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Liberales Judentum · 1917-03-01 · Heft 3-4 (März 1917) · p. Seite 44

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Journal
Liberales Judentum
Volume
9 (1917)
Issue
Heft 3-4 (März 1917)
Date
1917-03-01
Page
Seite 44 (sequence 20)
Language
German
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II Aus der Jugendbewegung o o o o :i;I; verstellen, welche Anforderungen an die Spannkraft der Teilnehmer.gestellt wurden, noch dazu in einein vKlständig ungeheizten Saal, was bei der KäUfer, die in jenen Tagen ihren Höhepunkt erreiHt hatte, besonders unangenehm empfunden Wurde. Für die Strapazen wurden wir indeffen reichlich entschädigt, als uns nach Schürst der Sitzung Herr Simon im Aufträge seirus Vereins bat, Gäste des pofencr Ili zu fein. Mir nahmen die Einladung mit Freuden cm und setzten uns zu einenr für Kriegszeiten ausgezeichneten Mahle nieder, mit dem uns jfcar Ivirt des Friedrichshof sogar für den iungehüzten Saal versöhnte. Die Stimmung bei Tischr'war denn auch ganz besonders angeregt; r>m allen Teilnehmern war kaum einer, der mcht in einer kleinen Tischrede seiner Freude darüber Ausdruck gegeben hätte, daß uns die Gründung einer Organisation gelungen war, von der wir uns mit Recht Segen und Förderung unserer Ideen und damit auch des Gesamt-Iudentums, des ehrwürdigen Bekenntnisses unserer Väter, versprechen durWn. _ Es waren Glückumufch-^-elegrannne von Justizrat Berger-Könisshütte und Sanitätsrat Reich-Breslau einselaufen, für die wir telegraphisch dankten, von der erfolgten Gründung der liberalen Arbeitsgemeinschaft, gaben wir außerdem Herrn Justizrat Breslauer, denr .Vorsitzenden der liberalen Vereinigung, Herrn Rabikmer Dr. Seligmann- Frankfurt a. Rl. und Herrn Landesrabbiner Dr. Rieger-BraunschuWg Kenntnis. von bis 6 lUk lauschten wir dann einem vortrage des Herrn Rabbiner Dr. Goldmann über das CE&ema „Kriegszeit und jüdischer Optimismus". Dieser Vortrag, dem man nicht genug Verbreitung — besonders unter den indifferenter! Juden — wünschen kann, ermahnte uns, im Kampfe gegen den mit furchtbarer Gewalt heranfziehenden Antifcmitisinus uns nicht uw fo oft im taufe der Geschichte von unserem jüdischen Optimismus -- betrügen zu lassen, sondern zu kämpfen und zu arbeiten, dankt unsere Hoffnungen und unser Optimismus sich als berechtigt erweisen. Um 6 Uhr verabschiedete.ich mich von den posener und BreÄrner Herren und fuhr zusannnen mit den Berliner Delegierten zunächst bis Kreutz. Dort trennten sich unsere kvege, ineine ReisebegTeiter stiegen nach Berlin unr, und ich fuhr allein weiter. Allein? Nicht ganz, denn mich begleiteten all die liebgelvordencn Gestalten des an Eindrücken so reichen Tages, und mich hob das Bewußtsein, gesehen zu haben, daß in den verschiedenen Teilen des Reiches Freunde'und Anhänger des liberalen Iudentunrs sind, die alle mit gleicher Begeisterung und mit gleicher Kraft für ihre Ideen einzutreten entschlossen sind. Und das war wohl das Schönste an unserer posener Tagung, daß er uns einen Ausblick in eine helle Zukunft gewährte. Auf der von dem posener Verein in glücklicher Meise vorbereiteten Tagung wurde Herr Simou-posen zum Vorsitzenden, Herr Lehrer Hirschfeld-Berlin, zunt 2. Vorsitzenden, die Herren Götz-Hamburg und Dr. Schweitzer-Breslau zu Schriftführern gewählt. Au das Referat des Herrn Generalsekretär Rechtsanwalt Stern schloß sich eine ausführliche Debatte. Allgemein wurde dem Referenten darin zugestimmt, daß es notwendig fei, eine Arbeitsgeineinschaft jüdisch-liberaler Jugendvoreine zu gründen, lieber die Aufgaben der Arbeitsgemeinschaft sprach Herr Rabbiner Dr. Goldmann, der auch auf das Verhältnis zu den neutralen Jugendvereineu einging. An der lebhaften Diskussion über diese Frage beteiligten sich insbesondere die Herren Rabbiner Dr. Bloch, Lehrer Hirschfeld und Rabbiner Dr. Steinthal. Beschlüsse wurden nicht gefaßt, da über die Stellung zu den neutralen Jugendvereinen noch Verhandlungen schweben. Zu längeren Debatten gaben die Fragen die Errichtung von Turnabteilungen und der Propagandatätigkeit Anlaß, zu denen sich Instizrat Dr. Kämpfer, Rabbiner Dr. Goldmanrt, Rabbiner Dr. Steinthal und Dr. Schweitzer in bemerkenswerter Meise äußerten. Schließlich gelangte folgender Beschluß zur Annahme: . ' ' Beschluß der Vertreter der Ili auf dem vertretertag in posen am 28. Januar \ty\J. 1. Es wird eine Arbeitsgemeinschaft der liberalen Jugendgemeindeu gegründet. 2. Aufgabe der der Arbeitsgemeinschaft Zugehörigen Ili soll es sein, alle geisügen Interessen der jüdischen Jugend auf religiös-liberaler Grundlage zu fördern.

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