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Liberales Judentum · 1916-11-01 · Heft 11-12 (November 1916) · p. Seite 138

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Journal
Liberales Judentum
Volume
8 (1916)
Issue
Heft 11-12 (November 1916)
Date
1916-11-01
Page
Seite 138 (sequence 18)
Language
German
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138 Fudwig Origer: Feopüld Zun; und Abraham Geiger £ctx>& oder hiesiger Lhasen sein; es muß ohne Lokale, würden, Titel, Orden, Geld, Aufmunterung auch gelebt werden." Gin neuer Brief vom 23. Februar ^8^2 ist gleichfalls bitter in seinem Tone. „Von der geringen Teilnahme an Weinen Vorlesungen über Jüdische Literatur von Seiten der - hiesigen fugend. Daß ich weder Abzüge noch das erste fjeft seiner Zeitschrift erhalten und mich daher zurückziehe. Daß Wan außerhalb Berlins weder für Seminar noch Kulturverein beisteuern will. Ist es denn so schwer, sich aus der Zedaka-Büchse zur Idee zu erheben? . . . Morgen lange ich an vom Talmud zu sprechen. Ueber seinen Aufsatz „Die Exegese" hätte ich Mancherlei zu sagen, aber nicht zu schreiben." 2\. April. Auch hier die merkwürdigen Worte. „Ich hätte als Freund noch mancherlei zu sagen aber nicht zu schreiben." \2. August (8^2. „Dank für die zwei predigten und die Ansprache; mir auch die andern Breslauer Publikationen zu besorgen. Der Verleger Lev^sohn hat nichts gesandt. Wie ich höre, wird an Napoleons Geburtstag hier ein Raw gewählt." 19- Oktober 1,8^2. „Das hohe Porto und mein niedriges Gehalt — drei Zehntel des Raw — hemmt die Korrespondenz. Levysohn soll mir 7 Th. Honorar schicken. Kleinen inneren Anmut über hiesige Verhältnisse habe ich schon in drei Briefen nach Prag Cuft gemacht. Der letzte Brief vom 9- Dezember enthält kurze Notizen und die Anfrage, warum er keinen Beitrag für den Kulturverein zahle. Dann läßt uns das Briefbuch im Stich, die ferneren Briefe von Zunz sind unbekannt. Der tiefe Unmut Geigers über Zun; Verherrlichung der Tefillin und über dessen Gutachten über Beschneidung kommt in vielen Briefen Geigers, besonders in dem ausführlichen Schreiben vom l9- März j[8^5, Nachgel. Schriften V, 5. 180—^8H zum Ausdruck. Zunz antwortet ziemlich schroff, H. Mai 18^5, daselbst S. ^8H fg. Geiger versuchte einzulenken, 25. Juni \8^5,. aber vergebens. Auf die Einladung zur Nabbinerversammlung in Breslau 18^6 reagierte Zunz nicht, während seines kurzen Aufenthalts in Berlin ft8^7). hatte Geiger, wie er am 30. Juli schrieb, „mit Zunz eine höchst interessante Diskussion, die erste Begrüßung war in alter weise als Freund und so. auch der Abschied." Trotzdem ruhte der Briefwechsel eine lange Zeit. Als meine Mutter in Berlin operiert wurde und im Hedwigs-Krankenhause lag, bezeugten Zun; und seine Gattin ihr die herzlichste Anteilnahme, wie aus der sehr schönen Würdigung hervorgeht, 13. Januar 1860, 'Nachgel. Schriften V, S. 230. Gegen die üble Art, in der Zunz von >Grätz behandelt worden war,, legte Geiger lauten Protest ein, wie .er in seinem Briefe vom 26. und 27. März 1860 bekundete (Nachgel. Schriften V, S. v2^2). Nach dem Tode meiner Mutter müssen Zunsens ein Trostschreiben an den Witwer gesendet haben, als Antwort erfolgte die wundervolle Charakteristik der Verstorbenen, die Geiger an Zunz 27. und 28. Dezember, Nachgel. Schr. V, S. 2^8, richtete. Db mein Vater 1,863 bei unserer Durchreise durch Berlin Zunz aufgesucht, ist mir nicht erinnerlich. Von Frankfurt aus wurde ein eigentlicher Briefwechsel nicht geführt. Sein schönes Glückwunschschreiben zu Zunz 70. Geburtstag begleitete Geiger mit wenigen Zeilen (Nachtzel. Schr. V, S. 290), sonst ist aus der Frankfurter Epoche nur ein kleiner Brief vom 7. Januar 1,866 erhalten (Nachgel. Schr. V, S. 303). Ich erinnere mich, daß Zunz und seine Gattin uns in Frankfurt besuchten, und daß wir, wenn, ich nicht irre, in Soden mit ihnen einen Nachmittag verbrachten, wo mir die haushälterische Art des alten Herrn, mit der er den übrig gebliebenen Zucker, ja selbst die Butter verwahrte, in Erinnerung geblieben ist. In Berlin 1,870— 7H gestaltete sich ein traulicher Verkehr. In

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