Liberales Judentum
- Journal
- Liberales Judentum
- Volume
- 8 (1916)
- Issue
- Heft 9-10 (September 1916)
- Date
- 1916-09-01
- Page
- Seite 103 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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! Professor Ar. Frirdland: Aas jüdische Gebet 103 zum Schutz des Vaterlandes, das ist die Kriegspflicht unserer Frauen. Mas weiß die Melt, was weiß die Weltgeschichte von dem schweigenden Heldentum unserer Mütter und Schwestern, unserer Gattinen und Bräute J Mas kündet sie van der stillen Größe, die keusch und tapfer das Leid der Trennung auf 'sich nimmt als ein Notwendiges, heiliges — und ihr eigenes Schicksal dem Schicksal des Vaterlandes unterwirft! Und doch offenbart sich die innere Größe eines Volkes ebenso kebendig in der Gesinnung seiner Frauen wie durch die Taten der Männer. Und doch sind unsere Frauen ebenso berufen, an der Entwicklung ihres Vaterlandes mitzuschaffen wie die Männer. Unsere Frauen von heute sehnen sich nach großen Aufgaben — hier finden sie die größte. Trägerinnen der Zukunft sollen sie sein! Denn der sittliche und seelische Einfluß unserer Frauen ist der Boden, auf dem unsere Jugend heranwächst. Die deutschen Frauen jüdischen Glaubens, die jede Stunde bereit shrd, dem vaterlande das Liebste, das sie haben, zum Mpfer zu bringen, werden ihre Söhne zum höchsten j)klichtbewußtsein gegen das Vaterland und nicht minder gegen den angestammten Glauben, erziehen und somit getreu bis in den Tod ihre eigene Pflicht gegen Vaters land und Glaubensgemeinschaft erfüllen. Somit darf die deutsche Zudenheit her Zukunft stark und getrost entgegensehen! Noch tobt die Furie Krieg mit ungeschwächter Kraft weiter und die große und schwere Zeit erfüllt ganz alle kserzen. Groß und ruhmvoll stehen Deutschland und seine Verbündeten da — aber es steht noch im Kriege! Ströme edlen Blutes sind auf den Schlachtfeldern in Mt und Mest geflossen, und kaum eine Familie gibt's noch in deutschen Landen, die nicht ihr Liebstes — Gatte oder > Vater, Sohn oder Bruder — hergeben mußte. Aber in aller Herzenstrauer und Tränenflut der deutschen Frauen jüdischen Glaubens blieb überall der eine stolze Trost: Fürs teure Vaterland sind sie als Melden auf dem Felde der Ehre gefallen! Und daneben blüht auch eine demütige Hoffnung: Gott in seiner Gnade wird doch der gerechten Sache, die diesen schrecklichen Krieg nicht wollte, den endgültigen Sieg verleihen! Der Geschichtsschreiber dieser hehren Zeit wird dereinst des schweigenden Heldentums der deutschen Frauen, auch der deutschen Frauen jüdischen Glaubens, mit ehrfurchtsvoller Bewunderung gedenken. Das jüdifche Gebet.*) Von Direktor Profettor Dr. R. friedland-Seefen a. H. 3n den ersten Monaten des Krieges brachten die Zeitungen die Abbildung eines jüdischen Gebetbuches, das einem schlesischen Landwehrmann das Leben gerettet hat. *) Der folgende Aufsatz ist ein Vortrag, den der Verfasser am letzten Jom Kippur im Tempel der Jacobsonschiule zu Seesen a. H. hielt. Der Zuhörerkreis' besteht dort vornehmlich! aus den Schülern der Anstalt. Dentgemaß ist der belehrende Vortrag in diesem Falle eher am Platze als die Erbauungspredigt. Ob es nicht angezeigt wäre< in den Synagogen auch! die iEine fromme Mutter hatte dieses Gebetbuch ihrem Sohne beim Abschiede zur Front in den Tornister gesteckt, ohne daß er selbst vielleicht davon wußte. Eine Kugel durchbohrte den Tornister, drang in das (Aebet- Erwachfenen mehr zu belehren als zu erbauen, mag dahingestellt bleiben. Jedenfalls versucht her Vortragende, die ihm anvertraute Jugend dem positiven" jüdischen Liberalis- N. MUs nahe zu bringen, und er glaubt daher, öatz die Anhänger dieser Richtung den Versuch nicht ungern j kennen lernen werden.