Liberales Judentum
- Journal
- Liberales Judentum
- Volume
- 8 (1916)
- Issue
- Heft 9-10 (September 1916)
- Date
- 1916-09-01
- Page
- Seite 114 (sequence 18)
- Language
- German
- Belongs to
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114 Ar. Georg I. Plotke: Ku-s den nachgelassenen Papieren non Julius Molke o o o o während die übrigen Domherren Ln prächtigen Äarossen zur Wahl fuhren, Dr. Rohn sich aus seiner Wohnung, in der die größte Einfachheit herrschte, zu Fuß in die Kirche begeben habe. Das schöne Einvernehmen, das zwischen dem neuen Erzbischof und seiner Diözese im -Anfänge herrschte, wurde bald getrübt. Erst in diesen Tagen ist festgestellt worden, daß der frühere Reichsrats- und Landtagsabgeordnete pater Wurm sofort nach der Wahl Dr. Rohns in dem tschechisch-fortschrittlichen Blatte „pozor" einen Feldzug gegen den neuen Erzbischof eröffnete. 1902 brach wegen der strengeren Verwaltung des Rirchenvermögens ein offener Aufruhr gegen ihn aus. -Damals erschienen im „pozor" die mit „Rectus" gezeichneten Artikel, in denen ein flammender Haß gegen Dr. Rohn zum Ausdruck kam. Der Angegriffene suchte sich Genugtuung zu schaffen, fahndete nach dem Verfasser der Artikel und rief dadurchdaß er kein Mittel unversucht ließ, um zum Ziele zu gelangen, in der ganzen Diözese einen tiefen Groll hervor. Als gegen ihn der Vorwurf erhoben wurde, daß er einen Dominikaner zu einem Bruche des Beichtgeheimnisses habe verleiten wollen, um auf diese .Weise die Person des .Artikelschreibers im „Pozor" festzustellen, wurde Rohn nach Rom. wo er Liebkind war, berufen, und das Ergebnis der Verhandlungen mit der Rurie war sein am 1% März erfolgter Rücktritt von seinem Amte. Dr. Rohn wurde im selben Zähre vom Papste zum Titular-Lrzbischof von Pelusia ernannt, focht das Testament seines Vorgängers an und erwarb schließlich, nachdem ihm die päpstliche Rurie eine ausreichende Pension zugesprochen hatte, eine Besitzung in Ehrenhansen in Steiermark. ,Hier verbrachte er den Lebensabend in ländlicher Einsamkeit, bis ihn fetzt der Tod von seinem entsagungsvollen Dasein erlöste. Seit längerer Zeit war er herzkrank. So zeigt die Lebenstragödie des hohen Rirchenfürsten.Rohn an einem auffallenden Beispiel, wie bis in die zweite, ja bis in die dritte und vierte Generation die Sünde der Väter sich an den Rindern rächt. Line ergreifende Mahnung an die Väter und Mütter, die sich dem verblendeten Wahn hingeben, ihren Rindern durch die Taufe den Lebensweg zu ebnen. Nicht nur daß sie aus ihren Rindern innerlich zerrissene, seelisch heimatlose Geschöpfe machen, auch äußerlich verfolgt sie bis auf die höchsten Höhen des Lebens noch ihre Abstammung wie ein rächendes Gespenst. Aus den nachgelassenen Papieren von Julius Plotke. IL) mitgeteilt von Dr. Georg J. Plotke. Ein Arirf noch Uew-Uork. Frankfurt a. M., den 10. März 1901. Mein lieber Freund! Sie entschädigten uns reichlich für Ihr langes Schweigen mit Ihrem eingehenden Brief vom 17. Februar, aus welchem die ganze Seele meines lieben G. spricht. Die *) vergl. Nr. 3/4 dieses Jahrgangs. ganze Zeit hindurch habe ich es vermieden. Ihnen persönlich über die Ralamität in R u - mänien zu schreiben; ich wußte, wie es Ihnen zu Mute ist; ausmeiner eigenen Empfindung heraus kann ich jederzeit die Ihre nachfühlen. Wir möchten so gern gründlich und umfassend helfen, und an allen Ecken und Enden sind wir gebunden. Alles ist unzureichend, der Wille und W Rraft und die Mittel aller