Liberales Judentum
- Journal
- Liberales Judentum
- Volume
- 9 (1917)
- Issue
- Heft 3-4 (März 1917)
- Date
- 1917-03-01
- Page
- Seite 36 (sequence 12)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 91% known words query
- IRI
…/3126481-3126586-3126588--2223-3129065- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
36 War Wiener: Indisches Judentum v o O D sicht bahnt zwar rwch lange keinen weg nach Palästina; abar sie mutz doch die klugen darüber öffnen, dcG unser Glaube steht und fällt mit einem jüdWcn Totalitätsbewußtsein, von dem er zwar Zas hauptsächlichste, aber doch nicht das eiiDge Moment ist. Ls ist undenkbar, aus dar religiös-ethischen weis»- heit der Propheten und anderer jüdischer Geistesheroen ein Maubenss^stem herauszudestillieren und das Bekenntnis zu ihm als ein lebenskräftiges oder auch nur lebensfähiges Judentum arrszugeben. Das heißt Glicht etwa, unter Lrr ehrwürdigen „historischen" Firma alle Inventarstücke dauernd mittragen, mitschlcWen, die irgend einnial als jüdisch gegolten. Aber es bedeutet, für alle Fälle Respekt vor dem §eben haben, auch wenn es sich'nicht leicht einem vorgefaßten Schema fügt. Liier ein wort zu dem Hebräischen als Gebetssxrache!. Ls ist sicherlich für das religiöse Gefühl uneüdäglich, wenn der Beterin einem ihm unverständlichen Idiom zu seinem Gotte redet. Ls muß auch zugegeben werden, daß die überwiegende Mehrheit der deutschen Juden zu einer Kenntnis des Hebräischen, die das Verständnis des alten' Gebetbuches vermittüt, nicht erzogen werden kann. Auf der anderen Seite ist zu erwägen, daß diejenigen, denen es nicht bloß eine einigermaßen verständliche, sondern sogar eine heilige Sprache ist, die eigentlichen Träger des regÄnäßigen Sabbatgottesdienstes sind, und drß die ungeheure Neberzähl der solcher intensiven Religionsbetätigung Fernstehmden auch durch die Einführung einer ai^chließlich deutschen Gebetssxrache für einen häufigeren Besuch des Gotteshauses kaum Zr gewinnen waren. Ls sei übrigens darauf hingewiesen, daß, am Maßstab des mehr oder minder gefüllten Gotteshauses gemcWn, das deutsche Judentum trotz des Hebraschen ein unvergleichlich regeres L'eben aufveist als die christlichen Konfessionen, mindestens so weit die größeren Städte in Frage kommen, lvas freilich ein schlechter Trost ist, da unsere absolut geringe Zahl eine, ganz andere Intensität von vornherein notwendig macht, wenn wir auch bloß nicht sterben wollen. — Auch die genialste Reform dürfte keine äußeren, nn Gotteshaus sich offenbarenden Lrfolge erheblichen Umfangs aufweifen, da die notwendig uniforme Gestalt der Gerneiudeandacht dem modernen individualistischen Fühle« immer weniger liegt; eine Gefahr, welche Durch die mtellektualen Bestandteile des Gottesdienstes, predigt und vernünftig gewähtte deutsche Schriftvorlefung, auch nicht recht beschworen wird. Das alles enthebt natürlich nicht der Pflicht, den wirklichen Bedürfnissen Der betenden-Gemeinde genügen zu wollen. Die aber ist aus inneren rein religiösen Gründen vor allem an einem kurzen. Gebetsgottesdienst interessiert. Beschränken wir uns watet Beseitigung der unendlichen Wiederholungen auf den Kern der hebräischen Hauxßgebete, fügen wir diesen deutsche Stücke — aber in einer mannigfaltigen Abwechsluirg — ein, nutzen wir die ganze Bibel für die H^htara, so werden wir nicht bloß im wesentlichen die historische Form wahren, wir werden auch den Unterricht im Hebräisch«» 'ohne übertriebene Belastung als eine wirkliche Vorbereitung zur Teilnahme «r der Gemeindeandacht gestalten können, «ad wir werden der hebräischen Sprache, Die selbst zahlreichen der ihrer nur höchst unvollkommen Mächtigen heilige Sprache bleibt, eine Heimat in der Seele aller Lser bereiten, die Juden sind und es ernstkch bleiben wollen. . In der Frage des Speifegefetzes ist wahrheitsgemäß, zuzugeben, daß ihm niemals eine größere innere Bedeutung zMwr, als die ist, welche in der tteuen Bewahrr»g eines als göttlich anerkannten Gebotes beruht. Ferner, daß es immerhin eine fragliche Sache