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Liberales Judentum · 1916-09-01 · Heft 9-10 (September 1916) · p. Seite 105

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Liberales Judentum
Volume
8 (1916)
Issue
Heft 9-10 (September 1916)
Date
1916-09-01
Page
Seite 105 (sequence 9)
Language
German
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Krsfesssr Ar. FriÄ»land: Aas jüdische Erbet 10L gegen äußere und innere Leinde, als Israel sich zum Gottesstäate auf palästinensischem Baden ausbaute^ unter diesem Heils- und Einigungsrufe fanden sich nach dem Verlust der.staatlichen Selbständigkeit die Glaubensbrüder auf dem weiten Erdenrund zusammen. Mit dem Schma-Worte auf den Lippen stirbt der Jude auf dem Lager seines friedlichen Heimes oder im Toben der Feldschlacht, mit dem Schma-Worte hauchten auf den Scheiterhaufen des Mittelalters die Märtyrer ihre Seele aus, die fromm und treu am Judentums hing. „Schma-Iisroel"^ ruft der russische Jude, wenn er unter der Rnute des Rosaken in der schmutzigen Straße seines Ghettos oder in den Sümpfen Polens, .in die ihn der barbarische Mille seiner Regierenden.hinauswies, zusammenbricht. Dieses Schma-Wort nun ist der Grundton unserer Lanzen Gebetsordnung, wie eine Herz und Sinn ergreifende weife klingt es hindurch durch alles, was wir im Gotteshause singen und sagen. Es schallt zum ausgespannten Himmelszelt, wenn wir des Morgens zu ihm emporblicken und mit dem psalmdichter singen: (pfalm $.) Des Himmels Ruf erzählt und ehret Die Größe Gottes, feine Pracht; Die ausgespannte Feste lehrEt Die Werke., die sein Arm gemacht; Und aller Welten Harmonie Verkündet und besinget sie. Es steigert sich zu ipachtvoll feierlichen Akkorden, wenn wir in derAduschoh von der Heiligkeit Gottes sprechen und ausrufen: Kodosch, kodosch, kodoseh Adonoi zewoos, melo chol hoorez kewodo. „Heilig, heilig, heilig ist der Herr der Heerscharen, voll ist die Erde von seiner Herrlichkeit." Es klingt durch, wenn wir, „den Ewigen, unseren Gott" bitten, daß er seine „Ehrfurcht verbreite über alles, was er erschaffen, daß ihn ehrfürchten alle -Werke und sich vor ihm niederwerfen all l e Geschöpfe", wie es in dem Lelmroueü Lsre- Gebet lautet. Das Schma-Wort ist es auch im Grunde, das uns ermahnt, uns „an Gott, den Richter der Menschen, der Herz und Nieren prüft und dem nichts verborgen ist," zu wenden, wenn wir wehmuts-reuevoll die Selbstanklage erheben: Osobauum bogadnu. gosalnu: „Wir haben gesündigt, wir waren treulos, haben unsere Nächsten beeinträchtigt." wir flehen „Unseren Vater" an, der zugleich „Unser Rönig" ist (Owinu,. Malkenu), daß er uns von der körperlichen und geistigen Not errette und uns dem Heile zuführe, und zum Schluffe hallt es bebend von den Lippen der Andächtigen: „Höre Israel, der Ewige unser Gott, der Ewige ist einzig." „Der Ewige, Er ist Gott!" ruft die Beterschar in - gewaltiger Ergriffenheit. Das ist in großen Zügen der Irrhalt, der Gebete für unser Versöhnungsfest, wir werden darin vor allem erinnert, daß wir die Verkünder des ewigen und einzigen Gottes sind. Gott ist die Rraft, die hinter den sinnlichen Dingen webt, die wir nicht erfassen und uns nicht vorstellen können, die wir aber in den Wundern der Welt ahnen. Gott ist aber — so wird uns immer wieder vor Augen geführt — die Einheit in der Sittlichkeit, der Inbegriff alles Sittlichen, der feste Punkt, nach dem wir blicken müssen, um nicht irre zu werden in unserem Tun und Lassen. Er ist „heilig", Md wir sollen uns daher heilig, rem erhalten; er ist „der Herrscher über alle Geschöpfe und unser Vater", und wir sollen uns daher mit den anderen Menschen brüderlich zu einem Bunde vereinigen; er ist unser Richter, und wir sollen uns hüten, das Löttliche Sittengesetz zu übertteten. Und derselbe Leitgedanke, der der Gebetsordnung des Versöhnungsfestes zu Grunde liegt, bildet auch den Gegenstand des

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