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Liberales Judentum · 1917-03-01 · Heft 3-4 (März 1917) · p. Seite 42

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Journal
Liberales Judentum
Volume
9 (1917)
Issue
Heft 3-4 (März 1917)
Date
1917-03-01
Page
Seite 42 (sequence 18)
Language
German
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42 Nundscha« Co co 4 unigtfcm, wie es kein Glück und keine Freiheit nns gebracht hat, ist unter Drang und Anfeindung uns erwachsen. So erweist sich hier, wie schon cM in unserer Geschichte, der Judenhaß als pc „Kraft, die stets das Döse will und ftcttz das Gute schafft".. Noch ist der reinste Se«m, den Israel, der „Gottesftreiter", im sichtlichen Kampfe mit der Welt so oft sich hat erringen müssen, noch ist eine vertiefte und verinnerlichte Religiofität uns nicht ztteil geworden. Aber die Männer, die durch die Schule des Krieges gegangen sind, hrben die sittliche Neife erlangt, für die die Frage : „Bin ich der Väter meines Brndersi?^, keine Frage nrehr ist. „Alle Israeliten bürgen einer für den anderen." In diestm Bekenntnis zur sittlichen Verantwortung eiiiat sich im Geist der Väter das sunge jiidisHp Geschlecht. Es ist kein religiöses Bskentttnis, aber doch eines, von dein nur ein Schilt ist zu dem nicht bloß überlieferten sondern lebendigen Glauben an den heiligen Gott des alten Gottesvolkes. Ls ist ein törichtes rrnd arrmaßliches Unterfangen, die Zukniift zu prophezeien. Gb die deutschen Juden nach diesem Kriege politisch und gesellschaftlich besser oder schlechtergestellt sein werden als vorher, oder ob alles dein, Alten bleibt, welcher Besonnene wollte das auch nur niit einiger Sicherheit Vorhersagen? vor allzu düsteren Gedanken Der die Zukunft bewahrt uns der alte in tausendfachem Leid erprobte jüdische Optimismus. Aber eines kündet sich heute schon durch deutliche Zeichen an: wir 'Juden bleiben nicht dieselben, von unseren heimkehrenden Söhnen und Brüdern wird wie ein lebender Strom ein neuer fester Wille zum Judentum ausgehn, der die Lauen und Lässigen, die wankenden und Schwankender! mit sich fortreißt, ein lville der die Erneuerung des Judentums verbürgt. Kunälctiau. Dessau. Am Sonntag, den 2;. Jan. veranstaltete der hiesige Gemeirrdeverein „Moses Mendelssohn" bei Gelegenheit seiner ordentlichen Vereirrsversnrnnlung einen Vortragsabend, bei dem dar-Generalsekretär der Vereinigung für dE liberale Judentum in Deutschland, veur Rechtsanwalt Stern aus Berlirr, über „d i e B e d e u t u n g jd e s K r i eges fürdierellrgiöseiEntwickeln.ng des Indentums" sprach. Der Vortragerrde wies aiff das infolge des Krieges allgernein erstarkte religiöse Interesse hin, das sich nicht nur bei den jüdischen Soldaten im Felde, sondevv auch in weiten- Kreisen der heutigen Iudmheit geltend mache und eine Befriedigung dringend erheische. Dieselbe könne nur di^ch eine zeitgemäße Ausgestaltung der räigiösen Formen und Institutionen des Judentums in freiheitlichem Sinne erfolgen. Drrin liege daher eine der hauptsächlichsten Aufgaben des modernen Judentums. An dw löand der Propheten sowie der späteren geschichtlichen Entwickelung zeigte der Vortragende die Berechtigung zu solch liberaler Betätigung und verstand es, durch seine überzeugenden Ausführungen die Erschienenen zur Mitarbeit an derselben zu begeistern. An du sich anschließenden Besprechung beteiligten sich der Vorsitzende des Gemeindevereins, verr Iustizrat Dr. Gobn, welcher die Wichtigkeit und Dringlichkeit der vom Referenten geäußerten Forderungen betonte, sowie verr Landesrabbiner Dr. Walter, der sich ebenfalls mit den maßvollen Vorschlägen des Vortragenden im großen und ganzen einverstanden erklärte, jedoch in, Interesse des Friedens unter Vermeidung radikaler Maßnah,nen möglichste Schonung der religiösen Gefühle und Anschauungen 'andersdenkender empfahl. 6. Posen. In einer durch liberale Vertreter des Gemeindevorstandes und der Rexräsentantenverfannnlung sowie die Mitglieder der Verwaltungskommission der Gemeindcsvnagoge B (Israelitische Brüdergemeinde) verstärkten Vorstandssitzung des Vereins liberaler Juden stellte sich am 27. Januar er. der neue Generalsekretär der Vereinigung für das liberale Judentum, verr Rechtsanwalt Heinrich Stern-Berlin der hiesigen Ortsgruppe vor und berichtete über die Grganisationstätigkeit der Vereinigung und ihre nächsten Aufgaben, insbesondere in der Provinz Posen. Allgemeine Zustimmung fand die von den, .Berichterstatter gegebene Erklärung, daß die Wiederaufnahme der Ar-

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