Liberales Judentum
- Journal
- Liberales Judentum
- Volume
- 9 (1917)
- Issue
- Heft 5-6 (Mai 1917)
- Date
- 1917-05-01
- Page
- Seite 59 (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
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Ar. FrruLeuthrrl: fladj Lern. Kriege - 5v> weis erbringen, daß es ihnen allen heiliger und ehrlicher Srnft ist um die' Erhaltung unserer Glaubensgemeinschaft. Auch die Erscheinungsformen unserer Relmion, von denen die Richtlinien in den weiteren programmpunften handeln, Haben vielfach unter dem Einfluß des Krieges gestanden. . Besonders für die Tapferen, die auch aus. unserer jüdischen Mitte draußen im FeDe das Vaterland verteidigen helfen, fand der Grundsatz im zehnten programmpunkt seine tägliche Bewahrheitung, „daß wir die Bewertung der Frömmigkeit nach dem Maß der äußeren Hebung verwerfen". Der Gottesdienst und seine Zeremonien nahmen im Felde die schlichteste und kürzeste Form an, die aber gerade darum um so nachdrücklicher wirkte. Rach übereinstimmendem Urteil wurde dabei die enge Verbindung des hebräischen väterrvortes und der deutschen Muttersprache, sowie der erhebende Eindruck des gemeinschaftlichen Gesanges aufs eindringlichste empfunden. Solche Erfahrungen weisen den Meg zum IKrsbau des Gottesdienstes auch, in der Heimat. Die Richtlinien erstreben ihn ganz in derselben Meise. Der Gottesdienst sei möglichst schlicht und kurz, weise innige Verschmelzung des Hebräischen und der Landessprache auf-und gestatte der Gemeinde selber regste Anteilnahme durch Mort und Lied. Am allerstärksten unter den äußeren Erfcheimrngsformen haben durch , die Kriegszeit die Speijegejetze gelitten. Viele Familien im Lande wurden durch di? Ernährungsschwierigkeiten gezwungen auf ihren rituellen Haushalt zu verzichten, und draußen an der Front mußten erst recht HTänner und Jünglinge, die bis dahin rituell gelebt hatten, mit allem vorlieb nehmen, was ihnen zugewiesen ward. Es ist eine alte Erfahrung, daß da, wo erst einmal mit dieser strengen Lebensführung gebrochen werden mußte, die Rückkehr zu ihr nur in den seltensten Fällen mehr erfolgt. Da die Richtlinien dE das „als wertvoll anerkennen, was für Len einzelnen die' Kraft hat, frommeGesinmng hervorzurufen, die sittliche Tat zu fördrvn und religiöse Mahrheiteu und Erlebnisse in anschauliche Erinnerung zu bringen", jp muß man auch vom liberalen Standpunkte aus das zwangsweise Schwinden religiöser, sonst mit Bewußtsein und Ueberzeuguug geübter Bräuche aufrichtig bedauern,' wie überharpt die angebliche Feindschaft der Richtlinien gegen die Speisegesetze eine pure Erfindung der Gegner ist. Rur der Meinung wollte und will der Liberalismus entgegentreten, dös ob derjenige als minderwertiger .Jude et nju| eben sei, der an die im Ritualgesetz übeÄieferten äußeren Kultvorschriften den MaMab geschichtlicher Entwicklung anlegt und Larum in vielen Fällen ihre Verbindlichkeit für sich persönlich ablehnt, in anderen sie noch anerkennt, sonsten aber und in allen FÄLen sich als aufrechter Jude fühlt und betätiA Mie viele sind leider schon von solcher aufrechten Betätigung und Empfindung dadurch dbgestoßen worden, daß sie sich wegen der persönlichen Ablehnung von Knltnsformen in die zweite Klasse des Judentums versetzt sahen, nicht mehr als rechte Juden galtet! und dämm es auch nicht mehr sein wollten. Solche Gefahren tauchen jetzt wieder bei deiren auf, Tie durch dett Krieg im bisherigen religiösen Empfinden geschwächt und in der bisherigen religiösen Hebung ein* geengt worden sind. Ihnen muß der Liboralismus.mit seiner Anpassung der Ideen und der Entwicklung des Judentums zu Hilfe komtnen. Ls gilt, sie alle Lein Judentum weiter zu erhalten und ihueu darzutun, daß unsere Religiorr ihre Betätigung auf zahlreichen Gebieten sucht, und daß Venn eines dieser Gebiete einmal ausscheidelt, die übrigen darunter nicht leiden sollen und dürfen und am allerwertigsten das Ganze Dadurch in Gefahr geraten muß. Gibt es Loch genug religiöse, sittliche und kultuelle Vorschriften, die das