Liberales Judentum
- Journal
- Liberales Judentum
- Volume
- 8 (1916)
- Issue
- Heft 11-12 (November 1916)
- Date
- 1916-11-01
- Page
- Seite 137 (sequence 17)
- Language
- German
- Belongs to
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FnLrvig Geiger: Leopold Zunz «nd Abraham Geiger 137 durch Geigers Anwesenheit in Berlin bereits wesentlich gewonnen, das weiß, ich sehr genau; vor dem polnischen Nabbonim und Thasidim und den jüdischen Heuchlern und Ignoranten möge uns Gott ferner bewahren. Wir haben nicht viele Geigers." Das schönste Zeugnis aber hat Zunz dem jüngeren Freunde in einem Briefe an Zsler vom 6. November H839 mit folgenden Worten ausgestellt: „Geigers Gemüt, Kenntnisse und wissenschaftlicher 'Ernst bilden ein schönes Ganzes. Ich kenne seinesgleichen wenig. Viele ( schreiben und toben, aber die Zahl der Erwählten ist gering und bei den meisten ist Vergoldung statt Gold. Zn Sodom, der sogenannten preußischen Hauptstadt wird nur am kleines Publikum für ihn sein." Ende j.839 verließ Geiger Berlin, nachdem er das preußische. Bürgerrecht nach vielen Bemühungen erlangt hatte und trat seine Stelle in Breslau an.' Von dort aus war der Briefwechsel zuerst außerordentlich lebhaft. Am 7. Januar l.8^0 schrieb Zunz viele wissenschaftliche Notizen. Am % März erklärte er es für mißlich, „daß man dort (d. h. in Breslau) in der Synagoge eine Stelle einer» lThristen vermietet habe." Vom 22. AVrz—27. Dezember sind nicht weniger als 9 Briefe hintereinander verzeichnet, von denen man nicht weiß, ob sie alle einzeln abgeschickt wurden. - Meist sind es persönliche und wissenschaftliche Notizen, Anfragen und Beantwortungen von Fragen der Korrespondenten, nur wenige Bemerkungen verdienen eine Hervorhebung. Am 22. März heißt es: „Die wissenschaftliche Zeitschrift tut not, nicht allein für die Theologie, lieber jüdisches Wissen habe ich hier keinen Mitsprechenden mehr." 6. Mai. „Alle Nedner in Israel sollten über Damaskus reden." 2% August. „Ich möchte nicht, daß er wie alle Rabbonim und Prediger der Wissenschaft den Abschied gebe." 8. November. „Die polemische Literatur aus Wichtiges einzuschränken, nicht die Miro- Braydschen Zänkereien zu verewigen. Man versinkt auf unwissenschaftlichem Boden gar zu leicht in das kleinstädtische Geklgtsch und Wichtigtuerei. Die in dem Zirkular projektierte Idee einer jüdisch-literarischen Statistik bedarf nur einiger fleißiger Literatoren, keiner Vereine; ohnehin gefällt mir dies sich isolierende Lärmschlagen nicht. Leben in der Wissenschaft fehlt, weil kein Gelehrtenstand da ist. . . . Gestern war Seminareröffnung, unsere Kezinim erscheinen nicht, wenn die Löwe nicht singt." 27. Dezember. „Er möge die Mächtigen anfeuern, uns hier zu unterstützen, dann kann . das hiesige Seminar groß werden." Am \8. Januar j[8^1 sendete Zunz Nachrichten vom Kulturverein. „Daß wir uns vor dieser breit machenden Mittelmäßigkeit hüten sollen. . . . 0h er das Weihnachtsfeiern der Juden hätte sollen auf die Kanzel bringen?" Den Brief vom 20. April ^8M bezeichnet Zunz selbst als „nur weniges." Dagegen macht sich ein Anzeichen über den Wechsel der Stimmung in dem merkwürdigen Briefe vom 30. April f8U an Geiger geltend, in dem es heißt: „Wir sind alle nur mitwirkende Elemente, keine Titanen. Eine Trennung, ein Niß ist nicht heilsam, die sich ablösende Minorität würde versinken." Am b 2lugust bedauert -er, daß sich in Breslau kein Mitglied zum Kulturverein gemeldet habe. Am \6. November notiert er: „Zn Hamburg gedeihen keine jüdischen Gelehrten. . . . Es fehlt den Zuden ein Sinn, wie ihn^ selbst die Zrländer haben. . . . Mendelssohn und Meyerbeer sind zusammen ein halber Jude. Meine Bibliothek kann nicht recht zu Kräften kommen, da ich nach Berliner Mmhag salariert werdet Zch müßte Bernäys,