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Liberales Judentum · 1917-01-01 · Heft 1-2 (Januar 1917) · p. Seite 23

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Liberales Judentum
Volume
9 (1917)
Issue
Heft 1-2 (Januar 1917)
Date
1917-01-01
Page
Seite 23 (sequence 23)
Language
German
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e&smmmm* Aus brr Jugrnbbrwrgung 23 des Judentums ist s in So krtsmus; alle Menschen haben gl.iche Rechte, denn a'.le stammen nach einem Berichte der Bibel von einem Mcnschenpaar ab. Das Judentum kennt daher auch nur einen Adl. der sich an die Person knüpft. Jeder Mensch hat ein Anrecht auf Glück und um federn dasselbe?jj verschaffen, hat das Judentum eine große Reihe von Gesehen aufgestellt, die den sozialen Grundzug sichern. Das Lhr'stentum kennt di se G. setze nicht und verwi.ft ,ie; nach seiner Anschauung n.uß Wohltätigkeit auf freiwilliger Grundlage aufgebaut sein, da' durch den Zwang der sittliche Wert dcs Handelns beeint ächt'gt w rd. Das Leben hat dem Iudcntum recht gegeben; ohne Gesetz ist eine Durchführung des Sozialismus unmöglich. Die jüdische soziale Gesetzgebung wird heute von den Staaten cingeführt; cs sei nur an die Sonntagsruhe erinnert, die das Judentum schon l-ng? kennt, die aber von der Regi.runz gesetzlich festgelegt werden mußte, da man sonst ga nicht daran gedacht hätte, di.selbe du.chuführen. Die Schwachen müssen gestützt werden, sie dürfen nicht auf unser Erbarmen angewiesen sein, sie müssen auf ihr Recht pochen können. Nietzsche ist der große Gegner des Sozialismus. Er sagt, der Zweck dieser Welt ist nicht das Glück der Menge, sondern die Schaffung bedeutender Menschen, in denen der Wille zur Mackst groß ist; für ihn ist Nächstenliebe Sklavenmoral, das Mitleid ist das Unglück der Welt. Aber er ist kvin Egoist, der die Macht nur zur Erlangung eigener Vorteile ausgenütz wissen will; für ihn ist der Kampf der Menschen unter einander nur Mit.cl zu dem großen Zweck der Menschheit, zur Schaffung des Uebermcnschcn. Ni.tzsche ist daher ein Gegner des Judentums, dessen stlwral aus der blonden Bestie ein zahmes Haustier gemacht hat; er ist aber gleichzeitig gegen die Juden gerecht und rühmt ihre große Zähigkeit und Standhaftigkeit. Nietzsche verwirft die Sklavenmöral des Judentums, weil sie die Menschen verdorben habe, herrscht diese Sllavenmoral aber vielleicht in der Welt? Man kann di.se Frage nur mit Nein beantworten, in Wahrheit herrscht noch immer die Gewalt, und von dem 3deal des jüdischen prophetismus find wir noch weit entfernt. Die einzige Möglichkeit für den Menschen vorwärts zu konnnen und der Menschheit zu nützen, ist die soziale Ethik. Das Judentum sagt: Wenn ich nicht für mich bin, wer sollte für mich sein,, wenn ichmuc für mich, bin, was bin ich dann? Bemühen wir uns groß und stark zu werden um mit unserem Ueberflusse dem Schwachen beizust.hen. Stürmischer Beifall wie nach jedem Vortrag des geschätzten Redners, folgte auch diesen Ausführungen, die den Hörern einen tiefen Blick in die geistigen Schätze unserer Religion gewährten. Nach Dankesworten des Herrn Bayer konnte Herr Berger unter freudiger Zustimmung der Versammlung auf Grund neuer Beitrittserklärungen den Namen des 3Q0. Mitgliedes befanntgeben. Am l9- Dezember fand der % Leseabend statt. Herr Dr. Nellhaus las das feinsinnige Zwiegespräch zwischen wcihnachtsbaum und Lhannkkah-Licht vor. Zum Lhanukkah-Feste sandten wir unseren F ldgrauen eine literarische Festgabe, für die wiede um Herr Rabbiner Dr. Golemann einen besonderen trefflichen Artikel uns widmete. Wir legten der Sendung Dr. Samuels „Bibel und Heldentum" bei. Breslau,, den AH Dezember $(5. Walter Lohn. Jüdisch-liberaler Jugrudverrin zu Posen. Nach langer paufe, die dadurch bedingt war, daß alle männlichen Vorstandsmitglieder unseres Vereins sich bis vor ganz kur er Zeit im Felde befanden, traten wir anläßlich des Lhanukahfestes wi.der mit einer größeren Veranstaltung vor die Geffentlichkeit. > 3m Anschluß an den von der hiesigen Synagogen-Gemeinde in den beiden Synagogen am Dienstag, den Dezember er., nachmittags H Uh: 'veracht. l eten Fest-Gottesdienst Mi. predigt der Herren Gemeinde- Rabbiner prof. Dr. Bloch und Dr. F r e i m a n n, nt dem die in Posen anwesenden jüdischen Soldaten durch Kommandanturbefehl benachrichtigt waren, luden wir diese zu einer Bewirtung mit Liebesgabenverteilung ein. Etwa 200 Soldaten waren unserer^ Einladung gefolgt; sie saßen an langen Lmfeln in dem schön dekorierten Saale des Hotel

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