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Liberales Judentum · 1917-03-01 · Heft 3-4 (März 1917) · p. Seite 29

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Journal
Liberales Judentum
Volume
9 (1917)
Issue
Heft 3-4 (März 1917)
Date
1917-03-01
Page
Seite 29 (sequence 5)
Language
German
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o o o o 0. Breslauer: Neuorientierung 29 bringen. Das ist die wunderbare Aufgabe des Propheten Elia, den wir den Schntzgeist, den Schutzheiligen unseres peßachfeftes geiiannt.haben. Freilich, der alte Elia, der einst im heiligen Lande zur Zeit des Königs Ahab und der Königin Iscbel gelebt hat, wird nie ans einer anderen Melt wiederkomrnen, um uns und unserer Zeit zu erscheinen; dies zu glaubet!, wird nicht von uns verlangt. E l i a ist uns ein Sinnbild, ein Sinnbild.für freiheitlichen Eifer, für innige, warmherzige Liebe zu unserem Glauben. Und da kein Einzelner von uns einfachen Menschen des Durchschnitts das zu erreichen vertnag, was ein Elia vermöchte: so tnüssen wir Alle uns zusannttentun zu gemeinsamem Eifer, zu gettieinsamer triebe zinn Judentum, so müssen wir Alle gemeinsam wenigstens so viel erwirken, wie ein Elia allein erwirkenköntite. Mir .tnüssen es geineinsam dahin bringen,, daß das Herz der Eltern wieder verständnisvoll den Kindern entgegenschlägt und das Herz der Kinder sich dankbar u^d liebevoll den Eltern zuwendet; daß älteres uttd jüngeres Geschlecht einander verstehen, einander würdigen und mit einander arbeiten — jedes auf feine Meise — zur Erhaltung unseres heiligen Glaubens. FlCUOFicnficrUnCJ. Von Bernhard Breslauer. icht um das Mort abzuhetzen, nicht utn ein pragramm aufzustellen oder eine programmatische Erklärung abzugebennur aussprechen will einer von vielen, wie er sich die Zeit nach der glücklichen Beendigung des Meltkrieges denkt. Man meint, daß nach den! Krieae der Antisemitismus aufs schärfste wieder einsetzen werde, und daran mag etwas Mahres sein. Aber man übersieht, daß die Art wie die Juden während des Krieges ihre vaterländische Pflicht erfüllen, nicht unbeachtet bleiben kann, und daß sich jedenfalls die Staatsverwaltung nicht den Luxus des Antifemitismus wird gönnen können. Immerhin werden die Juden nach wie Dor in Verteidigungsstellung verharren müssen. Dazu aber ist notwendig, daß sie unter sich einig sind. Der Gegensatz der Parteien mag bestehen bleiben, nach außen aber dürfen sie nur eine kompakte Masse bilden, wenn sie Erfolg haben wollen. Deshalb muß die bisher geübte praxis aufhören, nach der eine Partei die andere auch nach.außen hin befehdet. Es darf nichts U!ehr Vorkommen, daß die eine der anderen bei den Staatsbehörden entgegentritt und sei es auch nur auf Hintertreppen und mit .Ejilfe andersgläubiger angesehener Persönlichkeiten. Es darf nicht mehr verkommen, daß eine Partei der anderen das Judentum abspricht und ihr Deutschtum herabfetzt. Mir, haben in unserem deutschen Vaterlande unsere' „rechtlich gesicherte Seimstätte" und tauschen sie mit keiner anderen. Mollen andere es anders, so mögen sie ihre Ziele verfolgen, uns aber sollen sie dabei in Kühe lassen. Auch die Art, in der die eine partei die andere angreift, nmß sich ändern. Angriffe, wie sie gegenHermann Lohen, Eäsar Seligmann und Ludwig Geiger gerichtet worden sind, müssen unmöglich sein.- phantastische Ideen Einzelner, die in der Verelendungs- und Vereklungstheorie ihre Grundlage haben und ihren Gipfelpunkt in Vorschlägen finden wie die Errichtung von „Settlements", um die deutschen Juden „dem Deutschtrun zu entfremden", sie in eine jüdisch-nationale Masse hineinzudrängen, müssen unterdrückt werden. Keine Partei hat das Kecht, sich der. Schuljugend zu bemächtigen. Die Schule | muß frei von allen parteikämpfen bleiben.

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