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Liberales Judentum · 1917-01-01 · Heft 1-2 (Januar 1917) · p. Seite 15

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Journal
Liberales Judentum
Volume
9 (1917)
Issue
Heft 1-2 (Januar 1917)
Date
1917-01-01
Page
Seite 15 (sequence 15)
Language
German
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e c o c Llnndschau 15 Einführung eines hebräischen Unterrichts in den Franlfurter Schulen stat finden kann und soll. Die Schwierigkeit liegt darin, daß von orthodorer Seite verlangt wird, es müsse bei Erteilen dieses Unterrichts von den Schülern und dem Lehrer die Kopfbedeckung getragen werden. Nach einer innerhalb des Vorstandes und des Ausschusses in der Sitzung vom 26. Januar stattgehabten ausführlichen Erörterung wurde, ohne Fassung eines formellen Beschlusses, der Ansicht Ausdruck gegeben, daß die große Mehrheit des Vorstandes und Ausschusses es für durchaus begrüßenswert halte, wenn den jüdischen Schülern Gelegenheit zur Erlernung der hebräischen Sprache gegeben werde, daß aber das Tragen der Kopfbedeckung während des hebräischen Unterrichts den Kindern des liberalen Teiles der Gemeinde nicht zugemutet werden und der ganzen Neligionsunterricht gefährden könne, daß auch einzelne, von verschiedenen Seiten gemachte Vermittlungsvorschläge nicht geeignet. seien, die Schwierigkeiten zu beseitigen und daß Vorstand und Ausschuß auch nicht im Stande seien, einen Weg zu finden, der über diese Schwierigkeiten hinweg führe. Auftragsgemäß ist von dieser Entschließung durch den stelwert.etenden Vorsitzenden des Vereins *}erm Dr. Nobel mündlich Mitteilung gemacht worden. Weiteres ist in dieser Angelegenheit bisher nicht geschehen. d) Gerr Rabbiner Dr. Seligmann hatte sich in entgegenkommendster Weise dem verein für einen Vortragszyklus über die „Bibel" zur Verfügung gestellt. Der Vorstand hat dieses Anerbieten mit großer Freude angenommen, die Vorträge haben in der Aula der Philanthropin stattgefun-- den. Sie haben sich eines außerordentlich großen Zuspruchs erfreut und großen Beifall gefunden. Die Vorträge werden im Druck erscheinen, und der Vorstand hat beschlossen, eine größere Anzahl derselben zwecks Vertriebs bei den Mitgliedern des Vereins fest zu bestellen. Dem Herrn Vortragenden, der sich in selbstloser und hingcbender Weise uns zur Verfügung gestcl t hatte und durch seine Vorträge der liberalen Sache außerrd.n.- liche Dienste geleistet hat, — was sich auch Ärßerlich durch eine Reihe nach den Vorträgen eingehender Mitgliedsanmeldungen kund tat — fei auch an dieser Stelle.Nochmals der herzlichste Dank ausgesprochen.! e) Gemeindewahlen werden für das nächste Jahr nicht stattfinden. Der Vorstand unseres Vereins hat bei der Gemeindeverwaltung angeregt, daß Inan mit Rücksicht auf den Krieg von Vornahme von Ergänzungswahlen in diesem Zähre Abstand nehmeNUnd die Amtsdauer der jetzigen Mitglieder entsprechend verlängern möge. Nach einigen Verhandlungen erklärte auch der Zentralverein seine Zustimmung. Der Gemeindevorstand beschloß demgemäß, und der Herr Polizeipräsident hat gleichfalls die Genehmigung erteilt. Aus dem vorstehenden Bericht dürfte sich ergeben, daß, wenn auch Vereinsversammlungen nicht stattgefunden haben, Vorstand und Ausschuß des Vereins in dem vergangenen Jahre keineswegs müßig geblieben sind, sondern in reichlicher Arbeit tätig waren junfc nach besten Kräften die Interessen des Vereins zu fördern gesucht haben. Ehe dieser Bericht geschlossen wird, erscheint es angemessen, darauf hinzuweisen, daß der Verein im November ^6 auf eine fünfundzwanzigjährige Tätigkeit zurück blicken konnte. Der immer noch währende Krieg verbot es, durch eine besondere Feier diesen Gedenktag entsprechend zu begehen. Es soll aber wenigstens an dieser Stelle dieser Tatsache gedacht werden, wir hoffen, daß, wenn per Krieg in hoffentlich nicht allzu großer Ferne, beendigt sein wird, wir in der Lage sein werden, in würdiger Weise uns noch nachträglich dieses fünfundzwanzigjährigen Jubiläums zu erinnern. Idente fei nur darauf hingewiesen, daß wir mit^Stolz und Befriedigung für unseren Verein auf das vergangene viertes, jahrhundert zurückblicken können. Nicht nur daß wir, wie ohne Ucberhebung gesagt werden kann, durch unsere Tätigkeit das Interesse der Gemeindemitglieder an dem Gemeindelsben stetig und nicht unerheblich erhöht und durch die innere vereinstäckgkeit unseren Mitgliedern und Freunden reichliche Anregung nach verschiedensten Richtungen geboten haben, dürfen wir aüch mit Befriedigung feststellen, daß der Freisinnige Verein ein wichtiger und anerkannter Faktor im hiesigen Gemeindeleben geworden ist und daß wir sowohl für die allgemein jüdisch-liberale Sache in Deutschland als auch überhaupt für die deutschen Juden nicht Unerhebliches geleistet haben.'Wir sind der älteste liberal - jüdische Verein in! Deutschland überhaupt, wir haben als erster

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