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Liberales Judentum · 1917-05-01 · Heft 5-6 (Mai 1917) · p. Seite 58

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Journal
Liberales Judentum
Volume
9 (1917)
Issue
Heft 5-6 (Mai 1917)
Date
1917-05-01
Page
Seite 58 (sequence 10)
Language
German
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ö* pr. Frrndenthnt: Nach dem Kriege °° schaftlicher Arbeit gelingen müsse, den drohenden Zerfall aufzuhalten und zu dämmen. Ich glaube, daß jeder Jude in dieser gemeinschaftlichen Arbeit die innere Befriedigung finden wird, welche das Bewußtsein gibt, einer guten Sache seine Kräfte zu leihen. So möge sich unser liberales Judentum in Deutschlandso möge sich unsere Vereinigung ans dieser ernsten, schweren Zeit geläutert hervorheben, zur Stärkung und Gr- Haltung des Judentums, zu Ghren des göttlichen Namens! . . Radi dem Kriege. Von Rabbiner Dr. Max kreuäentbal -Nürnberg. YTacb dem Krieac! wie verlockend das klingt! Wir denken nicht an die ungeheuerlichen Schwierigkeiten, welche der Uebergang in die Friedenszeit und diese selber auf allen Gebieten als Folgen des gewaltigsten Ringens der Weltgeschichte mit sich bringen wird; wir denken nur der frohen Möglichkeit, daß wieder Frieden herrschen wird und wir zu unserer so lange unterbrochenen Friedensarbeit zuriickkehren dürfen. Auch zu unserer Friedensarbeit, die der Krieg so jäh zerstört hatte! Die Richtlinien für ihre wie- . deraufnahme sind gegeben. Gs sind unsere „Richtlinien", die noch ebensosehr des wissenschaftlichen wie des praktischen Ausbaues harren. Für ihre theoretische wie für ihre tatsächliche Verwertung hat der Krieg so manchen wichtigen Fingerzeig gegeben. Gine Zeitin der ein großer Teil der religiösen Ideen und religiösen Vorschriften durch den Zwang der Verhältnisse außer Kraft gesetzt wird, führt von selber zur kritischen Nachprüfung des Glaubens- und pflichtenkreises einer Religion. Das Bekenntnis des religiösen Liberalismus, wie es in den Richtlinien kurz vordem Kriege seinen Ausdruck gefunden hat, wird solche Nachprüfung kaum zu scheuen haben. Die „ewigen Wahrheiten und sittlichen Grundgebote" der jüdischen Religion, welche jene an erster Stelle bekennen, sind durch den Weltkrieg nicht erschüttert worden, vielmehr ist im Gegenteil die Notwendigkeit ihrer Verbreitung und Anerkennung unter den Menschen erst recht überzeugend klar und sicher geworden. Für diese Verbreitung und Anerkennung müssen die liberalen Juden sich um so stärker einsetzen, als ihnen jene ewigen Wahrheiten und sittlichen Grundgebote Haupt und Kern des Judentums bedeuten. Schon rüsten sich dessen Feinde — mitten im Burgfrieden — alles Jüdische zu bekämpfen und zu verunglimpfen, und wäre es in religiöser und vaterländischer Betätigung selbst das heiligste und hehrste. Schon haben sogar die Iudenmissionäre ein weitgehendes Programm veröffentlicht, um nach dem Kriege Miss stärkste den Abfall innerhalb des Judentums zu propagieren, und sie nehmen dabei besonders die liberalen Juden aufs Korn. So' wird sich gerade infolge des Krieges zur praktischen Verwirklichung unserer Richtlinien nach zwei Seiten hin reichliche Gelegenheit bieten: tapfere Abwehr der gehässigen Angriffe und entschiedene Abweisung der Verlockungen. zum Abfall. „Israels Religion in ihrer Reinheit zu bewahren und zu verkünden, durch die lebendige Kraft des Beispiels und der opferwilligen Hingabe zu bezeugen und so für die Herbeiführung des Gottesreiches auf Lrden zu wirken", lautet der dritte pre* grämmpunkt unserer Richtlinien. Jeder liberale Jude, aber auch die einzelnen liberalen Vereine und unsere liberale Gesamtorganisation wird nach dem Kriege 'sich in praktischer Weise an der Lösung dieser Aufgaben beteiligen müssen und damit zugleich den Be-

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