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Liberales Judentum · 1917-05-01 · Heft 5-6 (Mai 1917) · p. Seite 66

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Journal
Liberales Judentum
Volume
9 (1917)
Issue
Heft 5-6 (Mai 1917)
Date
1917-05-01
Page
Seite 66 (sequence 18)
Language
German
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Eise Msrmitzer-Darn: Are jüdische Frau in der Propaganda je jüdifche frau irr der Propaganda. b €lfe Dormifjer-Dorn (Flürnberg). Ser Krieg, der große Umstürze:', der das Unmögliche möglich, das Unerreichbare reichbar machte, er sck>ob mit einem ifclage die Frauenfrage in den Vordergrund |r Sreigniffe. Mas die Frauenbewegung strebt und erwünscht batte, was der Gegenmd heftiger Känrpfe und Uleinungsveriüedenheiten gewesen, es fiel ihr hier als »ife Fnrcht mühelos in den Schoß: Der Tinitt in fast alle Berufe, in Berufe, die selbst ie radikalste Frauenrechtlerin als ein. noli jte tangere für die Frauen gehalten hatte, r stand den arbeitsuchenden Frauen offen! fiatt berief die Frau in Verwaltung und f ommunalverbände, man legte in ibre löand üe wichtigsten Organisationen, wie Mohlahrtsxflege und Kriegsfürsorge; Staat und vtadt sicherten sich die besten Kräfte der Leiblichen Intelligenz, und es ist anerkannte Tatsache, da st der Geimatsdienst der- Frau, ihre Leistungen . auf allen Gebieten des Öffentlichen Gebens, ibre Tätigkeit in Fabriken und Landwirtschaft und nicht zum wenigstens in der eigenen Häuslichkeit unter!otal veränderten Bedingungen einen höchst vertvollen Bestandteil des „Durchhaltens" ^unseres Vaterlandes in dieser schweren Zeit ibilden. -! Als das Selbstverständliche, Natürliche ffastt es die Frau -auf, daß sie überall, wo hes nur sein must und kann, an die Stelle des HUlannes tritt und dessen .Arbeitsfeld fo gut wie möglich zu übernehmen sucht. Das Mort vom „schwachen Meibe" wird nach dem Kriege genau so in die Rumpelkammer veralteter Anschauungen zu rechnen sein, wie die Idee, daß die ideale Frau — das deutsche Gretchen von ehemals! — nur in die vier Mände ihres loeims und nicht in die Oeffent lichkeit gehöre. Mer hätte die Frau fähig gehalten zu der mannigfachen Schwerarbeit, die sie fetzt z. B. bei der Rtuniüonserzeugung zu leisten hat? Und was hätten vor dem Kriege ihre männlichen Kollegen gesagt, wenn man etwa eine Frau an die Revolverdrebbank gestellt hätte? „Die hauen wir hinaus!", würde die Parole gelautet haben, und eine Revolution wäre in dem Betrieb ausa.ebrochen, der sich eme derartige unerhörte Neuheit geleistet hätte. Mio in so vielem, wurde auch hier umgelernt .und heute gibt es kaum mehr einen Trwerbszweig, an dessen pforten der Frau ein „Unmöglich" entgegenschallt. Der Krieg wurde dem Meibe zum „Sesam, öffne Dich", und dies wird sich nicht mehr ändern, auch wenn der Friede längst rvieder bei uns eingezogen ist. Die Leistungen der Frau im Kriege, ob ge nun in der Oeffentlichkeit wirkte oder still daheim schaffte, sie werden nie vergessen werden und sie bilden ein Rul>- mesblatt in der Geschichte deutscher Tüchtigkeit, deutscher Kraft und deutscher Ausdauer. . Sie hat gezeigt, was sie vermag, die Frau und angeborene oder anerzogene Zurückhaltung, die so mancher von ihr zu eigen war, sü fiel als lästiges Zeichen überwundener Anschauungen längst ab. Tnergie und Arbeitsfrendigkeit, der IVunjch, einer guten Sache zu dienen, wird jedem weiblichen Meson als beste Errungenschaft der Krieaszeit in Fleisch und Blut übergegangen sein, und es istgewiß nicht voreilig, wenn wir heute schon diese Eigenschaften auf ein Gebiet binüberzuleiten suche?:, auf dem sich die Frauen bisher mehr im Hintergründe hielte?:, nämlich auf das Gebiet propagandistischer Tätigkeit. Ls war das Althergebrachte, das Selbstverständliche, daß jede Agitation — ganz gleich für welche Zwecke und Anschauungen

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