Liberales Judentum
- Journal
- Liberales Judentum
- Volume
- 9 (1917)
- Issue
- Heft 1-2 (Januar 1917)
- Date
- 1917-01-01
- Page
- Seite 17 (sequence 17)
- Language
- German
- Belongs to
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o o o © Rundschau 17 i'f f \ *. r i i raelitischen Friedhof in Nürnberg stattfand und am eindringlichsten nun ^InsSnicf brachte, welchen hohen ^lnsehens, welch großer Be- Licbtbeit sich der verstorbene zu erfreuen gehabthatte. Trug inan selbstredend auch 'seinem Willen, ihn nicht zu loben und zu preisen, in jeder weise Rechnung, so ließ es sich trotz allein, nicht vermeiden, daß -seine Leistungen auf den mannigfachen Gebieten des öffentlichen Lebens von den hiezu berufenen Vertretern gewürdigt und beleuchtet wurden. Einige Sätze ans diesen Reden wollen wir zitieren; sie lassen am «besten das Bild des Alannes vor uns erstehen, dessen Tod irr manchen Vereinigungen eine schier unausfüllbare Lücke gerissen hat. Die Bede des Geistlichen, Herrn Rabbiners Dr. Freudenthal, entwarf in markanten Worten eine Schilderung des Lebens und der Erfolge, der Verdienste und Leistungen Direktor Gombrichs. Zwei Grundmotivc Zogen sich durch sein ganzes Dasein: Die Liebe zum Vaterland, die Treue zum angestammten Glauben. Aus ihnen resultiert alles, was der verstorbene erstrebt und erreicht hat; seine Liebe und sein Verständnis für die Heranwachsende Zugend, die mit schwärmerischer Anhänglichkeit andem verehrten Lehrer hing: seine Begeisterung für die deutsche Turnsache, sein unermüdliches Interesse -für alle Angelegenheiten des Judentums, dem er mit hohem. Idealismus, nach dem biblischen Zitat des Redners ,,mit würde und mit Kraft" diente. Sein vorbildliches Familienleben, das ihm eine (Quelle reinsten Glückes gewesen, seine Hochangesehene Stellung in Stadt und Land Erfuhren die eingehendste Würdigung, und üefe Ergriffenheit ging durch die Reihen der Trauerversammlung, als der Geistliche mit Worten des Dankes Abschied von dem Entschlafenen nahm. Im Aufträge der Knltusgemeinde Nürnberg widmete fjcrr Iustizrat Dr. Held deren, bewährten 2. Vorsitzenden einen tiefempfundenen Nachruf. Aus seinen Ausführungen sei ein Satz herausgegriffen, der dem Wesen Direktor Gombrichs in besonders treffender weise gerecht wurde und der da lautete^ „Ls parte sich bei ihm Schärfe des Verstandes mit Acilde des Herzens, Entschiedenheit des Willens mit Freundlichkeit der Formen, Strenge der sittlichen Anschauungen mit Gerechtigkeit des Urteils, Lebensklnghcit mit wissenschaftlichem Durchdringen, rege Teilnahme für alle Fragen des Tages mit unermü dlichem Fleiß und peinlicher Gründlichkeit!" Als nächster Redner brachte Herr Stadtpfarrer Lauerbach in zu Herzen gehenden Worten die Abschiedsgrüße des Lehrerkollegiums^ der Gombrichchchen Handelslehranstalt, deren hochverdienter Leiter der verstorbene Jahrzehnte lang gewesen war, dar, das vorbildliche Znsemmenwirken von Lehrern und Di-, rektor, der Geist echter Zusammengehörigkeit, der an dieser Anstalt herrscht, er leuchtete aus jedem Worte der warmen und eindrucksvollen Ansprache. Für die Vereinigung für die liberalen Interessen des Judentums sprach Herr Justiz-, rat Iosexhsthal; bei der großen Bedeutung, die Direktor Gombrich gerade für diese Bewegung hatte, lassen wir die Rede im Wortlaut folgen: Hochverehrte Trauerversannnlung! Unter den zahlreichen Körperschaften, die über Direktor Gombrichs Heimgang klagensteht die Vereinigung für die liberalen Interessen des Judentums in erster Linie in tiefster Trauer an dieser Bahre. Als ich vor wenigen Rlonaten deinalloerehrten Ulanne namens unserer Vereinigung die Glückwünsche zu seinem 70. Geburtstage aussxrechen durfte, da habe ich ihn als'den getreuen Ulentor unserer Bewegung bezeichnet, der in seltener Weise mit der Reife und würde des Alters den glücklichen Optimismus und die Begeisterungsfähigkeit der Jugend verband und wie kaum ein zweiter berufen war, eine führende Stellung in dieser Bewegung einzunehmen. Seien Sie überzeugt, so schrieb er!mir damals, daß ich bis zum letzten Atemzug, der von mir als gut erkannten Sache treubleiben werde. Er hat dieses versprechen getreulich gehalten. Seit Gründung der Vereinigung, an deren Schöpfung er mitgewirkt hatte, hat er deren Vorstand angehört; uns in Nürnberg ist er der geborene, der selbstverständliche, der vorbildliche Führer gewesen. Sein Hinscheiden bedeutet für die religiös-liberale Bewegung einen schwere,! Verlust; für uns in Nürnberg hinterläßt er eine schier ,unause