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Liberales Judentum · 1916-11-01 · Heft 11-12 (November 1916) · p. Seite 136

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Journal
Liberales Judentum
Volume
8 (1916)
Issue
Heft 11-12 (November 1916)
Date
1916-11-01
Page
Seite 136 (sequence 16)
Language
German
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136 Ludwig Geiger: Leopold Armx und Abraham Geiger Webende fortrißdarf aber auch ein wenig auf das Konto, von Frau Adelheid Zunz^gefetzt werden. Denn diese Frau, die es auch sonst im Loben verstand, diejenigen, die sich durch Zunz' Schroffheit gekränkt oder abgewiesen fühlten, an das Haus zu fesseln, wenn es ihr auch keineswegs gelang, die Ecken und Härten ihres Gatten abzuschleifen, trat meinem Vater mit ihrer vollen Liebens-- ' Würdigkeit ^entgegen und bewies ihm, wie so vielen jugendlichen Besuchern ihres Dauses, warme Sympathie. Alan muß sich hüten, diese ^Bemerkungen falsch, zu verstehen: in dieser vortrefflichen Frau war nichts von Gefallsucht oder bewußter Koketterie, sondern Herzlichkeit und wahrhafte innere Liebenswürdigkeit, Zugleich eine besondere Fähigkeit, jüngere strebende Männer in ihrer Bedeutung Zu erkennen und, wie sie es meisterhaft verstand, 'ihnen das Haus behaglich zu machen, so wußte sie auch ihre Anhänglichkeit gn den nicht selten brummigen und abwehrenden ^Meister zu erhöhen und zu stärken. Gewiß hat es während dieser Zeit zwischen beiden Männern nicht an heftigen Diskussionen gefehlt, wie Zunz in seinem Briefe vom Mai selbst bekennt: „lieber das ganze oder zerbrochene Israel hatten wir schon vor <5 Jahren mündlich gestritten." Aber in dieser Zeit wurde die Ansicht von Zunz über meinen Vater eine wärmere, die er auch anderen gegenüber zum Ausdruck brachte. Allerdings notierte er in seiner autobiographischen Sammlung: „Das Buch Zunz" u. d. \% Sept. (838 (wahrscheinlich beim ersten Besuche, den Geiger machte)* „Dr. Abraham Geiger (Verehrer—Freund— Gegner — gleichgültig in chronologischer *) Natürlich! stammt nicht die ganze Notiz vom 14. September. Wahrscheinlich ist damals nur der Name eingezeichnet; der Zusatz folgte vermutlich am Ende der vierziger Jahre, nachdem die Entfremdung eingetreten war. Die Bezeichnung „Gegner" ist freilich zu stark. Reihenfolge." Aber in den Jahren (838, (839 bildete sich eine wahrhafte Freundschaft. Zu ihr mag die warme Art beigetragen haben, mit der Bernhard Beer in Dresden mehrfach über Geiger schrieb. Folgende zwei Stellen sind dafür charakteristisch. Beer an Zunz: 8. Februar (839* „Wie befindet sich denn Dr. Geiger? Ist er noch in Berlin? Kommt er häufig zu Ihnen? Ich nehme herzlichen Anteil an sein ferneres Schicksal und wünsche ihm den besten Erfolg. Grüßen Sie ihn gefälligst in meinen Namen." 25. November (839- „Ist unser Geiger noch in Berlin? Wollen Sie mir ihn freundlichst grüßen mit der Be-, merkung, daß wenn es ihm unbequem ist, es mir recht ist, wenn er die Bücher mit der Fahrpost hierhersendet." Zunz nahm damals an Geiger so lebhaften Anteil, daß er selbst Rapoport gegenüber ein günstiges Wort für ihn einlegte und an ihn schrieb: „Strauß in Zürich freut mich, ebenso Geiger in Breslau, der doch durchaus nicht jenem gleicht. Daß sein Brief Geiger gekränkt." So schrieb er auch an Julius Fürst in Leipzig am 7. Januar (8^(0: „Herrn Dr. Geiger, der an offenen und heimlichen Feinden genug hat, tun auch seine Freunde unrecht; er ist keineswegs ein parteimann, man müßte denn Jeden, der etwas ernst will und vertritt, so benennen; was freilich zu allen Zeiten, eben wo Parteien erscheinen, geschieht." Wie sehr Zunz damals auf Geigers Seite stand, igeht aus. einzelnen Aeußerungen in Briefen an andere hervor. So schrieb er an S. Gahen in paris, ff. Juni 18^0: „Die täglichen Ausfälle auf Dr. Geiger rühren von'seinen Feinden her." Sehr bemerkenswert ist eine Aeußerung an Dr. Samter in Gleiwitz, (2. Juli (8^0: „Daß er ungerecht in Beurteilung Geigers. Wir haben

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