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Liberales Judentum · 1917-05-01 · Heft 5-6 (Mai 1917) · p. Seite 65

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Journal
Liberales Judentum
Volume
9 (1917)
Issue
Heft 5-6 (Mai 1917)
Date
1917-05-01
Page
Seite 65 (sequence 17)
Language
German
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Ar. Aagelkern: Pas Liberale Indentum und die Mische Wissenschaft »)5 in keiner Weise entschieden, nur die Freiheit der Forschung ist dadurch gesichert, von konservativen Forschern sind wertvolle Linzelergebnisse auf dem Gebiete biblischer Wissenschaft zu erwarten, den Grundfragen stehen sie gebunden gegenüber. So ist es tief bedauerlich, daß gerade die Bibelwissenschaft von Jüdischen Gelehrten nur m verhältnismäßig geringem Umfang angebaut worden ist, wie es beklagenswert ist, daß den deutschen Juden überhaupt die Bibel recht fremd geworden ist. Lin ungeheures Feld hat die jüdische Wissenschaft zu bearbeiten zur Klärung der Anschauungen über das Judentum. Auf schritt und Tritt begegnen dem Kenner in den Schrjften christlicher Gelehrten, traditionelle, vielfach als selbstverständlich hingenommene falsche Urteile über das Judentum. Rlanche von diesen sind tief in das Volk eingedrungen, ihre Korrektur ist von größter Bedeutung.. Ls fei nur erinnert an das durchaus falsche aus.dem neuen Testament herstammende Urteil über die Pharisäer, die wahrlich keine Uenchler und selbstgerechten Frömmler gewesen sind. Die Arbeiten der jüdischen Gelehrten haben diesen wissenschaftlichen Irrtum aufgeklärt, wenngleich die Wirkungen. noch immer nicht beseitigt sind. Die Uebersetzung von Thora durch „Gesetz" hat zur Folge gehabt, daß das Judentum als eine Religion . angesehen wurde und noch wird, deren Wesen die Gesetzlichkeit, daher die bloße Tat — auch ohne die rechte Gesinnung — ist. Selbst Rtendelssohn hat gemeint, Judentum sei nicht geoffenbarte Religion, sondern geosfenbartes Gesetz. Noch*heute findet.man in den' Werken christlicher Gelehrten die Darstellung des „Gebens unter dem Gesetz", das die reine Quelle der Religion geradezu verschüttet habe. In das Judentum selbst — und zwar tief bis in solche Kreise hinein, die einige Kenntnisse besitzen — liberal und konservativ machen dabei keinen Unterschied — sind Ausdrücke und Ansckxruungrn eingedrungen, durch die christliche Relrgionsanschauungen auf das Judentum übertragen oder jüdisch-religiöse Anschauungen m christlichen! Sinne umgebogen werden, otzne daß die meisten sich dessen bewußt sind. Ausdrücke wie, Zehngebote (statt, Zehnwort), Sündflut (statt Sinrckut', tragen fremde Anschauungen in das Judentrrm. Die wundervolle Lehre des Judentums von dem Verfehlen des rechten Weges — das bedeutet ehet — und der Umkehr und Rückkehr zu Gott wird bereits verdunkelt durch die Ausdrücke Sünde und Buße, die unter dem Linfluß des Christentums eine erheblich andere Bedeutung gewonnen haben. Denn das hebräische Ober umfaßt jedes, das beabsichtigte.wie das unbeabsichtigte, das frevelhafte wie Las 'schuldlose Abirren. Das erst gibt dem versöhnungstag seinen unerreichten religiösen und sittlichen wert. Die jüdische Wissenschaft hat hier durch immer, tiefer schürfende Forschung wie durch immer erneute Richtigsrelbung falscher Auffassung ein weites, fruchtbares Feld zur Verteidigung wie zur Darstellung der Ueberlegenheit des Judentums. Zm deutschen Judentum wird eine ungeheure Rtengc von Kraft und Geld auf interkonfessionelle und auf jüdische Wohltätigkeits¬ und wohlfahrtseMrichtungen verwendet. Niemand wird dem uneingeschränkte Anerkennung versagen. Aber Vergleichsweise wenig wird verwendet auf dir intensive Förderung der jüdischen Wissenschaft. Noch hat der Staat sich nicht zu wiMcher Förderung jüdischer Wissenschaft beguunt, und wenn jetzt auch von christlich theologischer Seite diese Forderung erhoben. wKd, so spielen für manche Kreise Alissionsbeßrrebungen hinein. Die jüdische Wissenschaft um des Judentums willen hat pflege nur von den Juden selbst zu erwarten. Sie muß uns wieder ganz zu eigen werden, wie es in den besten Zeiten der Fall war. Der reiche Gewinn für das Judentum wird donn nicht ausbleiben.

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