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Liberales Judentum · 1917-03-01 · Heft 3-4 (März 1917) · p. Seite 33

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Journal
Liberales Judentum
Volume
9 (1917)
Issue
Heft 3-4 (März 1917)
Date
1917-03-01
Page
Seite 33 (sequence 9)
Language
German
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o c o o Ma.r Wiener: Jüdisches InLentnm uürd. Man frage unsere Arieger, die mit ihrem Blute im Schützengraben' das deutsche Vaterland verteidigt haben und nach verteidigen, man frage insbesondere die Feldrabbiner, wie die Stellung , der Juden draußen gewesen cht, und die weit überwiegende Mehrzähl wird antworten, daß jeder Jude, der sich als solcher bekannt hat und sich nicht scheute, sein Judentum zu vertreten, daß nur dieser Anerkennung und Freundschaft gefunden, daß diejenigen aber, die sich scheuten, ihr «Judentum zum Ausdruck zu bringen, bei jeder Gelegenheit unter dieser Zwiespältigkeit zu leiden hatten. Und so wie draußen, so ist es in der Veimat. Lin jeder bekenne sich öffentlich zu seinem Iudentume. Lr wird dann immer Anerkennung bei den Andersgläubigen finden. Dazu gehört aber auch, daß er sich nicht selbst über sich als Juden lächerlich macht, daß er nicht mit teilnimmt an der Verbreitung , sogenannter Scherze über Juden, die nur ge- . eignet sind, sie als Juden herabznsetzen, daß er sich ferm hält von Theaterstücken und Aino aufführungen, die unter dem Vorgeben, jüdische Sitten zu schildern, Juden und Judentum verhöhnen. Line solche Selbstzucht kann surr die Gemeinsckraft festigen. — Bedarf es so eines innigen Zusammen Haltens, urn dem äußeren Feind in fester Abwehr standzuhalten und diejenigen Rechte durchzusetzen, die den Juden rrach Verfassung und Gesetz gebühren, so nrrrß andererseits verlangt werden, daß jede echte Varteirichtnng sich auf sich selbst besinnt, und das, was sie für erstrebenswert hält,, auch .ins Ccfrcn umzusetzen sich bemüht, ohne Angriff auf die anderen Parteien, ohne Feindschaft gegen sie, und ohne häßliche Ausartung der Gegensätze. Aber jeder muß seiner Anschaururg treu bleiben. Zrn ehrlicherr, airständigeir Vorgehen nrag jede Partei das für. richtig erkannte durchh'nsetzen suchen, was nützt die „neutrale" Stellungnahme? Wozu dient die Mischmaschpolitik? Sie hat bisher die merkwürdigsten Blüten getrieben. Liberale Synagogen haben konservative Vorsteher erhallen, eine orthodoxe Schule (mit zum Teilchristlichen Lehrern) hat liberale Auratoriumsmitglieder! Glaubt man dadurch zur Linigkeit zu gelangen, daß man den Gegner unterstützt? Glaubt man dadurch die erwachsenen jungen Leute zu charakterfesten Menschen und Juden zu erziehen, daß man sie ins „neutrale" Fahrwasser leitet? Glaubt man, daß unsere im Felde gereiften Arieger sich nicht zu einer festen Ansicht auch auf dem Gebiete der Religionsübung dnrchgerungen haben? Lhrliche Einsichten ehrlich vertreten, nicht aus Rücksicht auf einen faulen Frieden mit der Durchführung seiner Ansicht zögern, andere Meinungen achten, aber die eigene durchsetzen — das scheint ein notwendiges Gebot zu fein auch für die Renorientierung. Jüdifdies Judentum. üon JTlax Wiener-Stettin. 3n der vorigen Rümmer dieser Zeitschrift machte Herr f)rof. Dr. Lrnst Samter- Berlin grundsätzliche Forderungen geltend, die ihm von einem „Deutschen Judentum" erfüllt werden müßten, wenn hier zu seinen Aeußerungen Stellung genommen wird, so geschieht's weniger darum, weil wir in eine Lrörterung über die konkreten programmxnnkte dieses „Deutschen -Judentums" eintreten möchten, als vielmehr aus der Lrkenntms heraus, daß der gewählte Standort für die Beurteilung niemals fruchtbare Ergebnisse zeitigen kann. Man mag das Hebräische als Gottesdienftsxrache opfern, das Speisegesetz in aller Form für unverbindlich erklären, für Synagogen jeden Baustil, nur nicht den maurischen, anerkennen:

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