Liberales Judentum
- Journal
- Liberales Judentum
- Volume
- 9 (1917)
- Issue
- Heft 5-6 (Mai 1917)
- Date
- 1917-05-01
- Page
- Seite 57 (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
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H. Ktern: Gegenwart und Zukunft des Liberalismus im Judentum 57 unsere Ideale. Mir inüssen in den Gemeinden den fAatz einnehmen, der uns nach unserer Zahl und nach der Michtigkeit unserer Bewegung gebührt. LVir müssenin den Genieinden arbeiten an der Ausbreitung jüdischen Wissens und jüdischer Bildung, damit die Grundlage gelegt werde, auf der erst ein ' gedeihliches schaffen ermöglicht wird. Mir müssen jeden einzelnen zur Arbeit in der Gemeinde heranziehen. So unendlich . viele Pflichten, so unendlich viele Betätigungsmöglichkeiten gibt es in der jüdischen Gemeinde, daß jeder RIann und jede Frau^ die mithelfen will, dort befriedigende Beschäftigung findet. Mir Zuden sind uns selbst die Nächsten. Kein anderer, kein Staat, keine Gemeinde tritt für uns ein. Mir müssen uns immer selbst helfen. Darum ist es Ehrenpflicht jedes Zuden, seine Kräfte der eigenen Glaubensgemeinschaft zu widmen, die auf ihn angewiesen ist. Ls bleibt noch immer 'genug für die Arbeit und Liebestätigkeit in Gemeinde und Staat.' Merden die fernstehenden Glaubensgenossen zur allgemeinen Verwaltung der Gemeinde herangezogen, erhalten sie auf dem weiten Gebiete jüdischer Betätigung ihr Arbeitsfeld, so wird ihr Verantwortlichkeitsgefühl geweckt, niit der Verantwortlichkeit die Freude an der Arbeit und mit der Arbeitsfreude die Liebe zu dem großen Ganzen, jene Liebe, deren wir so dringend für unsere «Zukunft bedürftig find: Diese Liebe, diese Arbeitsfreudigkeit muß i; aber vor allem geweckt werden in unserer jüdischen Zugend! Auf ihre-Mitarbeit müssen ^ir in allererster Linie zählen. Darum ist es . an uns, die jüdische Jugendbewegung, vor!! allem unsere liberale Zugendbewegung, aus j 1 allen Kräften zu unterstützen. Daß sie chert- [ l Früchte tragen kann, das haben wir niit | | Genugtuung aus den Berichten über die Lntl \ Wicklung unserer Zli und aus ihrer Linigung m der Arbeitsgemeinschaft der Zli ersehen. Diese jungen Leute, tvelche ans ihrer geistigen Gemeinschaft Anregung,' Belehrung, Festigung entnehmen, sind die wahren Träger unserer jüdischen Zukunft. Darum sollen die kletteren diese Zugendbewegung fordern und die Züngeren sollen nicht aufhören, im eigenen Kreise Gefährten zu suchen für ihre gute, heilige Sache. Mir sind stolz auf unsere liberalen Zugendvereine und hoffen, daß das Beispiel, das sie geben, nicht nur auf die Altersgenossen, sondern auch auf die Aelteren einwirken werden, damit unsere Reihen sich immer inehr auffüllen und zusammenschließen. Große Aufgaben, große Ziele harren unser. Nichts mehr und nichts weniger, als die Zukunft unserer Glaubensgemeinschaft hängt von unserer Arbeit, von unserer Eingebung ab. Solche Aufgaben aber erfordern — das sehen wir 'täglich in unserem vaterlande — eine feste Organisation. Der einzelne, so redlich er es meint, so begeistert er ist, ist ohnmächtig in der Flut der Zeit. „Vereinigt werden auch die Schwachen mächtig"! Zm Zusammenschluß, in der Gemeinschaftlichkeit der Arbeit, in der Gemeinsamkeit des Strebens liegt die Kraft, die Erfüllung verbürgt. Menn' ich daher an dieser Stelle von Herzen dafür eintrete, es nicht nur bei liberaler Gesinnung bewenden zu lassen, sondern sie zu betätigen,' zunächst einmal durch Beitritt zu unserer „Vereinigung für das liberale Zudentum in Deutschland", der großen Organisation, welche die Förderung des Liberalismus in Deutschland sich zur Aufgabe gemacht hat, so treibt mich zu dieser Bitte nicht der Munsch, unsere Vereinigung möglichst zahlreich vor der Melt stehen zu sehen und durch ein Anhäufen angesehener Namen unserer Rlitwelt zu imponieren. Ls drängt nüch die Liebe zu meiner Religion, die Sorge um ihren Fortbestand und die nimmer zuerschöpfende Hoffnung, daß es ehrlicher geniein-