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Liberales Judentum · 1917-05-01 · Heft 5-6 (Mai 1917) · p. Seite 60

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Journal
Liberales Judentum
Volume
9 (1917)
Issue
Heft 5-6 (Mai 1917)
Date
1917-05-01
Page
Seite 60 (sequence 12)
Language
German
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Ar. Frru-enthilL: Auch dem Kriege ische Leben ausmachen und in deren Bergung sich echtes Judentum zu erweisen .-mag. ' Der Krieg hat nicht bloß die Männer d Jünglinge, sondern auch die Frauen und mgfrauen an der Arbeit gezeigt. Draußen , Feld und hier in der Heimat haben jüdische auen und Jungfrauen für das Vaterland r Bestes getan. Jüdische Schwestern sind der Front, in der Etappe und in den eimatlazaretten tätig. Jüdische Frauen und kädchen haben sich auf allen Gebieten der irsorge für die Soldaten, die Verwundeten, e Zlngehörigen und Hinterbliebenen der riegsteilnehmer sowie in der Mitarbeit für 35 Öffentliche Wohl während der Kriegsüt ausgezeichnet bewährt. Der überwiegende Zeit derselben gehört naturgemäß liberal jüischen Härrsern an. Es wird eine dankbare lufgabe des Liberalismus sein, diese nach «em Krieg freiwerdenden Kräfte mit ihren gesammelten Erfahrungen und ' erprobten Fähigkeiten für den Dienst im jüdischen Geneinwohl zu gewinnen. Dringend werden iberall für die jüdische Krankenpflege Helfecinnen und Schwestern gebraucht, die ans guten und gebildeten Säusern stammen; in allen großen, mittleren und selbst in den Kleinen Gemeinden bedarf die jüdische Für-. forgearbeit im Inland wie die für die großen Mstjudenprobleme einer Schar von Helferinnen und Pflegerinnen, die gesamte Wobltätigkeitsorganisiernng der Mitarbeit tüchtiger, erfahrener und in modernen Woht-! fahrtsbetrieben geschulter Frauen und Jungfrauen. Gier öffnet sich ein großes Feld zu! praktischer Betätigung im Sinne der Richtlinien, welche fordern, „daß zur Mitarbeit an den Gemeindcaufgaben, insbesondere auch auf dem Gebiete der Wohltätigkeit und der sozialen Fürsorge möglichst alle Gemeindemitglieder beranzuziehen sind, und daß auch die Teilnahme der Frau am religiösen und Gemeindeleben unentbehrlich ist". Nach dem Kriege wird in Preußen und Bayern. die Frage des neuen Iudengesetzes wieder brennend werden. Sie muß unbedingt zur Lösung kommen. Die liberale Richtung hat die natürlichsten Interessen an dieser Neugestaltung und wird vor allem auf drei gründe sätzliche Punkte .ihr Augenmerk zu richten haben: darauf, daß das Judentum nach, außen hin in gleichberechtigter Weise in den allgemeinen Staatsorganismus eingegliedert wird, daß innerhalb desselben alle religiösen Richtungen völlig ungehinderte Entfaltung gewinnen können, daß endlich die Rabbiner überall die ihnen gebührende amtliche Stellung als Geistliche und Seelsorger erhalten, was den letzteren Punkt anlangt, so wird seine Durchführung vor allem in Preußen erstrebt werden müssen, wo es den Rabbinern an jeder arntlichen Stellung mangelt und sie weder als Geistliche noch als Seelsorger gelten. Hier werden die Erfahrungen des Krieges nutzbar zu machen fein. Unsere Feldrabbiner haben in die bisher bestehende Zurücksetzung Bresche gelegt. Sie, aber ebenso auch die meisten in der Heimat tätigen Rabbiner sind während der Kriegszeit eigentlich nur in der geistlichen Seelsorge aufgegangen. Da im Judentum seit den ältesten Zeiten die Fürsorge für die Armen, der Besuch der Kranken, der letzte Beistand für den Sterbenden, die Tröstung der Trauernden als hochheilige Vorschriften gelten, so war diese Tätigkeit an sich kein besonderes Novum; sie offenbarte aber endlich einmal sichtbar und unbestreitbar, daß der moderne Rabbiner doch etwas anderes darftellt als jenen „Kauscherwächter", auf den nach dem berüchtigten Gutachten von Rüben Gumperz (s. Kaufmann-Freudenthal, die Familie Gomperz, S. 20^ ff.) die Stellung des Rabbiners in der preußischen Iudengesetzgebung zugeschnitten ist. Von jeher war es ein Programmpunkt des jüdischen Liberalisums, der schon in den ersten liberalen Rabbinerversammlungen und Synoden zur Gel-

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