Liberales Judentum
- Journal
- Liberales Judentum
- Volume
- 9 (1917)
- Issue
- Heft 1-2 (Januar 1917)
- Date
- 1917-01-01
- Page
- Seite 7 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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o o oo Br. Schweitzer: Hermann Cotzen und die Stellung der Indes im deutschen Volke 7 Gerechtigkeit in philosophischer tiefschürfender Weise zu begründen. €s sei mir im Anschluß an Cohens neunte Arbeit gestattet, nochmals auf Cohens Hauptschrift über Deutschtum und Judentum (Töpelmann l9^ö) zurückzukommen. (Lohen beschwert sich. in seiner Schrift gelegentlich darüber, daß seine frühere Schrift über „Das Eigentliche des deutschen Geistes" in Deutschland nur eine Besprechung gefunden hat, nämlich in einer Dresdener Zeitung. Auch über die neue Cohen'sche Schrift, die im Juli \9\5 erschien, habe ich nur wenige eingehende Besprechungen in allgemeinen deutschen (nicht jüdischen) Zeitungen gefunden. Der Grund hierfür mag wohl darin liegen, daß Cohens Arbeit trotz oder gerade wegen ihrer Kürze durchaus keine leichte Rost ist. (Lohen drangt in einem Satze oft mehr Gedanken zusammen, als ein anderer in einem ganzen Artikel. Im übrigen wird freilich der tieferdringende Leser gerade die Schärfe und Präzision der (Lohen'schon Begriffsbestimnumgen rühmen müssen. Wenn ich an dieser Stelle versuche, die Hauptgedanken der Cohen'schen Arbeit darzustellen, so wird dies wohl noch durch einen besondere,: Gesichtspunkt gerechtfertigt. (Löbens neueste Schriften sind Ausstrahlungen dieses seines grundlegenden Werkes. Das gilt insbesondere auch von seinem Artikel „Aeber Religion und Zionismus". Alan tat daher von gegnerischer Seite dem Gelehrten Unrecht, soweit man sich bei der Kritik von. Cohens Stellungnahme gegen den Zionismus nur an diese letzte kleinere Arbeit hielt. Noch weit bedenklicher aber wäre es, wenn Cohens Anhänger sich mit der Lektüre dieses mehr populären Artikels begnügen wollten und darüber das wichtige, aber mühevollere Studium des Hauptwerkes verabsäumten. Der Zweck meiner Darlegungen ist also nur, neue Leser auf die Cohen'sche Arbckt hinzuweisen und ihnen ß das Studium zu erleichtern, keinesfalls aber j soll meine kurze Inhaltsangabe dieses Stu- | dium ersetzen. Ausdrücklich bemerke ich, daß \ eine kritische Stellumgnahiye zu den Cohenj scheu Auffassungen außerhalb des Rahmens j dieses Artikels liegt Es mag daher hier zu- \ nächst versucht werden, die Grundgedanken der Arbeit darzustMen. - Cohen glaubt daß Deutschtum und Judentum im tiefstem Grunde verwandt seien. | Die deutsche Philosophie ist Idealismus. Den ß Sinn des deutschen Idealismus aber erblickt 1 Cohen in wissenschchstlicher Nüchternheit und | Ehrlichkeit. „Nicht Die Eingebung, nicht die Erleuchtung, nicht &5e geniale Aeberschau des f glücklichen Akomentrs, und was alles die In- E tuition bedeuten foN, enthüllen die Wahrheit 1 und^ das Sein, foa&errt Versuch, Entwurf, 1 Vorannahme, Voraussetzung sind aller Wissen- I schaft Anfang. . . Die Probe machen, das 8 ist alles Beweisen." Darum war die Reformer- | tion im tiefsten Simre ein deutsches Werk, ß mit ihr tritt der deutsche Geist in den A littetpunkt der Weltgeschichte. Deutsch ist es, daß^ der Ailensch die Rechtfertigung-selbst von seinem Gewissen erfsvdert, erst dem mensch lichen Gewissen wwd die Erlösung zuteil. So | wird die Religion zum Versuche, die Idee E der Sittlichkeit der Alenschheit zur Verwirkß lichung zu bringen, Z Der Idealismus des Judentums besteht^ nun darin, daß GE der irdischen Wabrne'u ß mung entrückt ist. Gott ist einzig, das heißt, j sein Sein ist das einzige Sein, Aber das Denken Gottes ist nicht das Denken der Wissenschaft, sondern erfaßbar ist Gott nurZ durch die Liebe. Alit Alaimonides 1 beginnt der Protestantismus im Judentum. j Insbesondere zeigt sich die Verwandt schast des Judentums mit dem Protestantis! mus in den, zwckten Grundgedanken des? Judentums, in dem Grundbegriff von der! Reinheit der Seele. Auch im Judentum wird!