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Liberales Judentum · 1917-01-01 · Heft 1-2 (Januar 1917) · p. Seite 4

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Journal
Liberales Judentum
Volume
9 (1917)
Issue
Heft 1-2 (Januar 1917)
Date
1917-01-01
Page
Seite 4 (sequence 4)
Language
German
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4 Professor §r. Kamtrr: Arutschrs JuLrntum .ist „alles asiatische und orientalische Gebraüchstum." Wenn wir aber unsere Rinder, wie Tohn es verlangte, zu wahrhaft deutschen Juden erziehen wollen, so darf etwas nicht vergessen werden, was er nicht erwähnt: wir müssen sie schützen gegen zionistische Beeinflussungen. Die Irrtümer und Trugschlüsse des Zionismus sind ja für ^jeden leicht 511 durchschauen und zu widerlegen, der sich die Fragen ernstlich klar macht und historisch denken gelernt hat. Aber die fugend kann das aus sich noch nicht, auf sie wirken vielfach die hochtönenden Worte und Lieder der Zionisten, die romantischen Neigungen entgegenkommen und deren Hohlheit sie nicht zu prüfen imstande ist. Darum müssen diejenigen, denen die religiöse- Erziehung der Heranwachsenden obliegt, Rabbiner und Religionslehrer in predigt. und Unterricht ihnen die Torheiten der zionistischen Theorien klar machen und sie für ein deutsches Judentum zu begeistern suchen, damit sie immun werden gegen das berauschende Gift, das man.in einer oft k^uxellosen Agitation ihnen einzuflößen versucht. Voraussetzung dazu aber ist natürlich, daß Rabbiner und Lehrer selbst- Gegner des Zionismus sind, — soweit dieser mehr sein will als eine Organisation zur Unterstützung bedrückter Juden des Auslands, soweit er. für den Gedanken eines nationalen Judentums Propaganda macht. Es ist selbstverständlich, daß Rabbiner und Religionslehrer einer jüdischen Gemeinde nur der sein kann, der fest auf den» Boden der jüdischen Religion steht. Ebenso selbstverständlich muß es sein, daß in einer deutsch-jüdischen Gemeinde keiner ein Amt bekleiden darf, der nicht fest auf dem Boden des Deutschtums steht, der nicht jeden Gedanken an eine jüdische Nationalität verwirft, der nicht aus vollster Ueberzcugung weiß und lehrt, daß die deutschen Juden in Deutschland und nur in Deutschland die starken wurzeln ihrer Kraft haben. — Es sind fast 30 Jahre her, da wurde in meiner Heimatstadt Danzig der stolze Bau der neuen Synagoge eingeweiht, die Ende und Böckmann im Stile der alten Danziger Bauten errichtet hatten. Bei dieser Linweihungsfeier hielt der eine der beiden Bauleiter, Baurat Böckmann, eine Rede, die mir tiefen Eindruck machte und unauslöschlich im Gedächtnis geblieben ist. Er sagte darin ungefähr, auch er habe, wie andere Architekten, früher mehrfach Synagogen in maurischem Stil gebaut. Aber er habe eingesehen, daß das ein Unrecht gewesen fei, und er werde es nie wieder tun. Denn der maurische Stil lasse die Synagoge in Mitten der anderen Bauten der Stadt als etwas Fremdartiges erscheinen, was sie doch nicht fein dürfet) Was hier von der architektonischen Form gesagt war, kann als ein Symbol gelten, wie die fremdartige Bauform aufgegeben wird, damit der jüdische Tempel auch äußerlich als das erscheine, was er sein soll, ein deutsches Gotteshaus, so 'müssen auch die anderen fremden Formen verschwinden, damit das Judentum ganz das werde, was ihm allein bei uns Berechtigung und Bestand geben kann, ein auf die ethischen Lehren der Propheten gegründetes deutsches Judentum. 4) Daß Bockmamls Beobachtung darüber zutrifft, zeigt ein Wort Lagardes (Deutsche Schriften S. 252): „Die Fremdheit betonen die Juden durch den Stil ihrer Synagogen alle Tage selbst auf die auffälligste Weise. Was soll es bedeuten, Ansprüche auf den Ehrennamen eines. Deutschen zu erheben und die heiligsten Stätten, die man hat, in maurischem Stile zu bauen, um nur ja nicht vergessen zu lassen, daß man Semit, Asiat, Fremdling ist?"

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