Liberales Judentum
- Journal
- Liberales Judentum
- Volume
- 9 (1917)
- Issue
- Heft 1-2 (Januar 1917)
- Date
- 1917-01-01
- Page
- Seite 2 (sequence 2)
- Language
- German
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Professor Ar. Samter: Aeulschrs Judentum »» . >»» 2 Religionsunterrichts ist nur dann möglich, wenn sich auch der Gottesdienst dem anpaßt, das ist offenbar auch Lohns Forderung, wie es die von <£mil Lehmann war. ,^leberall weht Gottes Hauch, heilig ist wohl mancher B.auch, Aber soll ich beten, da-.ken, Geb' ich meine Li.bs kund, Meine seligsten Gedanken Sprecht ich wie der Mutter Mund." Das gilt auch für das jüdische Gebet. So ist denn die Konsequenz ron Lohns Forderung für die Jugenderziehung, daß der Gottesdienst deutsch gehalten werde. Daß auch in der Uebersetzung alte Gebete sich würdig gestalten lassen und erhebend wirken können, zeigen z. B. Seligmanns Uebersetzungen, von denen proben erfreulicher Meise durch Fiebigs Büchlein „Das Judentum von Jesus bis zur Gegenwart" (Rcligionswissenschastliche Volksbücher II. Reihe, Hest2f/22) jetzt auch in christliche Kreise dringen werden. Dagegen, daß einzelne Gebete in der Urform beibehalten werden, ist nichts einzuwenden, wenn sie eben nur als pietätvolle Erinnerungen an die Vergangenheit, als histo- ' rischer Bestandteil des Gottesdienstes betrachtet werden?) Daß dagegen selbst vom Standpunkte des traditionellen stZudentums nichts einzuwenden ist, daß schon vor 2000 fahren die Rabbiner dies anempfohlen haben, ist gerade in dems lben Hefte der Zeitschrift, in dem Lohns Aufsatz steht, von Friedland wieder hervorgchoben werden. Läßt sich aber die Forderung heute durchführen, ohne die Gefühle der anders Denkenden -u kränken? Zum mindesten ist es da s; Daß der katholische Gottesdienst in lateinischer Sprache abgehalten wird, darf man nicht, wie es bisweiten geschieht, zur Verteidigung des Hebräischen im jüdischen Gottesdienst ansühren. Bei den Inden liegt die Lache deshalb ganz anders, weil ihr Gottesdienst ausschließlich Gemeindegottesdienst, nicht wie der katholische, Priestersunktivn ist. ohne jede Schwierigkeit möglich, wo mehrere Synagogen vorhanden sind. Mögen dort die Mrthodoren oper die ihnen nahestehen, ohne sich so zu nennen, ihren Gottesdienst nach Belieben gestalten, mag ihr Gottesdienst fremdartig bleiben, — in den anderen Synagoge^ bekomme das Deutsche sein gebührendes Recht. Gleichzeittg höre man dann auf, im Religionsunterricht der öffentlichen Schulen Hebräisch zu treiben, — an Religionsschulen mag es als Konzession beibehalten werden?) Ist erst einmal in einer größeren Zahl von Grten der deutsche Gottesdienst durchgeführt, dann wird er sich allmählich sicherlich schon von selbst überall du chsctzm. Möglich aber wäre seine Durchführung auch an den Drten mit einer Synagoge, xnr denen die Liberalen in der Mehrheit sind, vielleicht auch jetzt schon in folgender weife: die Art des Gottesdienstes könnte an den verschiedenen Feiertagen wechseln, dabei müssen beide Teile, Konservative wie Liberale, Konzessionen .machen. Bisher wurden ja Konzessionen fast nur von Seiten der Liberalen gemacht, man muß aber daran festhalten, daß sie nur da berechtigt sind, wo auch £ie ander-* Partei zu gleichem bereit ist. Für die hebräische Sprache im Gottesdienst hat man öfters angeführt, daß sie ein Einigungsmittek der Juden verschiedener Nationali.ä.en sei. Aber gerade dieser Grund spricht gegen sie. wir voollen k.in nationales Band als Juden, da wir national nur Deutsche sein wollen. Wohl können und wollen wir als Menschen Mitleid empfinden mit Glaubensbrüdern, die ihres Glaubens wegen bedrückt werden, wir können und sollen be- 3) Vielleicht fällt dann für diese das Bedürfnis überhaupt fort. Denn das Wünschenswerte ist, daß die jüdischen Kinder, abgesehen von der Konsirmandenvorbereitung, ihren Religionsunterricht, gleich den christlichen, nur in der Lchule empfangen, für die der jüdische Religionsunterricht ebenso, obligatorisch fein müßte wie der christliche.