Liberales Judentum
- Journal
- Liberales Judentum
- Volume
- 9 (1917)
- Issue
- Heft 1-2 (Januar 1917)
- Date
- 1917-01-01
- Page
- Seite 16 (sequence 16)
- Language
- German
- Belongs to
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16 Rundschau Verein eine prtodk liberale Relig'onsschule eingerichtet, im? smd in beiden Dichtungen erst später die <Grostge,neinden in Berlin und Breslau gefelgt. Durch unfern Verein ist vor ca. 20 Jahren auch der >,Zentralverein deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens" in Frankfurt eingcMhrt worden; unter dein Präsidium unseres damaligen Vorsitzenden tagte h'er die erste Propagandaversammlung des Zentralvereins. Mitglieder unseres Vereins waren es, die in sehr erheblichem R laste an den Vorarbeitav zur Gründung des Verbandes der deutschen Juden sich beteiligten und endlich ist es unser Verein gewesen, der die gesandten Vorarbeiten für die Gründung der jetzt bestehendem.,Vereinigung für das liberale Judentum in Deutschland" geleistet bat. Die ganzen Vorverhandlungen mit auswärtigen liberalen Veminen, die damals die Gründung im Gefolge batten, wurden von unserem vereinsvovMnde geführt, und die, die definitive Gründung vorbereitende Versammlung. wurde hier m Frankfurt von unserem Vereinsvorsitzendeu geleitet. Auch hier dürfen wir also mit Stolz und Genugtuung einen Teil des Verdieners nach der Richtung für uns in Anspruch nehmen, dast die liberale Vereinigung fttzt mit Tifolg und segensreich in Deutschland arbeitet. . Wir geben dar l-offnung Ausdruck, dast es uns vergönnt fnh möge,' in gleicher Weife wie in den v.rgangmm fünfundzwanzig Iahren, auch in Zukirrft tä ig sein zu können und. wir sind sicher, daß. bei andauernder Unterstützung durch unsstre Autglied'er, wir auch fernerbin in der Lage sein werden, stets eine für das Juden turn, und insbesondere für die liberale Sache, segense eiche Tätigkeit zu entfalten. Der Vorstand. Direktor Moritz Gombrich. Tinen schworen Verlust bat die jüdische Gemeinde und die Stadt Nürnberg durch den TöL> des Institutdirektors Moritz Gombrich erfahren, welcher am 5. Jan. infolge eines GerKhlages im 7H Lebensjahre verschied. In dÜkn Kreisen, in jüdischen sowohl wie in christlichen, war der vortreffliche ZtTorm beliebt und verehrt. Ueberall schätzte man sein Wissen, seine Gewandtheit, jorae rastlose Tätigkeit im Dienste des öfferEchen, sozialen und jüdischen Gebens. Zn diesen Eigenschaften gesellte sich eine sympathische, vornehme Persönlichkeit und liebenswürdige Umgangsformen, so dast das Gaus des Genannten unter Mitwirkung einer gleichgesinnten Gattin jederzeit die Stätte herzlicher Gastfreundschaft eines .... großen Freundeskreises war. Gombrich war das älteste Mitglied der israelitischen Kultusverwaltung -und führende Persönlichkeit in der jüdisch - liberalen Bewegung. Als vor 7 Jahren die Vereinigung für das liberale Judentum in Deutschland ins Leben gerufen wurde, hat der Verklärte mit wahrer Begeisterung diese Idee erfaßt. Tr hat die konstituierende Versammlung besucht ' und an den ersten Veröffentlichungen mit feilen helfen. Seine große Liebe zum Judentum, gepaart mit gründlichem wissen, machten ihn als Mitarbeiter besonders geeignet und wertvoll. Als Vorstandsmitglied der Vereinigung hat er mit allen führenden Männern, insbesondere mit Instizrat Breslauer, lebhafte Freundschaftsbeziehüngen gepflogen und auf dem Wege reger und eingehender Korrespondenz vertieft. Für die liberale Bewegung war ihm keine Anstrengung zu groß' und keine Reise zu weit. Als in Nürnberg eine Ortsgruppe der liberalen Vereinigung gegründet wurde, war es hauptsächlich der Werbekraft und dem Tinflusse Gombrichs zu verdanken, dast der Nürnberger verein in kurzer: Zeit die höchste Mitgliederzahl nächst Berlin erhielt. Als wir vor kaum Jahresfrist anläßlich des 70. Geburtstages Mobitz Gombrichs feiner mannigfachen Verdienste um die Sache des Judentums und speziell der liberalen Bewegung an dieser Stclle gedachten, da schlossen wir mit dem Wunsche, dast uns die ungebrochene Arbeitskraft, die zielbewußte Führung dieses Mannes noch lange erhalten bleiben ,nöchten. Ts sollte anders kommen! Mi.ten in vollster Tätigkeit, in nimmer ruhendem Schaffen rief der Tod ihn hinweg, fanfi und schmerzlos, so wie er es immer gewünscht und gehofft hatte. Seinem ausdrüÄichen Wun-, fche, daß an feiner Bahre keinerlei Lobreden gehalten werden sollten, wollen auch wir uns pietätvoll fügen, wir taffen nur einen kurzen Bericht über feine Beerdigung folgen, die unter ungeheurer Teilnahme aus allen Kreisen der Nürnberger Bevölkerung am Montag, den 8. Januar, auf dem neuen is-