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Liberales Judentum · 1916-11-01 · Heft 11-12 (November 1916) · p. Seite 139

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Journal
Liberales Judentum
Volume
8 (1916)
Issue
Heft 11-12 (November 1916)
Date
1916-11-01
Page
Seite 139 (sequence 19)
Language
German
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Aus drr Jugendbewegung 139 den Diskussionen wurden gelehrte Angelegenheiten berührt; mit welcher Freude Geiger die bibelkritische Abhandlung von Zunz begrüßte, geht aus der Aeußerung vom J3. (Juli {87% (Nachgel. Schr. V, S. 36%) hervor. Seine stets gleichbleibende Verehrung für den Altmeister drückte Geiger z. B. in folgenden Versen, aus: Gut purim, treubewahrter Alter Und doch so jugendfrisch als Lehrer, Noch heut der Geistesschatzverwalter, Des Tvissens schöpferischer Mehrer. Daß lange noch Dein Licht uns leite, Dein edles Weib Dir treu zur Seite! 3. März \87% die der Vollständigkeit halber nicht fehlen sollen. So wahrte Geiger bis zum Ende seines Lebens dem Altmeister Treue und Verehrung. Ob und wie Zunz den vor ihm Heimgegangenen schriftlich betrauerte, ist mir nicht bekannt. Daß er sein Andenken ehrte, geht schön aus der Tatsache hervor, daß er bei der Subskrixtionsaufforderung für die Nachgelassenen Schriften seine Unterschrift gewährte. Denn wenn auch Zunz die Partei* stellung Geigers nicht vollständig anerkannte, so ehrte er ihn als Menschen und als wissenschaftlichen Arbeiter und hat, einzelne Verstimmungen abgerechnet, ihm alle Zeit die Würdigung zuteil werden lassen, die er ln den schönen an Zsler 1(839 gerichteten Zeilen zum Ausdruck gebracht hatte. Aus der Jugendbewegung. Mdifch-librraler Jugendverein zu Krestau. Nach umfangreichen Vorbereitungen haben wir am \2. September unsere Wintertätigkeit wieder ausgenommen. Herr Bayer eröffnete die glänzend besuchte Versammlung und begrüßte besonders den Nedner des Abends, Herrn Rabbiner Dr. Berger, Görlitz, und unser Ehrenmitglied Zustizrat Berger, Königshütte, und dessen Frau Gemahlin. Der Vorsitzende gab sodann einen Ueberblick über unsere Arbeit im verflossenen Sommer. Es ist uns, dank reicher Spenden aus den Kreisen unserer alten Herren, gelungen, eine Bibliothek von 1(30 Bänden zusammenzustellen, die unseren Mitgliedern Gelegenheit gibt, sich über Religionswissenschaft, (Geschichte, Literatur und Apologetik des Judentums zu unterrichten. Ganz besonderer Dank gebührt unserem lieben Vereinsbruder, Herrn Dr. Nellhaus, der sich um die Organisation der Bücherei große Verdienste erworben und die Leitung derselben übernommen hat. Zm engen Zusammenhang mit der Bibliothek ist die ständige Einrichtung eines Leseabends in Aussicht genommen; die wichtigsten Zeitungen aller jüdischen Richtungen werden ausliegen, und es wird den Mitgliedern ein zwangloser Gedankenaustausch ermöglicht werden. Mit warmen Worten des Dankes und eindringlicher Aufforderung zu. rastloser Weiterarbeit für unsere Bewegung schloß fjerr Bayer unter lebhaftem Beifall und erteilte Herrn Rabbiner Dr. Berger, Görlitz, das Wort zu seinem Vortrag: „Der Wille zum Judentum — eine S chöxfung des Krieges." Der geschätzte Redner führte ungefähr aus: Die Hoffnungen, die wir zu Beginn des Krieges auf das Erstarken der Sittlichkeit und der Religion gesetzt hatten, haben sich leider nicht erfüllt. Aber ganz ohne Wirkung auf unseren Geist wird dieses gewaltige Ringen nicht an uns vorüber gehen. Wir haben gelernt, daß mit dem grübelnden und wägenden Verstand allein alle Vorgänge des Lebens nicht erklärt werden können. Zu großen Taten begeistert nur starkes impulsives Gefühl; wir haben es mit einem Schlage empfunden, daß wir Deutsche sind, und all die vielen Beweise, die wir Juden im Frieden anführten, sie erscheinen uns heut «ganz überflüssig. Auch mit dem Judentum ist es uns ähnlich ergangen; in dieser schweren Zeit haben wir erst gefühlt, wie eng. wir mit unserer Glaubensgemeinschaft verwachsen sind, jeder, der den Willen zum Judentum in sich spürt, ist Jude.

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