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Liberales Judentum · 1917-03-01 · Heft 3-4 (März 1917) · p. Seite 34

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Journal
Liberales Judentum
Volume
9 (1917)
Issue
Heft 3-4 (März 1917)
Date
1917-03-01
Page
Seite 34 (sequence 10)
Language
German
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o o o o 34 Mar Mirner: Jüdisches Judentum das wollen .wir dom Verfasser mit aller Gemütsruhe konzedieren; bloß eins Nicht, daß wir 'das alles um unserer deutschen Nationalität willen tot, geschweige gar.um den Kampf für unsere Gleichberechtigung als Staatsbürger mit glücklicherein Erfolge führen zu föimeii, foifiscrn einzig und allein, wenn unser jüdisch-religiöses Bewußtsein derlei von uns verlangt. Um der Aufrichtigkeit und Reinheit lmjorei* Frömmigkeit willen darf der Glaube und seine Lebensäußerung sich niemals von dan Zwang der ihnen fremd und äußerlich bleibenden Rücksichten - und Absichten ntode^D und biegen lassen, kann nationalen und patriotischen Gesichtspunkten auch nur dar geringste Spielraum von Ginwirkung auf Lde Religiosität und ihre Offenbarung nicht varstattet werden; sondern weil eine wirklich gckebte, nicht aber als unbequem störendes Dätererbe empfundene. Religion, in der tiefsten Tiefe der menschlicken Seele ihren Sitz hat, gestaltet sie selbstsicher und autonom, ohne Seitenblicke, ohne Kompromisse, ohne Rücksicht und Vorsicht ihr Verhältnis zu aTen anderen Lebensbeziehungen. Der weg aber, auf dem Sarutcrs „Deutsches Judentum" schreitet, ist der toxische einer Beurteilung nicht von innen, sondern von außen Hw, von der Peripherie nichtjüdischen Fühlens und Denkens aus, doch nicht von dem unmittelbar erlebten religiösen Selbst; er ist nur die Fortsetzung der Straße, die eingrfchlagen .wird, wenn christliche Deutsche, von unzweifelhaft ehrlichem Wohlwollen gegen uns erfüllt, zur" deutschen „Iudenfrage" das Wort nehmen. Sie wollen sie lösen, indem sieuns unserer Seele berauben, unser Selbst morden, worauf dann die einzelnen jüdischen Menschen, von keiner eigenen Innerlichkeit mehr beschwert, ehi bequemes Unterkommen unter der übergroßen Mehrheit finden. Es liegt uns ferne, den verfaUer gleicher, Ziele verdächtigen zu wollen. Aber der Aufriß der von ihm gestellten Antithese: Judentum— Deutschtum zeigt deutlich, wie ihm das Gefühl für die ungeheure .Wucht abgeh^ mit welcher sich eine tief im GeinüL würzende Ueberzcugung von hohen und heiligen Dingen auf den Menschen bürdet. Samter zitiert mit Anerkennung eine Bemerkung Emil Lehmanns gegen Friedrich panlfen. der den Mangel an deutscher Substanz bei den Juden, gegenüber den katholischen und protestantischen Deutschen, beklagt. Mit Recht habe Lehmann betont, daß „die überwiegende Mehrzahl der gebildeten Juden in Deutschland zuerst deutsch, dann erst jüdisch-sei." Das gelte — meint Samter — heute mehr als je; „denn im Kriege ist es doch wohl gar manchem, der -über diese Frage nicht nachgedacht, zum Bewußtsein gekommen, daß das .Deutschtum seine Substanz sei, hinter der alles andere zurücktritt." wir sind über diese hypothetische Konstruktion eines zu überbrückenden Gegensatzes zwischen Judentum und Deutschtum-ma so mehr erstaunt, als für Samter doch bloß ein ausschließlich religiöses Judentum in Frage kommt und jeder Gedanke daran, daß irgend etwas über das Konfessionelle viuausgehende uns binden könnte, leidenschaftlich abgelehnt wird. Ginmal diese Voraussetzung als wahr unterstellt, erlauben wir uns, auf ein „Pro® blema" aufmerksam zu machen, das die mit Wohlgefallen anerkannte deutsche „Substanz" der Katholiken nahelegt, wie steht's z. B. — das ist natürlich bloß eine weltferne tzyxothese — wenn die im Staat organisierte Nation in der augenscheinlichsten Absicht nns zu zerreiben, Maßnahmen etwa im Öffentlichen Erziehungswesen trifft, dieauf die Ertötung unseres eigenen religiösen Bewußtseins abzielen? Sicherlich läge es im Interesse kraftvollster Einheitswirkung der deutschen Nation, daß sic nicht ein gut Teil ihrer inneren Stärke an die konfessionelle

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