Liberales Judentum
- Journal
- Liberales Judentum
- Volume
- 8 (1916)
- Issue
- Heft 11-12 (November 1916)
- Date
- 1916-11-01
- Page
- Seite 124 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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124 Ar. Einstein: Friedensarbrit im Kriege (nach Luthers Uebersetzung) heißt : „er demütigte dich und ließ dich hungern . . . auf daß er dir kund tat, daß der Mensch nicht lebe vom Brot allein, sondern von allem, das aus dem Mund des Herrn gehet" und dazu nimmt, (ebenda (0, (2. (3): „nun, Israel, was fordert der Herr dein Gdtt von dir, denn daß du den Herrn deinen Gott fürchtest, daß du in allen seinen Wegen wandelst und liebest ihn und dienest dem Herrn deinem Gott von ganzem Kerzen und von ganzer Seele, daß du die Gebote des Herrn haltest und seine Rechte,, die ich dir heute gebiete, auf daß dir's wohl geht?" Auf Stellen wie Psalm 37,(6, Sprüche (3,7, (5,(6, 28,6, 30,7—9, auf die Bitte Salomons ((. Rap. 3,9) u. a. sei absichtlich nicht hingewiesen, cmch der bekannte Spruch (Spr. d. Väter (,3) nicht angeführt: „seid nicht wie Knechte, die dem Herrn dienen, mit der Bedingung, Lohn zu erhalten, 'sondern wie solche, die dem Herrn dienen ohne die Bedingung, Lohn zu erhalten" (vgl. dazu I. Weigl, das Judentum. Berlin (9((, Guttentag S. 72). Aber die Warnung (5. B. M. 8,(( ff.) soll doch noch erwähnt werden: „hüte dich nun," — wenn du reich und glücklich bist — „daß du des Herrn, deines Gottes nicht vergessest, damit daß du seine Gebote und seine Gesetze und Rechte, die ich dir heute gebiete, nicht haltest .... Du möchtest sonst sagen in deinem Kerzen: meine Kräfte und meiner Hände Stärke haben mir dies Vermögen ausgerichtet usw." Und woher weiß denn der Herr Professor, daß der Dekalog sich nur an den Mann wendet und in ihm die Frau neben Knecht und Magd als Besitzstück des Mannes erscheint? Ist nicht der Dekalog in Anwesenheit des ganzen erwachsenen Volkes gesprochen, Männer und Frauen zusammen? (vgl. z. B. 2. B. M. (9,(0. (7). Deshalb heißt es fa auch im vierten Gebote: „da sollst du kein Werk tun, noch dein Sohn, noch deine. Tochter, noch dein Knecht, noch deine Magd". Die Frau ist nicht genannt, denn sie hört mit dem Manne die göttliche Offenbarung. Oder' sollte die Frau ganz allein von der 'Sabbatruhe ausgeschlossen sein? Und ist nicht die Frau als Mutter ebenbürtig und gleichberechtigt mit dem Vater als Gegenstand der Verehrung im fünften Gebote genannt? Auf derselben Seite ^3 bringt Meinhold das bekannte 'Wort Hillels zur Erklärung der Nächstenliebe: „was dir unlieb ist, tue auch deinem Nächsten nicht, dies ist das ganze Gesetz und alles andere dazu der Kommentar", und fährt fort: „gewiß ist das eine edle und große Antwort, aber auch bei ihr gibt der Blick auf das eigene Wohl den Maßstab für die Behandlung des Nächsten ab." Als ob das ein Unrecht wäre, 'als ob der Mensch anders zum pflichtgemäßen Verhalten gegen den Nebenmenschen angehalten werden könnte, als wenn ihm zu Gemüte geführt wird, wie auch ihm pflichtgemäßes verhalten von Seiten des Nebenmenschen erwünscht ist. Und als ob das große Wort von der Nächstenliebe, du sollst deinen Nächsten lieben wie dich selbst (oder besser als dich selbst) nicht gleichfalls das eigene «.Wohl zum Maßstab für die Behandlung -des Nächsten nähme! Das ist so die Methode, die auch Harnack in seinem Wesen ■ des. Christentums (Leipzig (902, Hinrichs) angewandt hat. Da findet er nicht genug Worte des Rühmens und preisens (S. 30) für den Ausspruch des pfalmisten (73,25): „Herr, wenn ich nur dich habe, frage ich nicht nach Fimmel und Erde" und für das Wort Michas (6,8): „es ist dir gesagt, Mensch, was gut ist und was der Herr von dir fordert, nämlich Gottes Wort halten und Liebe üben und demütig sein vor deinem Gott." Und dann kommt's: „selbst die Pharisäer hatten es; aber sie hatten leider noch sehr viel anderes daneben." Die Erscheinung, daß die Entwicklung der Religionslehre „noch sehr viel ande-