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Liberales Judentum · 1917-01-01 · Heft 1-2 (Januar 1917) · p. Seite 11

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Liberales Judentum
Volume
9 (1917)
Issue
Heft 1-2 (Januar 1917)
Date
1917-01-01
Page
Seite 11 (sequence 11)
Language
German
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Br. SoLzbergrr: Zins mriurm Krirgstagrbnch IX. 11 wirken bolz zäumt.den platj nach dem Tal zu ein. Stufen führen zu einem höheren platz mit einem schmaleren Geländer, das aus kleinen glatten Birkenzweigen die Anschrift trägt: „adonaj nissi“, der Lwige ist mein panier. Aus Liche ist der breite foit Zelttuch verkleidete Tisch, von einer ragenden Kanzel überbaut. Aber noch über die Kanzel hinaus wird der Blick durch eine Lade, die ,,heilige Lade" gehoben, die ün dein mächtigen wie eine Tempelsäule wirkenden Stamme lehnt. Dahinter steigt steil ein Wald zuin Gipfel an, über's weite Tal hinübergrüßend zu dem dunklen Höhenrücken der Argonnen. Und über allem wölbt sich Gottes Himmmel wie eine gewaltige Kuppel über einem Riesentempel. Der Liche knorrige Aeste verdecken diesen Himmel nicht, sie scheinen vielmehr ausgebreitete Arme, des Tages das sonnbeglänIe reine Blau und die lichte Sternenxracht der Nacht von droben zu empfangen, um sie auf das geweihte' Fleckchen Lrde gesammelt wieder zu senken. Die Einweihung der ersten waldsvnagoge im Bereiche unserer Armee, vielleicht im Felde überhaupt, sollte feierlich begangen werden. Schon lange vor der festgesetzten Zeit fanden sich nach einander etwa 80 Teilnehmer, darunter Offiziere und Aerzte, auf dem piatzL ein, dessen Lage durch einen Wegweiser von der Landstraße aus angezeigt ist. Auf meine Einladung erschien der Kommandeur der betr. Division, ein alter Ehinakämxfer und prächtiger Haudegen., gefolgt von seinem Adjutanten. Die Regimentskapclle war aus dem besonderen Anlaß befohlen worden. Das schöne niederländische'Dankgebet, von den Klängen der Musik weithin getragen, eröffnete die Feier. Lin kurzer Mincha-Gottesdienst folgte, dann wurde die Scfer Thora unter dein Gesang der Gemeinde in die Lade gehoben. Prediger H., der sich um das Zustandekommen des Werkes verdient gemacht hatte, sprach ein paar Worte der weihe. Ich selbst hielt die „Festpredigt". Der Wald um uns stand im tiefen Schweigen eines Herbsttages. Statt der ewigen Lampe leuchtete uns jenes Weltenlicht, das der Ewige selbst am Firmament entzündet. jenseits der Berge -donnerten die Kanonen. Blutiger Kampf inmitten des heiligen Friedens der Natur — wie oft empfinden wir im Felde diesen brennenden Widerspruch! - Aber ist es denn in Wahrheit ein Widerspruch? Auch in der scheinbar ewig friedlichen Natur kämpfen allüberall gewaltig die Kräfte um den Sieg, auch in dem lobenden Völkerringen offenbaren sich ewig ruhende göttliche Gesetze. Und wir Menschen, die wir in Natur und Geschichte gleichermaßen hineingestellt sind, was anderes könnte unsere sittliche Aufgabe scin, als den Zwiespalt in der eigenen Brust mit dem ehernen Gesetz der Pflicht zu überwinden, wie die Religion sie gegen uns selbst, gegen unsere Gemeinschaft und gegen unser Vaterland zu üben gebietet? Nur die unbeirrbare treue Pflichterfüllung kann uns den inneren Frieden geben, der über allem heißersehnten äußeren Frieden steht. Das etwa waren die Gedanken, die mich auf der stillen Höhe dieses Hügels überkamen und denen ich Ausdruck zu verleihen suchte. Mit dem vaterländischen Liede „Deutschland, Deutschland über alles" schloß diese allen Beteiligten unvergeßliche Stunde. Se. Exzellenz drückte in einer kurzen kernigen Ansprache an die versammelten seine Freude darüber aus, unserer Andacht beigewohnt zu haben. Hierher sollen sie kommen, so oft ihr Herz beladen und bekümmert sei, um im Gebet zu ihrem Gotte neue Kraft und Zuversicht für die schweren Kämpfe zu finden, die uns allen noch bevorständen. Line wahre Festtagsstimmung lag über der Gemeinde, noch lange nachdem der beliebte General sich verabschiedet hatte. Das Interesse maßgebender Militärs, das durch solche Besuche bezeigt wird, hat daneben noch <d!ie nicht zu unterschätzende Wirkung, daß es uns Juden und unser Judentum in un-

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