Liberales Judentum
- Journal
- Liberales Judentum
- Volume
- 9 (1917)
- Issue
- Heft 3-4 (März 1917)
- Date
- 1917-03-01
- Page
- Seite 27 (sequence 3)
- Language
- German
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Br. IlüvbfK: Der Proptzrt GJlin, -er „Schutzheilige" unseres Potzachfcftes Mohl fehlte es an einem Merke, das seinen Nennen trug: aber auch ohne Merk pflanzte sein Ruhni sich fort -von Geschlecht zu Ge schlecht, sein L e b e n w a r s ein M e r k. -Und so weiß denn der letzte Prophet,^ Rlaleachi, seine letzte Rede nicht besser ,zu schließen, als mit der Verheißung, die wir alljährlich an dem Sabbat vor j?eßach lesen: „Siehe, ich sende euch den Propheten Llia, bevor des Gag des Ewigen kommt, der große und erhabene. Er wird das Gerz der Eltern den Rindern wieder zuführen und das Serz der Rinder ihren Eltern, daß ich nicht komme und,die Erde mit Verwüstung heimsuche." Rlit dieser Verheißung schließt das jüdische Prophetentum, mit der Verheißung des Erscheinens Llias vor Ankunft des großen erhabenen Tages, des Tages des Ewigen. Der Tag des Ewigen: darunter versteht der Prophet die messianische Zeit, die Zeit des allgemeinen Friedens unter den Völkern, des allgerneinen Mohlergehens unter den Menschen, der allgemeinen Gotteskenntnis und Gottesfurcht unter der:- Bekenntnissen. Als Vorbote dieser Zeit soll Llia erscheinen; das ist 'die Rolle, die die Bibel ihm zuerteilt.;■ ' 3nt Talmud fallt ihm scheinbar eine andere Rolle zu: Menn dort die Gelehrten über eine schwierige Frage streiten und zu keiner Einigung gelangen keimen, dann pflegt der Talmud zu sagen: „Diese Frage bleibt "u n e n t s ch i e d e n a <3 schejowo Eliobu, bis Elia kommt." Das ist von Manchen irrtümlicherweise dahin aufgefaßt worden, als solle Elia als ein großer Schriftgelehrter hingestellt werden, der die Meisen des Talmud allesamt an Scharfsinn überrage und einst die Entscheidung herbeiführen werde über schwierige .Fälle des jüdischen Ritual- und Zeremonialgesetzes. In Mirklichkeit bedeutet die Redewendung: „Line Frage bleibt unentschieden bis zur Ankunft Llias", sie bleibt unentschieden für unabsehbare Zeit, da ja die Ankunft Llias vom Propheten Rlaleachi in Verbindung gebracht worden ist mit der messianischen Zeit, mit der spätesten Zukunft der Menschheit. Ivochl haben' -einzelne lab n»irdische Gelehrte in Llia tatsächlich eine entscheidende Instanz für rituelle Vorschriften erblicken wollen, die Mehrheit der Meisen tritt indessen dieser Anschauung ganz ent schieden entgegen und bemerkt: „Llia wird iticH kommen, um etrvas für rein oder unrein zu erklären, für erlaubt oder unerlaubt, sondern um zwischen denen, die über religiöse Dinge verschiedener Meinung sind, Frieden berzustellen." Das ist eine Aufgabe, eines Llia würdig. Daher sehen wir denn auch Maimouides, am Schlüsse seines großen Religionswerkes Mischneh Thorah, dem Llia diese Aufgabe zuerteilen. Der Prophet Llia: der Schutzheilige unseres j)eßachfestes, der Mann, der sozusagen die Freiheit in Person verkörperte, der Mann mit dem entschlossenen Mut, dem unbeugsamen Ivillen und dein feurigen Geist, der hat wahrhaftig Nichtigeres, Nützlicheres, Mertvolleres, vöheres zu tun," als rituelle Entscheidungen zu treffen. Seine Aufgabe ist überhaupt nicht, Lntscheidungen zu treffen, das widerstrebt seinem freiheitlichen Geist. Er will! Jedem seine Meinung lassen, sobald diese j nur ehrlich und aufrichtig ist. Seine Aufj gäbe ist, den Frieden herzu stellen z w i s ch e n d e n e n, die verschieden en j dl n s i ch t e n huldige n: sei u e A u f g a b e ist, die Achtung zu lehren vor der ehrlichen Meinung des Andern. Denn .wie nur der sich frei nennen darf„ der seine eigenc Meinung offen vertritt, so ist auch nuf bcr w a h r Haft frei, der die Me in u n g des A n d e r n duldet und acht et und -sich e.h r l ich e Mühe gibt, sie z u v erstehe u. So sind denn Bibel und Talmud unter einander einig in der Aufgabe, die