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Liberales Judentum · 1916-09-01 · Heft 9-10 (September 1916) · p. Seite 116

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Liberales Judentum
Volume
8 (1916)
Issue
Heft 9-10 (September 1916)
Date
1916-09-01
Page
Seite 116 (sequence 20)
Language
German
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116 Ar. Georg I. Ptstke: Aus den nachgelaffrnrn Kapieren von Julius Klatkr ° den. — Da kommen alle, die die angesirebten Stellungen im Staate nicht erlangen, — welche sich wjfe große Parlamentarier fühlen und doch nicht ins Parlament gewühlt werden, welche ordentliche Professoren werden wollen und doch nicht diese Professur erlangen, welche Oberlandesgerichtsratsstellen für sich wünschen und doch nicht in diese Position kommen. Und viele viele Andere. Die kurieren an dem kranken Leibe des deutschen und österreichischen Judentums herum und machen den Patienten nur immer kränker. wenn man aber bei einer großen Kalamität an die Opferfreudigkeit appelliert, dann trifft man auf Gngherigkeit, Schwäche, Gigenliede. Da heßßt es: die ILA, dieAlliance ist dazu da, wir haben mit uns genug zu tun. Das sind unsre Verhältnisse.-Wundern Sie sich dann nochwenn wir mit bangem Kerzen auf unsre Freunde Ln Amerika Hinüberblicken, auf das Land der Freiheit, des sittlich-geistigen Auffchwungs, der Regeneration — und von da aus alle die Hoffnung wenigstens für diejenigen schöpfen, denen wir selbst nicht helfen können? Ich weiß, auch drüb en b ei Ihnen wird mit Wasser gekocht, auch bei Ihnen fehlt es an Männern größerer Zahl, mit dem rechten Elan, mit dem Opfermut, mit dem Ginfluß, mit der faszinierenden Kraft, größere Kreise in' Bewegung zu setzen und zu entflammen. Gs sind immer und immer dieselben Männer, deren Herzblut vergossen wird, wenn so fürchterliche Aufgaben an das gebildete Judentum herantreten. — Aber mit Recht sprechen Sie von den Organisationen, die zur Arbeit herangezogen werden müssen, von dem Orden Bnai Brith'und ähnlichen. Da,därf nicht länger gezögert werden, von Ort.zu Grt muß sich ein Netz von Organisationen spannen, durch deren Vermittlung die Ankömmlinge sofort von New! Hork weg gelangen und zu einer Tätigkett gebracht werden. Und ich halte es für durchaus billig, daß auch Guropa dazu beisteuert, da außerordentlich große Mittel dafür erforderlich sind. Gs wird die Aufgabe sein, wenn Charles Ls a l l g a r L e n, der das Lserz auf dem rechten Fleck hat und die Sachlage genau kennt, Gnde März bei Ihnen ist, das Nähere mit ihm zu erörtern, die Summen zu, normieren, welche von Guropa aus zur Verfügung gestellt werden müßten, die Orte, an welche direkt die Emigranten Rumäniens zu dirigieren wären, damit sie wenn möglich New-L)ork überhaupt nicht ^berühren, oder sich wenigstens dort nicht aufhalten. Gs werden bei uns und Ihnen in jedem-Staat, in jeder größeren Stadt Organisattonen geschaffen werden müssen — soweit sie noch nicht existieren — die dem Komtte in New, Hork in die Lsände arbeiten. Gs ist ein Krieg gegen Lsaß und Verfolgung, den wir führen müssen, dieser Krieg erfordert Geld und wohldurchdachte Organisationen. — Ich persönlich, sehe sehr schwarz — Was Rumänien betrifft. Larp ist von seinem platz gegangen, Stourdza wird den! niedrigsten Leidenschaften des Volkes schmeicheln. Gr wird nichts für die Juden dort tun! — Gs ist mir leid, daß ich meinem Kummer in diesem Briefe so sehr Ausdruck gegeben habe, — aber wem soll ich es sagen, wenn nicht Ihnen, (meinem lieben mitfühlenden, verständnisvollsten Freunde? Rkeine Frau wird den lieben Brief Ihrer Frau beantworten. Mas Sie über Ihre Kinder schreiben, ist erftischend und stärkend. Auch unsre Kinder entwickeln sich munter weiter. Sie haben Temperament und frohen Rlut und sie sollen lernen, sich in der Melt zu tummeln, um, wenn die Ls eimal einmal unwirtlich werden sollte, draußen Männer eigner Kraft zu werden. Grüßen Sie recht herzlich Ihre siebe Frau und die taxfern Kinder von uns allen. In herzlicher Freundschaft Ihr __ plotfe;

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