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Liberales Judentum · 1917-05-01 · Heft 5-6 (Mai 1917) · p. Seite 64

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Journal
Liberales Judentum
Volume
9 (1917)
Issue
Heft 5-6 (Mai 1917)
Date
1917-05-01
Page
Seite 64 (sequence 16)
Language
German
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Ar. Asgelstrin: Aas liberale Judentum und die jüdische Wissenschaft ersten Hälfte des \ty. Jahrhunderts iefgrcif enden -Einfluß ausüben müssen, durchaus verständlich, daß die 2lnhänger ten vor hundert fahren jeder wissenchen Regung im Judentum unbedingt ch gegenüberstanden, wie es andererrständlich ist, daß die führenden Uläner ' jüdischen Missenschaft, ja letzten alle wissenschaftlich Tätigen damals eiten der Reformbewegung standen, iter find Rkänner, die wir keineswegs eformer oder auch nur als entschieden.! te anzüsxrechen haben. Die Frage, ob lschaft oder nicht, war damals bei den ien Juden das Schibboleth, das die Anr der neuen Zeit von denen des Alten Als die Orthodoxie mit der lvisfenihren Frieden gemacht, als sie sich übermit der neuen Zeit einigermaßen aussen hatte, hörte die jüdische Missenauf, eine Domäne der Fortschrittler zu ie schon früher, besonders in Italien, fern seither Rlänner aller Richtungen tungen auf dem Gebiete der Mifsenschaft. ber für den Liberalismus ist die jüdische Lschaft und ihre Förderung eine Lebensnah man anfangs vorzugsweise ästhe- Reformen..durchzuführen gesucht, d. h. ^es äußerlich häßliche modernisiert, hat überhaupt ohne festes Programm und klare Grundsätze fast instinktiv das alte rtnm den neuen Verhältnissen anzupassen -?t, so mußte im Laufe der Zeit immer eine wissenschaftliche Begründung fürfaktischen Forderungen gesucht, so mußten ierseits die praktischen Forderungen nach ischaftlich begründeten Gesichtspunkten >en und durchgeführt werden. Geschichtsllschaft, Lalmudische und rabbinische Ge- ^nnk'eit, gründliche Renntnis der jüdischen iionsphllosophie wie der zeitgenössischen >sophie und Bibelwissenschaft haben die xurung vom Judentum erst schaffen köndie in liberalen Ulaßnahmen und Forderungen ihren Ausdruck finden konnte. Aron Thorin, Nachmali Rrochmal, 2lbraham Geiger und Leopold Löw, um,nur wenige der Größten zu nennen, haben das theologische Lehrgegebäude des Judentums'von ihrer liberalen Auffassung her aufgebaut. Reiner hat mit _ solcher Rlarheit und Folgerichtigkeit wie Geiger von den verschiedensten Leiten her den Entwicklungsgedanken klargelegt. Die religiöse Bewegung des Liberalismus ist durch die Arbeiten dieser und anderer ruhiger, stetiger, klarer und darum innerlich wirksamer geworden. Sorgt der-Liberalismus nicht für tatkräftigste Förderung der jüdischen Missenschaft, so entzieht er sich selbst den' Boden unter den Füßen. .. - Aber die jüdische Missenschaft bedarf ihrerseits des Liberalismus. Es ist bereits darauf hingewiesen, daß die Anfänge der jüdischen Missenschaft aus der liberalen Gesamtrichtung herausgewachsen sind. Die liberale Meltanschaumig ist naturgemäß mit ihrer Auffassung der Freiheit und Vorurteilslosigkeit der Missenschaft jedem wahren wissenschaftlichen Streben förderlicher als die orthodoxe. Die Mifsenschaft soll und darf nicht nach dem praktischen Zweck ihrer Untersuchungen fragen, und sie darf keine Schranken und Grenzen anerkennen; auch nicht die Schranken religiöser, dogmatischer Gebundenheit. Das tritt besonders zutage in der biblischen Missenschaft. Gier besteht auch heute noch ein tiefgehender Unterschied zwischen den liberalen und den konservativen Forschungen. Die Ergebnisse und Utethoden der modernen Bibclkritik kann der Liberale sich ohne weiteres zu eigen machen. Seine Stellung zu den grundlegenden Fragen der Religion wird nicht wesentlich berührt durch die Entscheidung über die Frage, ob dieses oder jenes biblische Buch oder dessen Teile aus der Zeit und non dem Verfasser herrühren, wie die Ueberliefermug angibt. Mb diese moderne Bibelkritik objektiv richtig ist oder nicht, ist damit

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