie zur Agitation zu verwenden. Bewähren sich diese bei der Mitarbeit, so wird zweifellos der dort noch manchenorts geltende Grundsatz „Frauen gehören nicht in den Ausschuß politischer Vereine" als unzeitgemäß und veraltet fallen. Im Zeichen des Burgfriedens ruht jedwede Aamxfestätigkeit der jüdisch-liberalen Bewegung, aber ihre idealen Ziele müssen' auch jetzt weiter und weiter Verbreitung finden in den Kreisen unserer Glaubensgenossen. And daß dies in immer umfassenderem Maße der Fall ist, dazu sollen auch die jüdischen Frauen ihr Scherflein beitragen. Sie sollen uns nicht nur neue Anhänger gewinnen, nein, sie sollen auch helfen, die auf der Hosencr" Tagung geschaffenen Richtlinien Per Verwirklichung entgegen zu führen; sie sollen den religiösen Sinn/losgelöst von starrem Formenzwang, in die Herzen der Jugend pflanzen, und mit dem Siegesruf der Deborah „Mein Herz gehört <^en Führern Israels" sollen auch sie an der Geburt eines treuen und freien Judentums ihren Anteil haben. . Gründet jüdifch-liberale Jugendoereine. t Von Albert Wolf, Vorlitzender des jüdifch-liberalen Jügendoereins in Breslau, z. Z. im felde. as liberale Judentum hat es bisher am wenigsten von allen jüdischen Richtungen verstanden, die begeisterte Gefolgschaft der Jugend zu erlangen. And doch gehört die Gefolgschaft der Jugend zu den dringendsten Tebensnosivendigkeiten, nicht allein für den religiösere Liberalismus, sondern für die Gesamtheit des Judentums und nicht zuletzt für "die jüdische Jugend selbst. Mas liberale Jugendvereine leisten und bedeuten können, dafür zeugen die wenigen bestehenden liberalen Jugendvereino in Deutschland. Sie find rasch groß geworden, und es herrscht in ihnen ein reges jüdisches Eeben. lvie viele Mitglieder zählen diese Vereine, die heute ohne den liberalen Ortsverein vielleicht für das Judentum verloren twären, und die jetzt vielfach ^die tätigsten