Liberales Judentum
- Journal
- Liberales Judentum
- Volume
- 9 (1917)
- Issue
- Heft 1-2 (Januar 1917)
- Date
- 1917-01-01
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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liberales Judentum ülonatsfchrift für die religiösen Interessen des Judentums herausgegeben von der Vereinigung für das liberale Judentum in Deuffdiland unter der Redaktion von Dr. Caefar Seligmann, Rabbiner in firankfurt a. IN. lfo. 1 und 2. Jahrgang 9. Januar b. Februar 1417. Deuffdies Judentum. von Prof. Dr. €rnft Samter-Berlin. n seinem „offenen Briefe an Herrn prcf. Friedrich pauken" wendete sich Lmil Lehmann mit treffenden Worten gegen die Aeußerung paulsens, bei den Juden sei das Judentum die „Substanz" und nicht wie bei den katholischen und protestantischen Deutschen die deutsche Nationalität. Lehmann betont mit Recht, daß die überwiegende Ulehrzaht der gebildeten Juden in Deutschland zuerst deutsch, dann erst jüdisch sei. Das gilt auch heute und heute mehr als je, denn im Kriege ist es doch wohl gar manchem, der sonst vielleicht über diese Frage nicht nachgedacht, zum Bewußtsein gekommen, daß das Deutschtum, um mit paulsen zu sprechen, seine „Substanz" sei, hinter der alles andere zurücktritt. Von diesem Bewußtsein erfüllt sind auch die trefflichen Ausführungen von Willy Lohn im „Liberalen Judentum", wie im ersten Jahrgang der Zeitschrift Otto Rlünstcrberg in einem sehr verständigen Aufsatze darauf hinwies, bei einer ernsthaften Reform müf.'e die erste Voraussetzung sein, daß der Jude in erster Linie Deutscher sei, daß das Vaterlandsgefühl auch bei der religiösen Erziehung voran gestellt bleibe, — so mahnt jetzt Lohn aus dem Felde her, dafür zu sorgen, daß wir unsere Söhne zu deutschen Jungen erziehen, die nicht das Gefühl haben sollen, einem anderen Lebenskreise «MFUgehören als ihre christlichen Gefährten. Gewiß hängt die Erfüllung dieses letzteren Wunsches nicht üra uns' allein ab, der Kampf um die volle Gleichberechtigung wird auch nach dem Kriege woch nötig fein. Aber wenn wir ihn mit Echslg führen wollen, so müssen wir auch das umfere tun, um unsererseits alles Fremdartige Wrückzudrängen. Dazu gehört für die meiflen deutschen Juden auch die fremde GebeitWrache und ihre Aufnähme in den Religiomsunterricht. Die Urkunden der christlichen Religion find griechisch geschrieben; aber nirgends wird deshalb im christlichen ReligionsunStrrricht Griechisch gelehrt, nur die Schüler, Dre ohnehin Griechisch gelernt haben, nutzen «diese Kenntnis auch im Religionsunterricht zur Lektüre der griechischen Bibel aus. Jm jüdischen Religionsunterricht dagegen werden Kinder einer Altersstufe, auf der man sonst in der Schule keinerlei fremde Sprachen lehrt, mit einer solchen belastet, und awf allen Stufen wird die kostbare Zeit, die zur Vertiefung des religiösen Verständnisses verwertet werden sollte, einer dem Religionsunterricht fremden Aufgabe geopfert?) Freilich diese Entlastung des x) Etwas ganz aubemä ist es natürlich, wenn das Hebräische mit ältiMn Schülern, vor altem mit denen, die eine lMere wissenichastiiche Bil-> Dung betommen, in wissenschaftlicher Act getrieben würde, — wie" ja auch den chrisrtichen Schülern in den obeien Klassen Les Gymnasiums Gelegenheit zur Erlernung des Hebräischen geboten wird.