Liberales Judentum
- Journal
- Liberales Judentum
- Volume
- 9 (1917)
- Issue
- Heft 1-2 (Januar 1917)
- Date
- 1917-01-01
- Page
- Seite 3 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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3 Professor §r. Kamtrr: Arutsches Iudrutam müht fein, ihnen zu h lfm, aber ein nationales Band darf uns Niäst mit ihnen vereinen. Auch noch manche andere Dinge müssen verschwinden, die nicht mit unserem deutschen Volkstum in Linklang stehen. In einem früheren Aufsatz aus dem Felde hat Willy Lohn die Hoffnung ausgesprochen, daß der Krieg eine Wandelung herbcigesührt habe, weil manches durch den Krieg von selbst beseitigt sei, so die Frage der Nahrung. Er meint, diese Frage sei für einen Mischen Soldaten kein Problem mehr, und die Zurückkehrenden würden es nicht ve stehen, wenn alles das, was im Felde praktisch gelöst sei, wieder zum Problem werden sollte. Alan darf sich dieser enthusiastischen Zuversicht freuen, aber ich fürchte, es wird.doch noch viel ernster Arbeit bedürfen, ehe die Absonderung, die die Sxeisegesrtze mit sich bringen, ganz überwunden sein wird, wer der festen Ueberzeugung lebt, daß die Speisegesetze göttliche Gebote sind, den soll man nicht zu bekehren versuchen, er verbindet religiöse Gedanken mit ihnen, und so wenig wir dirse teilen können, einer ehrlichen Ueberzeugung, gleichviel welchen Inhalts, werden wir unsere Achtung nie versagen. Die Zahl dieser von der Göttlichkeit der Speisevorschristen wirklich Ueberzeugten ist klein, und daher schadet es auch wenig, wenn sie sich von ihren christlichen Mitbürgern absondern. Aber neben ihnen gibt es viel Zahlreichere, die sich absondern, obwohl sie keineswegs göttliche Gebote in den Speis grsetzen sehen. Alan kann es auf Reisen sogar öfters beobachten, daß Juden, die sonst gar keinen Wert auf rituelle Kost legen, doch ri.ueile Pensionen aufsuchen, — weil sie dort gutes Lssen finden oder aus ähnlichen ganz unreligiösen Gründen. So wird die Zahl derer, die sich ohne religiöse Ueberzeugung ab sondern, sta.k vergrößert. Das aber ist ein schweres Anrecht. Ebenso wie der Gläubige die Speisegesetze halten muß, ebenso, darf es der nicht tun, der nicht an ihren göttlichen Ursprung glaubt. Besondws wichtig in dieser Frage ist das Verhalten dmliboralen Rabbiner, auch für sie muß dersMe Grundsatz gelten, den ich eben für die Laien aufstellte. Daß die Durchführung für He viel schwieriger ist, gebe ich gerne zu, nicht aber, daß sie unmöglich ist, wenigstens.bei weitem nicht für alle. Darüber Hobe ich an Mspr Stelle schon vor 5 Jahren gesprochen, ich gehe also nicht noch einmal darauf ein. Sn Zufall hat es gefügt, daß damals un i itülbar hinter meinem Aufsatz eine Abhandlung über die Speisegesetze folgte, die auf Grund von Wieners Buch ihre Wertlosigkeit für die heutige Zeit darlegte. Auf sie sei Hw noch einmal hingewiesen. wie aber werden Xertn die Speisegesetze von liberalen TheologeuHeute begründet? s)ch habe öfters danach grWagt, aber nie eine einleuchtende Antwort ^Bekommen. Sir dienen zum ZusammrnhaLm der Juden, sagte der eine. Aber gerade Las Gegenteil ist der Fall, denn da die MekMhl nicht daran festhält, wirken sie trennend auch innerhalb der Juden. Sie gcwöhnm an Enthaltsamkeit, war eine andere Antwort. Auch das trifft nicht zu, denn wer da weiß, wie üppig sehr häufig in den Mischen Pensionen der Kurorte die Mahlzeiten sind, drr wird ein Lächeln nicht unterdrücken könmn> wenn er an diese Art von „Enthaltsamkeit denkt, Am schmerzlichsten war mir die drite Antwort auf die erwähnte Frage: Die ^eisegcsetze sollen die Huden von den Lheisvw unterscheiden. Es bedarf wohl keiner AerHrung über diese Begründung seitens eines liberalen. Juden. Die Abschaffung der fremden Sprache im Gottesdienst und die Alßchasfung der Speisegesetze sind nur Beispiele fstr die Forderungen, die an ein deutsches HrtLmtum zu stellen sind, wie diese beide, muß noch manches andere fallen, was unseren Väkssitten widerspricht. Wie Emil Lehmann e? msdrückte, abzrrlehnen