Liberales Judentum
- Journal
- Liberales Judentum
- Volume
- 9 (1917)
- Issue
- Heft 1-2 (Januar 1917)
- Date
- 1917-01-01
- Page
- Seite 22 (sequence 22)
- Language
- German
- Belongs to
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22 Ans der Jugendbewegung o OS feiner Zckt Halle feine Lehre nur wenige Anlänger, erst Ende -is ^8. Zah. Hunderts gelangte sie besonders W Deutschland zu großer Blüte; ihr bedeutaDster Verfechter war Goethe: Beuteist dar Spmozismus fast vkl'ig überwunden. Das Judentum hat wieder einmal seine sittliche Uebwlegenheit gezeigt, denn nur auf der Grundlage eines freien Willens ist sittlicher und wissenschaftlicher Fortschritt möglich. Der größte Teil dar Anwesenden blieb noch nach dem Vortrag grmütlich zusammen. Bei dieser G l.'genhüt wachte löerr Alsred Berger einige interessante Zuteilungen über innere vor einsang clegcnheÄm und konnte gleichzeitig berichten, daß feillanger Zeit des Schweigens wieder einmal ein FrDpostbrief unseres Vorsitzenden, Unterofsistws Albert Wolf eingegangen ist, ven dessen; Grgch.n die Versammlung mit lebhaftem Interesse Kenntnis nahm. Am 3. Leseabcnd 8as £jerr Al,red Berger aus „Sozialer GthU" die Abhandlung Leo Baecks über die SckMfung des Mitmenschen. Unter sehr starker Beteiligung fand der 3. Z>klus-Vort:ag drs löerrn Rabbiner Dr. Goldmann statt. Dar geschätzte ^err Redner behandelte sein Thenn: Optimismus ungefähr wie f.lgt: Das Zud.ntum ist optimistisch, und dieser Gedenke wird schon im Schöpfungsbericht der BDel durch dir Worte: „Und Gott sah, daß es gut war" zum Ausdruck gebracht. Wir Juden beweisen nicht, daß diese WAt dir kbefte sei; unser Optimismus ist Glaubenssache, seine schönste Verkörperung hat er in der messianischen Idee gefunden. Das Zudentun ist an den Leihen des Lebens nicht blind rarbeigegangen, und im Buche Lsiob findet die Frage nach der Ursache des Unglücks, unter dem auch, der Gerechte oft leiden muß, ergnüfenden Ausdruck. Aber einem Pessimismus, wie ihn das Christentum kennt, ist das Zrdon.um stets fremd geblieben. Den bederüendstm philosophischen Vertreter hat die pMimistische Weltanschauung in Schopenhauar gefunden, für ihn ist diese Welt die schlechtste,'die überhaupt möglich ist, jedes Glück ist nur eine pau|e im Unglück. <£r mußte bei Liieser Weltanschauung ein scharfer Gegner desIadentums werden; er hat aber diese Gegnerschaft auch auf die Juden selbst übert.agcn. Drs Leben Schopenhauers zeigte, daß dieser MIosoph gmz anders gelebt hat, wie man e? nach seinen Lehren erwarten soll e. Der Üeffhntt, der ganfolgerichtig handeln will, muß sch iej. ch -um Selbstmord, dem Gipfel der Leben-vcrneinung kommen. Nur der Optimist, der ungeachtet mancher Fehlschläae.seinen Weg geht und der niemals dir Hoffnung auf eine glückliche Zukunft aufgibt, kna im Leben e was erreichen. Das Judentum hat auf. feinem Gang durch die Geschichte viele Leiden erdulden müssen, aber es ist nicht unte legen und konnte nicht unterliegen, da es den Glauben an die Erfüllung einer Mission nicht verloren hat; in der Zeit seines äußersten Niederganges haben feine Propheten die Lehre von der Menschheit und dem messianischen Zeitalter aufgestellt, und diese beiden Lehren haben das f idifche Volk buch in den schwersten Zeiten des Mit elalters auf echt crha ten und. sollen auch uns zu neuer Arbeit anspornen auf dem Wege, der zu ifcrtr Verwirklichung führt. Durch den Antisemitismus hervorgerufen hat in neuerer Zeit un er einem Teil der Juden der Pessimismus Anhä ger gewonnen, er ist die Ursache des Zionismus, der sich resigniert vom 'Kampfe um unser Reckst zurückgezogen hat, und unseren Glauben an die Menschh.it verkcht. Mit einem Aufruf an den Gptnnismns der Zugend, der uns liberale Juden zu rastloser Arbeit für unseren Glauben anspornen soll, schloß fjerr Dr. Gold.rann unter stürmisch.m Beifall seinen Vortrag. Berr Berger übermittelte Grüße der Berliticr Bruderorganisation und teilte gleichzeitig mit, daß dieselbe ihre Tätigkeit wieder'ausgenommen h..t. Ferner da.ckte er unserem vereinsbruder Dr. Schweitzer für feine Anerkennung, die er unseren Leistungen in der „Allgemeinen Zeitung des Judentums" gezollt hat und schloß seine Ausfüh.ungn, die starken Beifall auslöstcn, mit einer dringenden Mahnung, die immer schwieriger werdende Arbeit des Vereins durch aktive Teilnahme zu unterstützen, herzliche Worte der Anerkennung widmete nns unter lebhaf estem Beifall unser Ehrenmitglied Herr Samtätsrat Dr. Reich. Auch dieser Abend brachte uns eine Reihe neuer Beitrittserklärungen. Am \2. Dezember fand, wiederum unter starken Beteiligung, der h. Zyklus-Vortrag st,alt. Bcrr Rabbiner Dr. Goldmann sprach über „Soziale Ethik". Line Grundlage