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Liberales Judentum · 1916-09-01 · Heft 9-10 (September 1916) · p. Seite 111

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Liberales Judentum
Volume
8 (1916)
Issue
Heft 9-10 (September 1916)
Date
1916-09-01
Page
Seite 111 (sequence 15)
Language
German
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Nr. Cohn: Mir werden rvir unsere Kinder nach dem Kriege erziehen D 111 Me werden wir unsere Kinder nach dem Kriege erziehen? Uon Dr. Willy Cohn (z. Z. im 5elde). enn Du den Frieden willst, rüste den | Krieg", so heißt es, aber auch jetzt mitten im Ringen des Weltkrieges ist es Gebot, an die Fragen zu denken, die dann auftauchen werden. Unter ihnen scheint mir nicht von geringster Bedeutung zu sein, wie sich die Gestaltung unserer jüdischen Jugenderziehung vollziehen wird. Mancher könnte da antworten: „So, wie bisher. Denn unsere Zugönd hat sich in dem Kriege trefflich bewährt." Und die Richtigkeit des letzten Satzes zugegeben, sieht doch vieles unter den ungeheuren Ereignissen der Gegenwart nun anders aus. Es ist der heiße Wunsch aller derer, die im Felde stehen, daß in Deutschland für immer die Zeiten geschwunden sein mögen, in denen dex Judenhaß das Volk zerriß! Mit höchster Begeisterung ist die jüdische Zugend hinausgezogen, um vor dem Feinde ihre Pflichten zu tun. Dafür will sie keinen Dank, denn sie tat nur ihre Pflicht. Und dieser jDflichtgedanke muß uns weiter zum Leitstern unserer Zukunftserziehung werden und immerdar bleiben. Deutsche Zungens wollen wir erziehen, die ganz und gar in ihrem Vaterland wurzeln, die auch nicht im geringsten das Gefühl mehr haben sollen, einem andern Tebenskreise anzugehören. Die Jünglinge, die in diesem Kriege Seite an Seite mit ihren christlichen Kameraden gekämpft und geblutet haben, sie werden nach dem Kriege konfessionelle Absonderung nicht mehr verstehen. Zn der Stunde der Gefahr betete jeder nach seiner weise zu seinem.Gott, und doch war es ein Bänd, das sie alle umschlang. „Zeder nach seiner weise", diese Treue zum Glauben der Väter muß bleiben. Auf sie wird das Kriegserlebnis nur stärker wirken. Aber mehr als je soll unsere Religion nur Religion sein! Die wurzeln unserer Kraft sind im heimischen Boden, in Deutschlands Erde; das Länd, von dem einst der Glaube zum einigeinzigen Gott über die ganze Welt zog, ist uns eine Stätte pietätvollen Gedenkens, nichts mehr. Das wollen wir unseren Zungens sagen. Und die Spräche, in der sie fühlen, denken und sprechen, sei auch die Sprache in der sie sich zu ihrem Gott wenden; warum ihre Köpfchen schon frühzeitig mit einer an-, deren Sprache belasten? Zu der Sprache der Bibel werden sie von selbst kommen, von selbst wird in den geweckteren von ihnen das Bedürfnis entstehen, auch den Urtext der alten, schönen Gebete lesen zu können! Und die, in denen er nicht entsteht, sind deshalb keine schlechtere Zuden. Als freie, aufrechte Männer wollen wir unsere Söhne heranwachsen lassen. Sie sollen ihren weg gehen, ohne viel rechts und links zu sehen, den Weg des Gewissens. Und bescheiden sollen sie sein, zurückhaltender. Mancher Fehler ist da gemacht worden, das kann man ruhig zugeben! wir wollen nicht „anders" sein als unsere christlichen Mitbürger, Söhne einer Mutter — Deutschland, — wällen wir auch eines Wesens sein. Allzuviel hat man wohl in den wohlhabenderen jüdischen Kreisen unsere Zungens vor dem Kriege auf die geistigen Berufe-hingewiesen. vorzügliche Examina, glänzende Zeugnisse waren der Ehrgeiz vieler Eltern. Gewiß hat das seinen wert, und der jüdische Akademiker, der diese Zeilen schreibt, würde, wenn er es leugnete, die Berechttgung seiner eigenen Existenz negieren! Aber das Heil hängt nicht vom akademischen Grad ab. Das Heil kann nur kommen, wenn einmal ein großer Teil unserer Söhne an-

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