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Liberales Judentum · 1917-01-01 · Heft 1-2 (Januar 1917) · p. Seite 18

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Journal
Liberales Judentum
Volume
9 (1917)
Issue
Heft 1-2 (Januar 1917)
Date
1917-01-01
Page
Seite 18 (sequence 18)
Language
German
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18 Rundschau o o o o füllbare Lücke. Sein kluger Rat, seine Ueberzeuaungstreue und fäne dem wahren Liberalismus innner eigene Versöhnlichkeit und Duldsamkeit werden ßur uns eine Richtschnur für alle .Zukunft sein. In, Aufträge des Oerstandes der Vereinignng für das Dberale Judentum in Deutschland, dem es bei der Kürze der Zeit nicht möglich war, ernr eigene Vertretung hierher zu entsenden, vo>r allein aber namens des Nürnberger Vereins sage ich dem hochverdienten RIanne unfern lletzten Dank für all' die Liebe und Aufoxferumg, mit der er für uns gewirkt." §s folgten Dann noch Ansprachen des bfcrrn IustiZrat Mittelshöfer für den Landesverband israelitischer Genreinden. irr dessen Vorstandschaft Direktor Gernbrich wirkte; von Oerrn Turninspektor Ifärrblein für den Turnverein Nürmberg und den Lavr. Turrrerbund, wo der Verlebte hohe Vertrauensstellungen einnahnr, von Verrn bsauptnrrnn d. R. (Oberndorfer naniens des israelische,r Rkädchenstiftes, dessen Förderung dem Verlebten besonders ans Ger; gewachsen war; von Lserrn Privatier Braun naniens des Vorstadtvereins Gostenhof, von Verrn Dr. Sonimei* namens des Vereins der Badenser, der besonders die große Anhänglichkeit des Verstorbenen' an sein Geburtsland, Baden rLhmte; von Gfsiziersasxirant Ried' na,nens der vereinigten ehemaligen Schüler des Instituts und von einigen der jetzigen Schüler, die namens ihrer Kameraden mit Dankesworten herrliche Kranzspenden niederlegten. Gin schier unabsehbarer Zug bewegte sich nach der letzten Ruhestätte dieses Mannes, und echte Trauer erfüMe die köerzen, als man unter dichten Schneeflocken einen Sarg verschwinden sah, der Ginen der Besten unserer Gemeinde barg. Sein Andenken wird hier unvergessen sein! E. D. Aus den hinLrrlaffenen Aufzeichnungen des trefflichen Mannes lassen wir noch einige bezeichnende und allgemein interessierende Stellen harr folgen: Aus m>ri n e m Li e b e n. Als Sohn eires Vauptlehrers an der Sinmltanschule eims Dorfes im bad. Schwarzwalt faßte ich 'iv meiner: junge:: Jahren schon Neigung zum Beruf eines Grziehers und Lehrers. Ich lebte als überzeugter Jude und habe niich jederzeit als solchen bekannt. Niemals habe ich in meinem Berufe unter diesem-Bekenntnis zn leiden gehabt, niemals war meine Zugehörigkeit zun: Judentum für rnich ein Stein des Anstoßes weder in meinen: Berufs-' leben noch in meiner außerberuflichen Wirksamkeit. Vb:vohl ich ein Anhänger der religiös liberalen Richtung in: Judentum war, ja sogar mit an der Spitze der religiös liberalen Bewegung stand, war ich niemals ein Feind der gesetzestreuen' Richtung; ich habe von ihr nur die Anerkennung der Gristenzberechtigu::g des liberalen Judentums, soweit es auf positiv religiösen: Boden steht, verlangt. Von meiner frühen Jugend an fühlte ich n:ich als Deutscher und nichts war 5m Stande, mir dieses Bewußtsein aus der Seele zu reißen. IVährend meines ganzen Lebens habe ich allen nationalen und gen:einnützigen Bestrebungen in Gemeinde. Staat und Reich mein volles Interesse zugewandt und war jederzeit bereit, für dieselben einzntreten, sobald :nan meine Rlitwirkung in Anspruch nahm In Turnerkreise:: verstand und schätzte :nan meine deutsche Gesinnung und seit einem halben Jahrhundert genoß ich in verdeutschen Turnerschaft, insbesondere im barer. Turnerbund und in: Nürnberger Turnverein, das größte Vertrauen, das durch Uebcrtragung verschiedener' verantwortungsvoller Ghrenstellen zun: Ausdruck kam. Dieses Vertrauen erfüllte :nich Zeit meines Lebens mit Stolz und Genugtuung. Mein Leben und mein IVirken ist abgeschlossen; wie kein Mensch frei von Fehlern ist, so habe jauch ich oft gefehlt; faber in ruhigen St::nden habe ich immer Ginkehr gehalten und mir selbst Rechenschaft über meine Gesinnungen und Wandlungen abgelegt. Alle diejenigen, welche ich beleidigt und gekränkt, haben kann, bitte ich, mir zu vergeben. Ich habe den <r.od nie gefürchtet und und oftmals über das Rätsel des Lebens und des Todes nachgedacht. Nun bin ich eingegangen in das ewige Jenseits; mögen alle, die mich kannten, mir ein freundliches Gedenken bewähren.

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