Liberales Judentum
- Journal
- Liberales Judentum
- Volume
- 9 (1917)
- Issue
- Heft 5-6 (Mai 1917)
- Date
- 1917-05-01
- Page
- Seite 56 (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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oß Z. Ämu: Gegenwart und Zukunft des Liberalismus im Judentum wenn teil* mi'tr anderes für uns beanspruchen, so voiLnigen wirdaß diejenigen, die unsere Gesüumng nicht teilen, unsere ehr- - liche UeberzeugWNg achten. Und darum müssen wir uns vor allem auch gegen diejenigen wehren, die unter dem vorgeben, zwischen den .Gegensätzen vermitteln zu wollen-, zwar für sich selber die Fesseln' und Normen 'der altrn Form abgestreift haben, aber von anderen, insbesondere von ihrer Gemeinde selbst, verlangen, daß sie in diesen Fesseln weiterlebr. Was nran für sich selbst als recht anerkoatt, das soll man nicht als Sünde ansehen, Menn es von anderen geübt wird. Ls gibt ßwr jeden in derselben Sache nur eine wahcheit: die man selbst als wahr' anerkannt hat, Änd nach der man im Leben Handelt, und diche Wahrheit soll inan nicht nur für sich selbst gelten lassen, sondern bei allen Geistesverwandten schätzen und überall dafür eintreten.. - Schließen sich möglichst viele Liberale in diesem "Sinne züsimmen, so wird es dem Gesamtjudentnm zum Segen sein. Dann ist der innere Ramxf nur der Sturmwind, hinter dem die Sonne eines stecken selbstbewußten Judentums aufgeht. Kr dieses Gesamtjudentum werben wir, wen» wir für den .Liberalismus werben. Und wrrben müssen wir, Seelen werben, die dem Judentum innerlich noch fernstehen. Diese werbrVtigkeit erfolgt durch die Verbreitung jüdischen Wissens in den Reihen der Unkundigen, m erhöhtem Maße aber noch durch die Lrweckrsrg jüdischen Stolzes!.Und diesen Stolz erwogen wir durch das .Beispiel eine-, eigenen, in sich gefestigten, aufrechten, furchtfreien Lebenswandels. wenn die Schwachen und Lewen, wenn die große Menge der Gleichgültigen erst einmal sieht, daß fie in eine Gemeinschaft opferwilliger, vorwärts strebender, in sich Wfammengeschlossener Brüder treten kann, drß Sunderte und Tausende von Männern und Frauen ihrer mit.geöffneten Armen harren, dann, meine ich, wird das Tis gebrochen, wird die spröde Zurückhaltung beseitigt werden, und die verlorenen werden gerettet sein. Selbstverständlich müssen wir bei dieser Werbetätigkeit in unserem eigenen lsause anfangen, Ls ist heilige Pflicht der Litern, ihre - Rinder durch Lehre und Beispiel auf .ihren Pfad zu ziehen. Das ist lebendige Pietät, die mehr wert ist, als das bloße Rückwärtsschauen auf noch so teure Gräber. Wer im Sinne der Väter leben will, der nmß säen, wie sie gesät haben. Line Rindesseele empfindet fein und tief, wir müssen dem kindlichen Idealismus unsere Liebe und unsere Lrfahrung entgegenbringen, um ihn auf den richtigen Weg zu leiten, auf dem richtigen weg zu erhalten. Zu diesem Zwecke wendet sich der Liberalismus auch vor allen Dingen an die jüdischen Mütter und Frauen: Zeder weiß es. was das Beispiel und die Liebe einer guten Mutter vermag. Ihr Mütter seid zuerst verantwortlich für eure Rinder! von euch fordert Israel seine Söhne und Töchter! Sorgt, daß das heilige Pfand, das in eure Hände gelegt ist,' unangetastet, ja veredelt der Glaubensacmeinde zurückgegeben werde! Und wie wir im eigenen Saus zu wirken bestrebt sein müssen, so tritt an. uns auch die Pflicht heran, im Rreise der verwandten und Freunde mit allen Rräften zu werben. Durch ernsthafte Aussprache, werbenden Hinweis auf die eigenen Ideale wird der Freund den Freund für sich und für seine Anschauungen gewinnen können, wir wollen keinen Seelenfang treiben, keine Missionstättgkert ausüben mit Zwang und Schmeicheln und Drohen, aber verschüttete- Tore in den Herzen freizumachen, das ist eine Freundespflicht, der sich jeder unterziehen soll und unterziehen muß! . Und wie jeder einzelne still im eigenen Rreise wirken soll, so sollen wir Liberalen zusammen in 'Gemeinde und Welt wirken für