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Liberales Judentum · 1917-01-01 · Heft 1-2 (Januar 1917) · p. Seite 19

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Journal
Liberales Judentum
Volume
9 (1917)
Issue
Heft 1-2 (Januar 1917)
Date
1917-01-01
Page
Seite 19 (sequence 19)
Language
German
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o o oo Rundschau 10 Bericht aus Nürnberg. Am ^8. Dezember fiifntc sich fScrt Generalsekretär Dr. Stern ans Berlin, nachdem er zuvor schon in Breslau und. Oppeln mit großem Erfolg seine Tätigkeit ausgenommen hatte, in der hiesigen Ortsgruppe „Verein für die liberalen Interessen des Judentums" durch einen Vortrag über das Thema: „Aussichten und Zukunft des Liberalismus im Judentum unter Berücksichtigung der durch den Krieg geschaffenen Lage" ein. Dem Vortrag ging eine Besprechung der Ausschußmitglieder voran, in welcher Herr Rechtsanwalt Stern seine künftige Tätigkeit als Generalsekretär darlegte und verschiedene Punkte aus den Aufgaben der liberalen Vereinigung zur Diskussion brachte. Der Vortrag war in Anbetracht des Nmstandes, daß an diesem Abend in Folge einer Explosion im Kraftwerk die elektrische Beleuchtung bis 7 Uhr versagte und der Straßenbahnbetrieb ganz eingestellt war, recht gut besucht. Den Vorsitz führte Herr Schuldirektor Gombrich, der in seiner Begrüßungsrede die Aufgabe frrcr liberalen Vereine im Allgemeinen und speziell in Bayern betonte und zum treuen Festhalten an der einmal entfachten Bewegung ermahnte, und ferner betonte, daß während des Krieges trotz mehrfacher Angriffe auf unsere Ziele der Burgfrieden von unserer Seite nicht gebrochen werden jolte. hierauf hielt der Herr Generalsciretär einen cinstündigen "Vortrag über das oben genannte Thema. In gedankenreicher und formvollendeter Rede legtet fjerr Rechtsanwalt Stern dar, daß der Krieg das religiöse Empfinden und Wollen, sowohl bei uns in der Heimat, wie bei den im Felde Stehenden gestärkt, zumteil neu geweckt habe. Auf einsamer Feldwache in sternenklarer Nacht sei manch Einer seinem Gotte näher gekommen, und gerade im Felde habe es sich gezeigt, daß die Ausübung unserer Religion nicht an starren Formen hafte, denn selbst Feldgottesdienste unter Außerachtsetzung aller altgewohnten For^ men hätten ihrer ergreifenden Wirkung auf die Teilnehmer nie verfehlt. Ein fruchtbarer Boden sei vorbereitet für die Aussaat, die nach dem Kriege von unserer Seite zu erfolgen habe. Es gelte in erster Linie, die aus dem Felde hcimkehrende Jugend für unsere liberale Sache zu gewinnen, damit' sie den schon jetzt mit allen zu Gebote stehenden 'Rlitteln arbeitenden Gegnern nicht zugeführt würden. Unsere ganze Bewegung habe ihre Daseinsberechtigung bereits bewiesen. Das zeige nicht nur das Interesse, das ihr allgemein entgegengebracht werde, sondern dafür zeuge auch die Tatsache, daß in allen liberalen Gemeinden, wo sie Fuß gefaßt habe, die führenden und prägnantesten Persönlichkeiten der betreffenden Gemeinde an der Spitze der liberalen Ortsgruppen stünden, wie dies z. B. gerade in Nürnberg der Fall sei. « . Der Redner wies mit besonderem Nachdruck auf die Betätigung der jüdischen Jugend an unserer Sache hin und mißt den sogenannten Iugendvereinen die größte Bedeutung bei: so leistet z. B. der Breslauer Iugendverein ganz vorzügliches für die liberale Bewegung. Jüdisches Wissen, besonders das Studium der jüdischen Geschichte sei das beste Zitittel, die Jugend in unserem Sinne heran zu ziehen. Selbstverständlich wurde auch eingehend der großen Leistungen gedacht, die die Juden im Weltkriege aufzuweisen haben, der blutigen Opfer, die sie, erfüllt von echter Vaterlandsliebe, im Gefühle ihres Deutschtums brachten und noch zu bringen haben, und daß trotz der bitteren Erfahrungen gerade der letzten Zeit jeder Jude auch fernerhin voll und ganz feine vaterländische Pflicht erfüllen werde. tlTit verheißungsvollem Ausblick auf. die Zukunft des liberalen Judentums schloß der Redner seine mit warmen Beifall aufgenommenen Ausführungen. Bus der Jugendbewegung. §er jüdisch - liberale Jugendverrin in Srrs.lau und feine Bestrebungen. Der Breslauer jüdisch-liberale Iugendverein hielt am 26. Dezember Oj6 eine Thanukkah-Feier ab. lind diese Feier war uns wieder ein Beweis dafür, daß da, Ivo Jugend und Alter zusammensteht, cs auch unter den jetzigen schwierigen Verhältnissen möglich ist, weite Kreise der jüdischen Bevölkerung für die liberale Sache zu interessieren. Rlehr als 2000 Personen füllten den Saal der Gesellschaft der Freunde. Auf die würdige religiöse

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