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Liberales Judentum · 1916-09-01 · Heft 9-10 (September 1916) · p. Seite 108

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Journal
Liberales Judentum
Volume
8 (1916)
Issue
Heft 9-10 (September 1916)
Date
1916-09-01
Page
Seite 108 (sequence 12)
Language
German
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108 Ar. Spanier: Entlassrmgsrrdrn wührrrü» drr Krirgsxrit eindringlich auf Euch wirken können, wie diese Zeit, die Euer Herz erglühen machte, mit ihrem Ruf, „ohne IDiort und ohne kaut und doch vernehmbar": Ans Vate r l a n d, ans teure schließ Dich an. Und was hielt uns aufrecht in jenen Zeiten, als eine Welt von Feinden gegen uns erstand, als - vermeintliche Freunde von uns abfielen, weil es ihnen vorteilhafter schien, was ließ uns zuversichtlich den Sieg erharren, trotz des Tobens der Völker gegen uns? Ls war die Ueberzeugung, daß nicht die Heeresmassen und die Waffenmenge allein, sondern der Geist entscheidet, es war der unerschütterliche Glaube, daß es ein Recht gibt, daß nicht vom blinden Zufall diese Welt geleitet wird, sondern daß Güte und Gerechtigkeit doch triumphieren werden, daß ein Gott lebt, zu strafen und zu rächen. Luch, die Ihr jetzt aus der Schule ins Leben tretet, Luch leuchten gleich himmlischen Sonnen diese großen Gedanken auf Euren Weg: Gott und Vaterland. Diese Gedanken habt Ihr in schwerer Zeit durchlebt, und so werden sie Luch zum bleibenden Besitz werden. Sie mögen Luren Sinn erheben -über alles Gewöhnliche und Niedrige und Luch Ehrfurcht und Andacht verleihen vor allem Hohen und Herrlichen. Und wie nach jener alten Erzählung von den aus dem Paradiesfrieden aufgeschreckten Menschen das Feld der Arbeit lag, so lehrt auch Luch das Erlebnis dieses letzten Jahres mit eindringlicher Schärfe den Segen, ernster Arbeit. Arbeit wirkt Kraft. Und die Kraft Deutschlands wird, wie sie den Neid geweckt hat, auch die Neider niederringen. Ihr nahmt bei dem plötzlichen Ausbruch des Krieges keinen Augenblick der Verwirrung in unserm Lande wahr. Die Kraft richtete sich ruhig auf. Nun zeigte sich, wie man in den Jahren des Friedens die Zeit genützt hatte. Unsere Soldaten waren des Krieges ungewohnt, aber die fleißige militärische Uebung!, die manchem in zu großer Friedenszuversicht lästig und vielleicht überflüssig schien, hatte die Stärke geschaffen, die mm auf alles gerüstet war. Gewaltige Scharen mußten eingekleidet werden. Kein Stück fehlte. Die Lifenbahnzüge saht Ihr nach West!und Mst rollen, unablässig und ohne jede Störung. Strenge Ordnung herrschte m allem. Fleiß und Ordnung- Worte, die Ihr in Eurem Schulleben so oft gehört habt, saht Ihr jetzt nicht ihre Bedeutung ein? Nicht mir die Ordnung der Dinge, auch die Ordnung der Menschen saht Ihr wirken. Ein jeder hatte seinen Platz, der eine höher, der andere niedriger. Aber jeder fühlte sich als Teil des Ganzen und lernte sich unterordnen. Er hatte das, beglückende Gefühl: Ich tue meine Pflicht, auch auf meinem engen Felde wirke ich für das große Ganze. Wirke ich treu und unablässig auf meinem Platze, so wächst meine Kraft und macht mich geeignet . für größere Aufgaben. Ihr hörtet von manchem Soldaten, der als Gemeiner in den Kampf gezogen war, der aber durch treue Arbeit, durch nimmermüde Pflichterfüllung seine Fähigkeiten so gesteigert hatte, daß man ihn aus der Schar der Kameraden herausheben und ihnen überordnen mußte. Unser ganzes Leben ist 'ein Kampf, und wir aÜe sind Kämpfer. Erfaßt den ganzen Ernst der Aufgabe, die Euch das Leben stellt. Ihr tut nur, was Ihr schuldig seid, wenn Ihr an jedem Platze Eure Pflicht tut. Möchtet Ihr dann nach dem Maße der Bemühung auch den Segen ernten und das schönste Glück empfinden, das uns auf Erden befchieden ist, das beseligende Gefühl erfüllter Pflicht. 1916. Als ich hier im vorigen Jahre von den erziehlichen Einwirkungen Eurer Kriegserlebnisse sprach, dachte ich im stillen: im nächsten Jahre werde ich von den Segnungen des

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