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Liberales Judentum · 1916-09-01 · Heft 9-10 (September 1916) · p. Seite 113

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Journal
Liberales Judentum
Volume
8 (1916)
Issue
Heft 9-10 (September 1916)
Date
1916-09-01
Page
Seite 113 (sequence 17)
Language
German
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oo Ar. Münz: Glück und Ende des Erzbischofs Ar. Theodor Kohn von Olmütz il3 nichts ist förderlicher als Selbstkritik und treiben wir diese, so mag manches zu Tage treten, was in dem Augenblick, woes ausgesprochen, auch schon abgestellt ist. Uns selbst loben brauchen wir nicht. Das Gute versteht sich von selbst. Drum laßt uns aus gemachten Fehlern lernen, die einzugestehen wir. den Mut haben. Glück und €nde des Grzbisdiofs Dr. Theodor Kohn von Olmüf}. Van Dr. Bernhard JTlünz-Wien. ffut nichts, der Jude wird verbrannt! So heißt es noch jetzt in vielen Kreisen Oesterreichs. An diesem Dogma vermag auch die Taufe des Juden nichts zu ändern^ Ja, selbst der Nachkommenschaft des Konvertiten wird Generationen hindurch die Abstammung nachgetragen, vollends wenn sie den Mut hat, den Ehrennamen „Kohn" aufrechten Hauptes beizubehalten. Dies hat sich wieder von neuem an dem jüngst verstorbenen Erzbischof Dr. Theodor Kohn von Olmütz bewährt. Der Erzbischof wurde in dem Gebirgsdorfe Brzezintz bei Zlin im Jahre geboren. Er hat somit ein Alter von 70 Jahren erreicht. Sein Vater war der Kleinhäusler Josef Kohn, der sich taufen ließ, um seine Braut Veronika Haucik heiraten zu können. Theodor besuchte die Volksschule in der Heimat und ging dann in die Hauptschule in Ungarisch-Hradisch. Nachdem er 1(867 in Kremsier die Reifeprüfung abgelegt hatte, wurde er ins Olmützer Priesterseminar vom damaligen Erzbischof Kardinal Fürstenberg aufgenommen. Er widmete sich theologischen, literarischen und Sprachstudien. Im Jahre s87s vom Kardinal zum Priester geweiht, erhielt er eine Anstellung als Kaplan in wsetin. Kardinal Fürstenberg, der dem jungen Priester seine volle Gunst zuwandte, ernannte ihn zum Konsistorialauditor und ein Jahr darauf zum Konsistorialrat. Im Jahre 1(879 wurde Kohn zum päpstlichen Ehrenkämmerer und 1(880 zum fürsterzbischöflichen Rate und Assessor des Konsistoriums ernannt. Sein Lieblingsstudium war das katholische Kirchenrecht, das, er zum Gegenstand von akademischen Vorlesungen und von Aufsätzen machte, die in verschiedenen Fachzeitschriften erschienen sind. Diese wissenschaftlichen Abhandlungen lenkten auch die Aufmerksamkeit des Unterrichtsministeriums auf ihn, das ihn 1(888 ohne Konkursausschreibung zum Professor des Kirchenrechtes und der Fundamentaltheologie an der Olmützev theologischen Lehranstalt ernannte. Als vorzüglicher Lehrer, der den Studierenden auch ein liebevoller Freund war, wurde er sehr geschätzt. Besonders warm legte er feinen Hörern ans Herz, zwischen Kirche, Staat und Schule stets ein schönes Einvernehmen Zu pflegen. Als Kardinal Landgraf Fürstenberg 1(883 bei der Visitationsreise bedenklich erkrankte, übergab er Professor Dr. Kohn die Verwaltung der großen Erzdiözese. Noch im selben Jahre erfolgte seine Ernennung zum Kanzler und Kanzleidirektor des fürsterzbischöflichen Konsistoriums. Sein außerordentlicher Arbeitseifer wurde 1(887 durch Ernennung zum nichtresidentialen Kanonikus belohnt. Die Wahl Dr. Kohns zum Erzbischof erfolgte im Jahre 1(892, und zwar im zweiten Wahlgange. Der erste Wahlgang hatte kein Ergebnis. Die Wahl Dr. Kohns hatte überall die größte Ueberraschung hervorgerufen. Er selbst war von seiner Wahl so frappiert und ergriffen, daß ihm zwei Domherren, als er sich aus dem Konklave zu Fuß in die Domkirche begab, Unterstützung leihen mußten. Als besonders interessant wurde in den damaligen Berichten hervorgehoben, daß.

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